Binge-Watching: Fördert Einsamkeit exzessives Serien-Schauen?

Eine Frau mit Brille liegt entspannt auf einem Sofa, hält eine Fernbedienung und kuschelt sich an ein flauschiges Kissen.
Neue Forschung zeigt: Serienmarathons sind mehr als ein Freizeittrend – sie könnten eng mit Einsamkeit verknüpft sein.

Viele kennen es: Eigentlich wollte man abends nur eine Folge der neuen Lieblingsserie schauen. Plötzlich ist es mitten in der Nacht – und die ganze Staffel ist durch.

Das sogenannte Binge-Watching ist ein Phänomen der modernen Streaming-Welt. Dank der automatisierten, nahtlosen Übergänge von Folge zu Folge enden gemütliche Fernsehabende heute oft in einem regelrechten Serienmarathon. 

Psychologisch greift das Belohnungssystem des Gehirns: Spannende Serien lösen die Ausschüttung von Dopamin aus. Nach einer Folge endet die Belohnung, was das Verlangen nach der nächsten Folge weckt. Cliffhanger und schnelle Verfügbarkeit der Inhalte verstärken den Effekt. 

Heftiges Bingen als Folge von Einsamkeit?

Exzessives Bingen könnte auch Ausdruck von Einsamkeitsgefühlen sein, wie eine neue Studie aus China nahelegt. 

Nach der Corona-Pandemie kehrten viele nicht zu maßvollem Serienkonsum zurück, schreiben die Forschenden im Fachblatt Plos One. Während der Ausgangsbeschränkungen stieg der Konsum weltweit.

Um zu verstehen, wie suchtartiges Binge-Watching mit Einsamkeit zusammenhängen könnte, befragte die Forschungsgruppe der Huangshan University 551 Erwachsene. Sie sahen mindestens 3,5 Stunden täglich Serien und mehr als vier Folgen pro Woche. Die Probanden wurden gebeten, Angaben zu Suchtverhalten, Einsamkeit und allgemeinen Motiven für das Binge-Watching zu machen. 

Von den Befragten erfüllten 334 Personen die Kriterien für eine Binge-Watching-Sucht. Bei ihnen hing höhere Einsamkeit klar mit stärkerer Sucht zusammen; bei den übrigen bestand kein solcher Zusammenhang.

Die Forschenden vermuten: Serienmarathons sind bei Suchtbetroffenen anders motiviert.

Tatsächlich fand man einen Zusammenhang zwischen Einsamkeit und den Motiven der Realitätsflucht und der emotionalen Aufwertung. Letzteres bedeutet, positive Emotionen steigern oder negative Gefühle reduzieren zu wollen, etwa durch bestimmte Aktivitäten wie Serien schauen oder andere Freizeitbeschäftigungen.

Die Autoren vermuten, dass Personen, die unter starker Einsamkeit leiden, Binge-Watching als Fluchtmechanismus nutzen und eher zur Sucht neigen.

Studie vertieft Verständnis

Die Studie zeigt nur einen Zusammenhang zwischen exzessiven Serienmarathons und Einsamkeit auf. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um zu klären, ob Einsamkeit dieses Verhalten tatsächlich begünstigt – oder es beispielsweise umgekehrt so ist, dass intensives Binge-Watching Einsamkeit begünstigt.

"Diese Studie vertieft unser Verständnis von Binge-Watching (…) und zeigt, dass Einsamkeit ein signifikanter Prädiktor für Binge-Watching-Sucht ist", resümieren die Forschenden. 

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