Verheiratete Männer: Adipositasrisiko verdreifacht sich laut Studie

Ein Hemd spannt am Bauch.
Verheiratete Männer sind laut einer neuen Erhebung dreimal so häufig fettleibig wie ihre alleinstehenden Pendants.

Immer wieder legen Untersuchungen nahe, dass eine Ehe vor Depressionen schützen kann. Wobei der emotional stabilisierende Effekt insbesondere bei Männern beobachtet wird. 

Erst vergangenes Jahr ergab eine internationale Analyse, dass Geschiedene und getrenntlebende Menschen im Vergleich zu verheirateten Personen ein um 99 Prozent höheres Risiko für depressive Symptome hatten. Auch in dieser Erhebung waren geschlechtsspezifische Unterschiede auffällig. Alleinstehende Frauen, so spekulierten die Forschenden, würden aufgrund ihres meist stützenderen sozialen Umfelds seltener in die Depression schlittern. 

Wie hängt der Familienstand mit Fettleibigkeit zusammen?

Bei Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) sieht die Sache etwas anders aus, wie eine polnische Studie nun zeigt: Demnach haben verheiratete Männer ein höheres Risiko für Gewichtsprobleme als unverheiratete. Konkret ist ihr Adipositasrisiko um das Dreifache erhöht

Auch bei Frauen macht sich der Ehestand auf der Waage bemerkbar. Allerdings stieg bei den untersuchten Frauen mit Trauschein lediglich das Risiko für Übergewicht, nicht aber jenes für ausgeprägte Formen der Fettleibigkeit.

Um zu den Erkenntnissen zu gelangen, analysierte die Gruppe des nationalen Kardiologie-Instituts in Warschau Daten von rund 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der polnischen WOBASZ-II-Umfrage.

Geschlechterunterschiede auch bei Wohnort und Psyche

Aktuell ist die Studie nur als Preprint verfügbar, sie wurde noch nicht von unbeteiligten Fachleuten geprüft. Die Erkenntnisse sollen am diesjährigen europäischen Adipositas-Kongress im Mai in Malaga vorgestellt werden, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet. 

Hinter den erhobenen geschlechtsspezifischen Differenzen vermuten die Studienautorinnen und -autoren kulturelle Unterschiede in der Einstellung gegenüber Adipositas bei Männern und Frauen. 

Bei beiden Geschlechtern stieg auch mit dem Alter das Risiko für Übergewicht und Adipositas. Jedes zusätzliche Lebensjahr erhöhte das Risiko, die Steigerungskurve verlief bei Frauen etwas steiler als bei Männern. 

Bei Frauen hatte zudem der Wohnort Einfluss auf Gewichtsprobleme: Frauen, die in kleinen Gemeinden mit weniger als 8.000 Einwohnenden lebten, zeigten eine ausgeprägtere Adipositas- und Übergewichtsneigung. Bei Männern offenbarte sich dieser Zusammenhang nicht.

Gesundheitskompetenzen stärken

Auch eine mangelhafte Gesundheitskompetenz und psychische Belastungen, konkret Depressionen, steigerten bei Frauen das Risiko für Fettleibigkeit. Bei Männern wurde diese Assoziation nicht nachgewiesen. 

"Alter und Familienstand haben unbestreitbare Auswirkungen auf das Leben mit Übergewicht oder Fettleibigkeit im Erwachsenenalter, unabhängig vom Geschlecht. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Verbreitung von Gesundheitswissen und die Gesundheitsförderung über die gesamte Lebensspanne hinweg das besorgniserregende Phänomen der zunehmenden Fettleibigkeit verringern könnten", summieren die Forschenden.

Allerdings, auch das betonen die Forschenden, könne die vorliegende Beobachtungsstudie keine Ursächlichkeiten klären, also nicht beweisen, dass eine Sache eine andere verursacht, sondern nur, dass sie miteinander verbunden sind.

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