Braucht keine 10.000 Schritte: Warum uns Entzündungen altern lassen

Innere Entzündungen gelten als Auslöser für eine schnellere Alterung des Körpers und unzählige Zivilisationskrankheiten. Ein Experte klärt über die stille Inflammation auf und wie man sie bekämpft.
Foods representing anti-inflammatory diet

Ein Schinken-Weckerl im Gehen, mittags Pasta, am Abend ein kleines Bier und Chips zum Runterkommen. Dazwischen Kaffee, wenig Schlaf, stundenlanges Bildschirm-Sitzen. Viele würden das als Alltag beschreiben. Markus Metka nennt es Brandbeschleuniger.

In seinem neuen Buch „Der Körper brennt“ rückt der Wiener Internist die chronische, stille Entzündung ins Zentrum. Ein schwelendes, jahrelanges Feuer im Körper, das Herz, Gefäße, Stoffwechsel und sogar das Gehirn langsam in Mitleidenschaft zieht.

Krebs auf Entzündungen

Metka argumentiert klar: Viele Zivilisationskrankheiten – Herzinfarkt, Diabetes Typ 2, Adipositas, Alzheimer, Depression – haben eine gemeinsame Basis. Eine niedriggradige Dauerentzündung („silent Inflammation“) ,die man lange nicht spürt – und gerade deswegen so gefährlich ist. „Je mehr Entzündungen, desto schneller altert man“, erklärt der Mediziner im KURIER-Interview. Sogar Krebs entwickle sich oft nur auf einer chronischen Entzündung – wie etwa Magenkrebs auf Gastritis.

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Markus Metka: „Der Körper brennt“ braunmüller Verlag, 25 Euro

Neue Studien

In den USA sei man viel weiter, was das Bewusstsein für eine antientzündliche Lebensweise angeht. „In Kalifornien kann es leicht passieren, dass man auf ein antiinflammatorisches Frühstück eingeladen wird."

Gerade durch die vielen neuen Studien zu Fettweg-Spritzen gäbe es noch mehr Aufschluss in diesem Bereich. So hätten Anwender 30 Prozent weniger Herzinfarkt, weniger Risiko für Alzheimer, 30 Prozent weniger Diabetes Typ 2. „Das war schon überraschend. Hier besteht ein klarer Zusammenhang mit der Reduktion von stillen Entzündungen.“

Denn der Anti-Aging-Experte gibt zu bedenken: „Jede Fettzelle erzeugt Entzündungsstoffe.“

1. Ernährung

 „Ich würde sagen, nicht Obst und Gemüse essen, sondern Gemüse, Gemüse, Gemüse und Obst.“ Die Fruktose sei bei Obst, wie Mangos nicht zu unterschätzen. Hochprozessierte Lebensmittel vom Speiseplan streichen, genügend pflanzliches Eiweiß zuführen und Zucker reduzieren. „Der ist wie Benzin für Entzündungen.“

2. Bewegung 

6000 Schritte täglich und moderates Krafttraining. „Wie so oft bei Lifestyle-Empfehlungen – die Dosis macht das Gift.“ Zwei bis drei Mal Krafttraining die Woche und tägliche Bewegung seien ideal. „Es müssen gar keine 10.000 Schritte sein“, wie der Mediziner ausführt. (mehr dazu im Buch)

3. Umwelt

„Es ist bekanntlich der Geist, der den Körper formt und es geht darum, zufrieden, zu leben.“ Stress fördert inflammaging, ebenso wie Einsamkeit. „Fast alle sehr alten Menschen leben in einer Großfamilie oder einem sozialen Gefüge.“ Die höchsten Entzündungswerte hat man in der Isolation.

4. Messung 

Wie kann ich nun aber meine stillen Entzündung überhaupt erkennen? Zunächst das hochsensitiven CRP (C-reaktive Protein) mit Überweisung des Hausarztes im Labor messen lassen. Zudem sagt auch das Verhältnis von Triglyzeriden zu dem HDL-Wert viel aus. Werte ab 2,0 deuten auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin. Der Nüchterninsulinwert (nicht Nüchternzucker) ist ebenfalls wichtig, um die eigene Insulinfunktion zu bestimmen. Neben dem Zuckerstoffwechsel sollte auch auf den Fettstoffwechsel geachtet werden - dem Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren. Wer zu viel Omega-6 im Körper hat, fördert Inflammationen.

Wie schafft es der Mediziner?

Und wie hält der Mediziner es selbst mit seinen Ratschlägen aus dem Buch? „Auch ich habe einen Cheat-Day pro Woche und ich bin sicher kein geborener Asket.“ Seit Jahren gibt es keine gezuckerten Getränke für ihn, auch keine mit Alternativzucker. Einmal im Monat darf es ein Kalbsschnitzel sein. Zu Chips aber würde er nie greifen. „Das ist Selbstmord auf Raten.“

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