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Wissen Gesundheit
08/18/2020

Corona: Immunreaktion funktioniert auch nach Organtransplantation

Deutsche Forscher entwickelten Test, der anzeigt, wie das Immunsystem der Patienten auf SARS-CoV-2 reagiert.

Chronisch Kranke, die eine Organtransplantation benötigten, oder Menschen mit einer gestörten Immunabwehr sind durch das SARS-CoV-2-Virus mehrfach betroffen: Sie haben dadurch ein erhöhtes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Bei Transplantierten kommt dazu: Neben der chronischen Erkrankung, die zum Organversagen und der nachfolgenden Transplantation geführt hat, müssen transplantierte Patienten Medikamente einnehmen, die die Abwehrfähigkeit des eigenen Immunsystems unterdrücken.

Ein Forschungsteam des Klinikums der Ruhr-Universität Bochum (RUB) hat nun einen Test entwickelt, der Aufschluss über die Immunreaktion auf das neuartige Coronavirus bei Patientinnen und Patienten gibt, die immununterdrückende Medikamente einnehmen müssen. „Wir konnten belegen, dass diese Patienten trotz Immunsuppression eine gute Immunantwort auf SARS-Cov-2 erzielen können“, sagt Prof. Nina Babel, Leiterin des Zentrums für Translationale Medizin am Marien-Hospital Herne. Die immununterdrückende Therapie kann mithilfe des Tests während einer Covid-19-Erkrankung individuell angepasst werden.

Immunsupressiva notwendig

„Diese Immunsuppressiva sind notwendig, um zu verhindern, dass der Körper transplantierte Organe abstößt. Sie können jedoch dazu führen, dass Virusinfektionen gehäuft auftreten“, erklärt Nina Babel, die gemeinsam mit Prof. Timm Westhoff, Direktor der Medizinischen Klinik I am Marien-Hospital Herne, das Team geleitet hat, zu dem unter anderen auch Forscherinnen und Forscher der Abteilung Molekulare und Medizinische Virologie der RUB sowie der Chirurgischen Klinik des Knappschaftskrankenhauses Langendreer gehörten. „Bisher war nicht bekannt, ob unsere transplantierten Patienten in der Lage sind, eine ausreichende Immunantwort gegen das neue Coronavirus auszubilden“, betont Westhoff.

Immunantwort trotz unterdrückender Medikamente

Das Team konnte mithilfe des im Immundiagnostiklabor des Marien-Hospitals etablierten Tests demonstrieren, dass transplantierte Patienten sehr wohl in der Lage sind, trotz der Immunsuppression eine gute Immunantwort zu erzielen. Neben hohen Antikörper-Titern waren in der aktuell berichteten Fallstudie insbesondere T-Lymphozyten in großer Menge nachweisbar, die für das Abtöten infizierter Zellen zuständig sind.

Der Test ist für Transplantierte von großer klinischer Relevanz: Die daraus ablesbaren Informationen gehen über einen reinen Antikörpertest deutlich hinaus. „Die gewonnenen Daten helfen uns im Umgang mit Immunsuppression während der aktuellen Pandemie", unterstreicht Timm Westhoff. „Der Test ermöglicht es uns, die Immunsuppression während einer Covid-19-Erkrankung individuell anzupassen."

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