Husten & Co: Dr. ChatGPT, wie schlimm ist es wirklich?
Geständnis: Ich habe Dr. ChatGPT auch schon konsultiert. Nicht wegen eines rätselhaften Ausschlags in Form Südamerikas, sondern: wegen eines Hustens. Nicht dramatisch, aber lästig genug, um heimlich diese moderne Form des In-sich-Hineinhorchens zu praktizieren: Man fragt eine Maschine, ob man noch lebt.
Die KI zeigte sich zugewandt und vernünftig. Es könne sich, so erfuhr ich, um eine virale Infektion handeln. Ruhe sei sinnvoll. Viel trinken. Honig. Tee. Salbei. Auf Warnzeichen achten. Bei Atemnot, hohem Fieber, Brustschmerz oder längerer Dauer bitte ärztlich abklären lassen.
Jo eh. Das hätte meine Oma auch gesagt, nur kürzer. Aber natürlich ist es verführerisch, eine KI zu fragen, wenn der Körper was tut, das man nicht bestellt hat.
Früher googelte man „Husten seit drei Tagen“ und war nach sieben Minuten überzeugt, wahlweise eine seltene Tropenkrankheit, ein schweres Lungenleiden oder etwas zu haben, das nur in medizinischen Fachzeitschriften vorkommt. Heute fragt man ChatGPT und bekommt eine höfliche, sortierte Antwort.
Das fühlt sich beruhigend an, und scheint dennoch problematisch. Eine neue Studie der Technischen Universität Berlin hat untersucht, wie gut verschiedene ChatGPT-Versionen gesundheitliche Beschwerden einordnen können. Nicht im Sinn von: Was ist der Unterschied zwischen Virus und Bakterium? Sondern bei Fragen wie: Muss ich mit Leiden X sofort medizinische Hilfe suchen, reicht eine normale ärztliche Abklärung oder kann ich mich selbst versorgen?
Früher googelte man „Husten seit drei Tagen“ und war nach sieben Minuten überzeugt, wahlweise eine seltene Tropenkrankheit, ein schweres Lungenleiden oder etwas zu haben, das nur in medizinischen Fachzeitschriften vorkommt. Heute fragt man ChatGPT.
Alarmismus
Spannend: ChatGPT ist nicht leichtsinnig, im Gegenteil. Die KI entpuppte sich eher als Typ, der bei jedem Niesen schon mal die Nummer der Notfallambulanz heraussucht. Besonders schwer taten sich die Modelle mit harmlosen Fällen, in denen Selbstversorgung ausgereicht hätte.
Da rieten sie oft zur ärztlichen Abklärung, obwohl Abwarten vertretbar gewesen wäre. Wenn die Antwort auf fast jede Beschwerde lautet: „Bitte ärztlich abklären lassen“, ist das ein digitaler Türöffner Richtung Ordination. Und dort sitzen ohnehin schon genug Menschen. Manche mit ernsthaften Beschwerden und manche mit einem simplen Husten, der inzwischen durch drei Suchmaschinen, zwei WhatsApp-Gruppen und eine KI-Anamnese gegangen ist.
Natürlich kann KI Menschen unterstützen und darauf aufmerksam machen, dass Atemnot, Brustschmerz oder hohes Fieber keine Unpässlichkeiten sind. Aber sie ist kein Arzt, keine Notaufnahme, kein Stethoskop und kein Mensch mit Blickkontakt.
Also habe ich Dr. ChatGPT gefragt: „Sollte man dich bei Gesundheitsfragen überhaupt um Rat bitten?“ Die Antwort kam ohne gekränkten Unterton: „Ja – aber nicht für alles. Ich kann Symptome sortieren, Begriffe erklären und helfen, ein Arztgespräch vorzubereiten. Bin aber kein Ersatz für eine ärztliche Untersuchung und kein verlässliches Triage-System.“
Hm, das ist eine überraschend gesunde Selbsteinschätzung.
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