Der erste Kuss: Was passiert da eigentlich im Körper?

Der erste Kuss: Was passiert da eigentlich im Körper?
Samstag ist der Welttag des Kusses: Intensives Küssen löst ein "körperliches Feuerwerk" aus.

Verschmuste Paare genießen es regelmäßig, Singles sehnen sich oft danach, manche Menschen hatten noch nie das Vergnügen: Küsse sind in vielen Kulturen ein Ausdruck tiefer Zuneigung und Verbundenheit. Der erste Kuss bleibt dabei für viele unvergesslich. Am Samstag (6. Juli) begeht er sogar seinen eigenen Welttag.

Ob leidenschaftlich mit der Zunge oder zärtlich mit den Lippen - die meisten Menschen erleben ihren ersten Kuss im Jugendalter. Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Deutschland zufolge liegt der Anteil der Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren, die angaben, schon einmal geküsst zu haben, seit vielen Jahren um die 75 Prozent. Doch was passiert beim ersten Kuss eigentlich?

„Explosion der Sinne“

Intensives Küssen mit einem Menschen, den man mag, löse ein körperliches Feuerwerk aus, erklärt Kulturwissenschaftlerin Tina Bremer-Olszewski aus Hamburg, die sich für ihr Buch „First Love“ damit beschäftigt hat. Egal, ob beim ersten oder hundertsten Mal: „Hormone wie Adrenalin und Dopamin gehen durch die Decke.“ Dafür sorge auch das sogenannte Bindungs- oder auch Kuschelhormon Oxytocin, das bei dem intimen Moment ausgeschüttet wird und ein wohliges Gefühl auslöst.

Mit dem allerersten romantischen Kuss beträten wir daher eine neue Welt, erklärt sie. Das mache diese Berührung auf den Mund oft unvergesslich. „Es ist der erste intime Moment, den man außerhalb der Familie erlebt.“ Er hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Der Berliner Psychotherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger spricht von einer Explosion der Sinne: „Küssen ist die intimste Form der erotischen Annäherung, die uns zur Verfügung steht.“ Seiner Meinung nach ist Küssen intensiver als alle anderen Formen der sexuellen Zärtlichkeiten.

Ist Küssen besser als Sex?

Wenn man zum ersten Mal im Leben die Lippen eines anderen romantisch berührt, seien die Gefühle sogar besonders stark, betont er. „Man wird innerlich überrannt.“ Der erste Kuss könne etwas „unendlich Aufregendes“ auslösen. Beim zweiten oder dritten Mal wisse man dann schon, was auf einen zukommt.

Manche behaupten sogar, Küssen sei intensiver als Sex. Das sei Ansichtssache, sagt Bremer-Olszewski. Für einige sei die Lippenberührung intimer, weil sie der erste Schritt in eine emotionale und auch körperliche Verbindung sein kann. Andere fänden sie nicht so wichtig und hätten lieber Geschlechtsverkehr, erklärt sie. Der erste Kuss sei oft erst der Anfang einer Romanze und könne gerade in neuen Partnerschaften viel bedeuten. In längeren Beziehungen könne wiederum Sex eine größere Bedeutung bekommen.

Fehlende Chemie oder falsche Technik? Aus verschiedenen Gründen könne der erste Kuss zwischen zwei Menschen nicht so schön werden wie erhofft, sagt Bremer-Olszewski. Falls es an der Technik liege, könne man gemeinsam daran arbeiten und üben. Wenn das nicht helfe, solle man vielleicht darüber nachdenken, ob jemand anderes möglicherweise besser zu einem passe. Jede erste Zärtlichkeit ist nämlich auch ein biologischer Check. Ganz nach dem Motto: „Passen wir zusammen?“

Der Grund: Beim Küssen komme man sich so nah wie sonst kaum, erklärt die Kulturwissenschaftlerin. Über Geruch und Geschmack könne man den potenziellen Fortpflanzungspartner beim Lippenspiel genau unter die Lupe nehmen. Wenn man sich dann nicht gut riechen könne, sei das für gewöhnlich kein rosiges Zeichen. Die Küsse entscheiden also mit, wie es mit der Romanze weitergeht.

Mit schlechten Küssern ließen sich viele gar nicht erst auf eine Beziehung ein, sagt Psychotherapeut Krüger. Und das liege nicht an der Akrobatik der Zunge: Um ein guter Kusspartner zu werden, brauche es Persönlichkeit, erklärt er. Zur Lippenberührung gehörten viele Eigenschaften, etwa Sozialkompetenz. „Aber auch, dass man in der Lage ist, dem anderen körperlich zuzuhören - und zu antworten.“ Das müsse erst gelernt werden. Richtig gutes Küssen beim allerersten Mal ist seiner Ansicht nach deswegen eher selten.

Nicht gleich verzweifeln

Auch wenn es nicht sofort zum „Perfect Match“ kommt: Nicht gleich verzweifeln! „Mit der Zeit oder mit einem anderen Menschen kommt auch der richtige Kuss, der wunderbar ist“, ist sich Bremer-Olszewski sicher. Die Hoffnung auf schöne Intimität sollte daher nicht frühzeitig aufgegeben werden. Das sieht auch Krüger so: Am besten so lange suchen, bis man jemanden gefunden hat, der halbwegs gut küssen könne.

Wenn man auf einen Menschen trifft, den man gerne küssen möchte, solle man wirklich nichts erzwingen, betont Bremer-Olszewski. Auch wenn es nicht mehr das allererste Lippenspiel sei, müssten natürlich beide Partner einverstanden sein. Unsichere könnten vorsichtig nachfragen, ob der oder die andere auch bereit sei für die intime Zärtlichkeit. Wichtig ist: „Wenn die Situation nicht eindeutig ist, lieber noch etwas warten.“

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