Grippewelle hält an: Krankenhäuser und Ordinationen überlastet

Eine kranke Frau liegt im Bett.
Ein Abflachen der Erkrankungszahlen ist nicht in Sicht. In Wien ist rund ein Viertel mehr Patienten mit Influenza im Spital als zur selben Zeit in der vergangenen Grippesaison.

Infektionen mit Grippe, grippalen Infekten und Covid nehmen in Österreich weiter zu. Nach den Feiertagen und Ferien kommt es meist zu einem Anstieg der Erkrankungen – dieser Effekt zeigt sich auch in der heurigen Saison. 

5.871 ÖGK-Versicherte waren in der zweiten Kalenderwoche des Jahres wegen Influenza im Krankenstand, in der Woche davor waren es noch 3.339. Weitere 68.602 mussten wegen einem grippalen Infekt zuhause bleiben (KW 1: 74.609). "Auch im europäischen Umfeld ist die Situation angespannt: In nahezu allen Ländern Europas gibt es eine steigende Influenzaaktivität, wobei vor allem Influenza A(H3N2) maßgeblich zur aktuellen Entwicklung beiträgt", sagt ÖGK-Chefarzt Andreas Krauter.

Wien: Rund ein Viertel mehr Patienten mit Influenza im Spital

Ein Abflachen der Grippewelle ist derzeit nicht in Sicht. Das zeigt sich laut der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien auch an der Zahl jener, die aufgrund einer Influenza-Infektion im Krankenhaus behandelt werden müssen. 

In Wien sei derzeit rund ein Viertel mehr Patienten mit Influenza im Spital als in der vergangenen Grippesaison. "Auch die Ordinationen der Wiener Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner sind derzeit völlig überrannt und am Limit", sagt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien. 

Durch den Start von Schule und Kindergarten nach den Ferien rechnet Kamaleyan-Schmied mit weiteren Infektionen und einem Anstieg der Erkrankungszahlen. Ebenso verweist das Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität Wien auf den fortwährenden Anstieg der Influenza-Aktivität in Österreich.

Auch andere Erkältungsviren zirkulieren

Neben der Zunahme an Grippe zirkulieren derzeit auch Adenoviren, die unterschiedliche Erkrankungen verursachen können. Besonders häufig führen sie zu Erkältungskrankheiten mit Symptomen wie Fieber, Halsschmerzen, Husten oder Schnupfen, in schweren Fällen auch Bronchitis oder Lungenentzündung. 

Zudem können sie auch Augenentzündungen auslösen oder den Magen-Darm-Trakt betreffen. Ebenfalls verbreitet sind Parainfluenzaviren, die vor allem Erkrankungen der Atemwege verursachen, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkinder. Typischerweise führen Parainfluenzaviren zu Erkältungssymptomen wie Schnupfen, Husten und Fieber, können aber auch schwerere Krankheitsbilder hervorrufen. 

Besonders bekannt ist ihr Zusammenhang mit dem sogenannten Pseudokrupp, einer Erkrankung, bei der es durch eine Entzündung des Kehlkopfs und der oberen Atemwege zu bellendem Husten, Heiserkeit und Atemnot kommt. Bei älteren Kindern und Erwachsenen verlaufen Infektionen meist milder, während sie bei kleinen Kindern, älteren Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem schwerer ausfallen können.

Tests müssen privat bezahlt werden

1.345 ÖGK-Versicherte mussten vergangene Woche wegen einer Covid-Infektion in den Krankenstand. "Vor diesem Hintergrund wäre es besonders wichtig, dass wir Ärztinnen und Ärzte im Verdachtsfall testen könnten", erklärt Kamaleyan-Schmied. "Dies betrifft einerseits Influenza-Tests, um verlässlich zwischen einer Influenza-Infektion und einem grippalen Infekt unterscheiden zu können. Außerdem wäre der flächendeckende Einsatz von sogenannten CRP-Schnelltests wichtig, um bakterielle Erkrankungen verlässlich zu diagnostizieren und gezielt mit Antibiotikagabe therapieren zu können."

Die Tests sind zwar verfügbar, müssen aber von Patientinnen und Patienten privat bezahlt werden. Der Einsatz von CRP-Schnelltests in den Ordinationen ist durch die Krankenkasse stark limitiert. "Virale Infekte können bekanntermaßen nicht mit Antibiotika therapiert werden. Eine fälschliche Gabe von Antibiotika ist also nicht nur sinnlos, sondern führt zu einem Anstieg von Resistenzen", sagt Kamaleyan-Schmied. 

Für rechtzeitige und gezielte Therapien seien Influenza-, Covid-, RSV- oder CRP-Schnelltests in den Ordinationen unerlässlich, betont die Allgemeinmedizinerin. Sowohl Kamaleyan-Schmied als auch ÖGK-Chefarzt Krauter raten zur Impfung gegen Grippe. Sie stelle nach wie vor den wirksamsten Schutz dar. 

Informationen zu bestehenden Impfangeboten erhält man bei der Hausärztin oder dem Hausarzt sowie über die Website der Österreichischen Gesundheitskasse unter.gesundheitskasse.at/impfstellen.

"Ergänzend sind bewährte Maßnahmen wie gründliche Handhygiene, verantwortungsbewusstes Verhalten bei Krankheitssymptomen sowie regelmäßiges Lüften von Innenräumen konsequent einzuhalten", so Krauter. 

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