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Kind schläft nicht? Dieser Fehler beim Essen ist oft schuld

Expertin: Abendrituale helfen Kindern, aus dem Tag herauszufinden und Eltern, das Thema „Schlaf“ nicht jedes Mal neu verhandeln zu müssen.
Ein schlafendes Kind liegt im Bett, die Mutter greift ihm auf die Stirn.

Zusammenfassung

  • Abendrituale helfen Kindern, den Tag abzuschließen und erleichtern Eltern das Zubettgehen.
  • Ein häufiger Fehler ist ungeeignetes Essen am Nachmittag oder Abend, das den Schlaf stören kann.
  • Das Besprechen des Tages sollte vor dem Zubettgehen stattfinden, während im Bett eher Ruhe und Vertrautheit wichtig sind.

In den sozialen Medien kursiert die Geschichte von den Kaluli, einem indigenen Volk in Papua-Neuguinea, und ihrem Ritual namens „Night Clearing“: Am Abend säßen Kinder und Erwachsene am Feuer, die Kinder dürften erzählen, was sie am Tag belastet oder erschreckt hat; dann bleibe alles Schwere dort. 

So nachvollziehbar das klingen mag, als belegtes Ritual hält das einem Faktencheck nicht stand. Dennoch verrät die Geschichte etwas: Viele Eltern spüren, dass Kinder abends nicht nur „ins Bett gebracht“ werden sollten, sondern vorher aus dem Tag herausfinden müssen.

Mehr Schlafprobleme

Dass dieser Übergang heute vielen Familien schwerfällt, beobachtet Astrid Steindl. Sie ist Schlafcoach für Babys, Kleinkinder und Kinder in Wien. „Schlafschwierigkeiten haben zugenommen“, stellt sie fest. Die Gründe sieht sie im gesamten System Familie: fordernder Alltag, Beruf, Kindergarten, hohe Erwartungen, viele Empfehlungen; darunter oft widersprüchliche.

Rituale können hier wie ein Halt wirken. Das sei, so Steindl, „ein Aneinanderreihen von kleinen Ereignissen“, an denen das Kind ablesen kann, dass sich der Modus verändert und der Tag endet. Das beginnt bereits mit drei, vier Monaten: mit einem Lied, einem Satz, mit dem Umziehen, Stillen oder Fläschchen.

Bei Kleinkindern startet dieses Einstimmen oft schon früher: Steindl nennt als Beispiel das „Willkommen daheim“ spätnachmittags. Ein Satz als wiederkehrender Moment beim Nachhausekommen: Hallo Wohnung, wir sind wieder da. 

Das Kind weiß: Jetzt kommt das Abendessen, vielleicht noch Spielzeit, dann Bad, Zähneputzen, Buch, Schlaf. Es muss nicht ständig erraten, was die Erwachsenen vorhaben.

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Schlafcoach für Kinder: Astrid Steindl

„Rituale sind ein Aneinanderreihen von kleinen Ereignissen, an denen das Kind ablesen kann, dass sich der Modus verändert und der Tag endet."

von Schlafcoach Astrid Steindl, Wien

Wenn die Stimmung kippt

Gerade bei Kindern um die zwei Jahre entscheidet nicht nur die letzte halbe Stunde, sondern die Zeit davor. Wenn gegen 18 Uhr die Stimmung kippt, das Kind müde ist, nichts mehr essen will und zugleich außer sich gerät, ist das laut Steindl häufig ein Kulminationspunkt: lange Wachzeit, sinkender Blutzucker, schwache Emotionsregulation. 

Ihr Rat: Schon am Nachmittag vorbeugen, zum Beispiel mit dem richtigen Essen. Eine reine Obstjause sei oft zu wenig, besser seien länger sättigende Komponenten, also Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett. 

Das Abendessen selbst sollte bekömmlich sein, nicht schwer. Eine Cremesuppe mit Brot, Gemüsereis, etwas Warmes, das das Kind mag. Rohkost, viel Obst oder große Mengen Milchprodukte sind ungünstig, weil sie den Schlaf stören können.

Und was ist nun mit dem Mythos „Nachtklärung“? Die Idee, den Tag zu besprechen, ist nicht falsch, doch der Zeitpunkt ist entscheidend. Wer erst im Bett beginnt, Sorgen, Streit oder aufregende Erlebnisse aufzuarbeiten, aktiviert bei manchen Kindern genau das, was zur Ruhe kommen sollte. „Ich würde damit schon rituell beim Abendessen anfangen“, sagt Steindl. Oder auf der Kuschelecke. Dort kann gefragt werden: Was war heute schön? Was war schwierig? Was ist passiert? Im Bett brauchen viele Kinder eher eine Verengung der Welt: weniger Worte, vertraute Sätze.

Vorlesen als Ritual

Zum Ritual kann ein Buch gehören. Steindl rät, eher nicht im Bett vorzulesen, damit es zunehmend mit Schlaf verbunden wird. Eine kleine Lampe, der Rest des Raums abgedunkelt, eine kurze Geschichte zu Bildern, immer dieselbe Erzählung – das reicht. 

Bei Nachtlicht, weißem Rauschen und technischen Hilfen ist Steindl zurückhaltend. Sie würde eher bei Dingen bleiben, die Eltern selbst geben können: Singen, Nähe, Kuscheln.

Junge Säuglinge brauchen Co-Regulation, später kann man Schritt für Schritt weniger „machen“: etwa weniger Trinken als Einschlafhilfe, mehr Dasein. Wenn die Flasche das Runterfahrinstrument wird, kann sie nachts den nächsten Schlafphasen-Wechsel erschweren. Fläschchen also, wenn nötig, außerhalb des Bettes geben, danach Zähneputzen, dann Schlafengehen.

Am Ende ist ein Gute-Nacht-Ritual kein pädagogisches Kunstwerk. Vielmehr ist es eine wiederholbare Abfolge, die Eltern hilft, nicht jeden Abend neu zu verhandeln, und dem Kind zeigt: Die Herde ist da, der Tag ist vorbei, schlaf gut.

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