Erdnussallergie: Frühe Gewöhnung reduziert Risiko bei Kleinkindern
Erdnussallergien beginnen oft früh im Leben und begleiten viele Betroffene ein Leben lang. Schon kleinste Mengen können bei Betroffenen starke Reaktionen hervorrufen, angefangen von von Hautausschlag und Atemnot bis hin zum lebensbedrohlichen allergischen Schock. Besonders tückisch ist, dass Erdnüsse in vielen Lebensmitteln „versteckt“ vorkommen, etwa in Süßigkeiten, Backwaren, Fertiggerichten, Saucen oder asiatischen Speisen. Auch Erdnussöl oder Spuren durch Kreuzkontamination können gefährlich sein. Die Angst vor schweren allergischen Reaktionen gehört für Familien somit häufig zum Alltag.
Vor diesem Hintergrund gewinnen neue Therapieansätze an Bedeutung. Erst im April 2026 empfahl die schwedische Gesundheitsbehörde in neuen Leitlinien, Allergiebehandlungen stärker einzusetzen, die den Krankheitsverlauf langfristig verändern können – darunter auch die sogenannte orale Immuntherapie.
Langsame Gewöhnung statt lebenslangem Verzicht
In der aktuellen Studie, die im Journal The Lancet Regional Health – Europe veröffentlicht wurde, wurden 75 Kleinkinder mit unterschiedlich schweren Erdnussallergien untersucht. 50 von ihnen erhielten eine aktive Behandlung: Sie nahmen täglich winzige Mengen von Erdnussflips zu sich, deren Dosis alle vier bis sechs Wochen vorsichtig gesteigert wurde. Ziel war eine niedrige Erhaltungsdosis, die etwa eineinhalb Erdnüssen pro Tag entspricht. Die übrigen 25 Kinder bildeten eine Kontrollgruppe und mieden Erdnüsse vollständig.
„Alle Kinder, die das Behandlungsprotokoll einhielten, konnten am Ende mindestens dreieinhalb Erdnüsse essen, ohne eine allergische Reaktion zu entwickeln“, sagt Studienleiterin Caroline Nilsson vom Karolinska Institutet. Die meisten Kinder hätten sogar bis zu 25 Erdnüsse vertragen. Entscheidend sei jedoch, betont Nilsson, dass die Therapie ausschließlich unter streng kontrollierten medizinischen Bedingungen durchgeführt werde.
„Die Erdnussflips ließen sich leicht essen, was die Behandlung für die Familien gut umsetzbar machte“, erklärt Nilsson. Nach drei Jahren zeigte sich ein deutlicher Unterschied zwischen den Gruppen: 82 Prozent der behandelten Kinder konnten selbst nach einer vierwöchigen Pause mindestens dreieinhalb Erdnüsse essen, ohne allergisch zu reagieren. In der Kontrollgruppe gelang dies nur 12 Prozent.
Nebenwirkungen meist mild, Vorsicht geboten
Ganz ohne Risiken ist die Therapie jedoch nicht. Zwar traten Nebenwirkungen meist nur mild auf, etwa Juckreiz im Mund oder Hautausschläge. Während der Phasen der Dosiserhöhung kam es jedoch vereinzelt auch zu schwereren Reaktionen, in wenigen Fällen war eine Behandlung mit Adrenalin notwendig.
„Diese Therapie darf keinesfalls auf eigene Faust zu Hause ausprobiert werden“, warnt Mitautorin Anna Asarnoj vom Karolinska Institutet und dem Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhaus. Der vorsichtige, eng medizinisch begleitete Ansatz sei entscheidend für die Sicherheit der Kinder.
Dauerhafte Toleranz?
Als nächsten Schritt wollen die Forschenden untersuchen, wie sich das Immunsystem der Kinder während der Behandlung verändert – und ob die neu gewonnene Erdnusstoleranz auch langfristig bestehen bleibt.
Die Studie wurde am Sachs’ Kinder- und Jugendkrankenhaus in Stockholm durchgeführt und durch private Spenden, die Region Stockholm sowie den Schwedischen Asthma- und Allergieverband finanziert.
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