Suche nach dem Glück: Diesen Fehler machen fast alle
Kaum ein Zustand wird so eifrig angestrebt wie das Glück. Selbsthilfebücher sind voll davon, Podcasts versprechen es, und irgendwo zwischen Morgenroutine und Selbstoptimierung entsteht der Eindruck, man müsse nur die richtigen Dinge tun, dann stelle es sich sofort automatisch ein.
Das Problem beginnt allerdings schon beim Begriff selbst. Denn wenn von Glück die Rede ist, werden meist zwei völlig unterschiedliche Dinge in einen Topf geworfen. Das eine ist das, was wir „Glück haben“ nennen. Also jener Moment, in dem uns etwas zufällt: eine gute Gelegenheit, eine Fügung, eine Konstellation, für die wir eigentlich nichts können. Glück als Zufall.
Das andere ist das, was wir „glücklich sein“ nennen. Dieses Gefühl, dass das Leben stimmt. Dass man zufrieden ist, Freude empfindet und mit dem, was ist, gut leben kann.
Beides wird gerne miteinander verwechselt. Und daraus entsteht eine merkwürdige Erwartung: dass uns Glück zusteht. Viele glauben inzwischen, man müsse nur richtig leben, dann komme es wie von selbst. Bleibt es aus, wirkt das schnell wie ein Verlust. Als hätte einem jemand etwas genommen, auf das man Anspruch gehabt hätte.
Glück lässt sich nicht einfordern
Glück funktioniert so nicht. Glück kann passieren, aber man kann es nicht einfordern. Ich kann höchstens Bedingungen schaffen, die es wahrscheinlicher machen. Wer freundlich mit anderen Menschen umgeht, erhöht die Chance, dass sie ebenfalls freundlich reagieren.
Wer hingegen auf einen Lottogewinn hofft, sollte wissen: Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Sinnvoller erscheint mir deshalb ein anderer Begriff: ein freudvolles Leben. Freude unterscheidet sich nämlich deutlich von Spaß oder Lust.
Spaß ist ein Gipfelerlebnis, schneller Anstieg, kurzer Höhepunkt, danach fällt die Kurve rasch ab. Wer ständig danach sucht, gerät leicht in eine Spirale aus Erwartung und Enttäuschung.
Das „Alltagsschöne“Freude funktioniert anders. Sie hält länger und untermalt den Alltag. Der Philosoph Wilhelm Schmid spricht vom „Alltagsschönen“: gute Gespräche, Spaziergänge, ein Essen, das man bewusst wahrnimmt.
Die Gegenwart hingegen liebt das Spektakuläre. Friedrich Nietzsche nannte das „Verzückungsspitzen“. Sie können wunderbar sein, solange sie nicht das Einzige sind, was man erwartet. Ein freudvolles Leben besteht aus etwas anderem: aus vielen kleinen Erfahrungen, die das Leben bereichern.
Dabei hilft es wenig, das Schwierige schönzureden: Was belastend ist, bleibt belastend. Doch selbst wenn es viel Dunkles gibt, ist das Schöne deshalb nicht verschwunden, man muss es nur wieder wahrnehmen. Eine Geste. Ein Geruch. Oder indem man beim Gehen innehält, weil ein Strauch zu blühen beginnt.
Passender wäre es daher, einen Tag der Freude zu feiern. Denn der findet sich erstaunlich oft im Alltag. Nämlich immer dann, wenn wir aufhören, nur nach dem großen Moment zu suchen und das Alltagsschöne übersehen.
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