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Belasten getrennte Schlafzimmer meine Ehe?

Weil der Gatte schnarcht, möchte die Gattin getrennte Schlafzimmer. Hält das die Ehe aus? Psychotherapeut Christian Beer gibt Rat.
Eine Frau liegt nachdenklich unter einer weißen Decke im Bett und blickt aus dem Fenster.

Leserin  Silvia R. (51) fragt: 

Mein Mann (53) schnarcht, es wird immer schlimmer und beeinträchtigt meinen Schlaf. Wenn ich ihm das vorwerfe, fühlt er sich persönlich angegriffen und blockt ab. Jetzt könnte ich in das Zimmer unseres Sohnes ziehen. Ich habe aber auch selbst Skrupel und will nicht, dass deshalb ein Bruch in unserer Ehe entsteht. Wie schaffe ich diesen Schritt, sodass alle zufrieden sind? Gleichzeitig will ich unserem Sohn auch signalisieren, dass er immer einen Platz bei uns hat. 

Antwort:

Wenn Sie Ihrem Mann das Schnarchen vorwerfen, wirkt es auf ihn möglicherweise zunächst wie „sein“ Problem und kann von ihm als Bedrohung für Ihre Beziehung gewertet werden, an der er schuld ist. Ihnen beiden hilft vielleicht der Ansatz der „gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall Rosenberg: Legen Sie den Fokus auf Ihre Innenperspektive und in diesem Fall auf Ihre Sorge um die Gesundheit Ihres Mannes. Also keine Vorwürfe oder Forderungen, sondern mitteilen, wie es Ihnen mit seinem Schnarchen geht (Sie sorgen sich um ihn), was Sie belastet (eben diese Sorgen) und was Sie brauchen (besseren Schlaf). Schlafentzug schränkt tatsächlich Ihre Lebensqualität ein, gefährdet auch Ihre Ehe, und das Schnarchen stellt zudem ein Gesundheitsrisiko für Ihren Partner dar. Denn Schnarchen hat häufig körperliche Hintergründe: Mit zunehmendem Alter erschlafft die Muskulatur im Rachen, Übergewicht kann die Atemwege verengen, Alkohol am Abend verstärkt das Ganze ebenso wie die Rückenlage. 

Manchmal steckt auch eine behandlungsbedürftige Atemstörung dahinter. Diese Perspektive nimmt Druck aus der Beziehungsdynamik, weil es nicht um Schuld geht, sondern um ein Thema, das Sie beide emotional betrifft und gemeinsam lösen können. Wenn es Ihnen gelingt, Gefühle klar zu benennen, entsteht möglicherweise mehr Verständnis und weniger Widerstand bei Ihrem Partner. Darin liegt auch eine Chance für einen insgesamt besseren Kommunikationsstil in Ihrer Beziehung. Eine vorübergehende räumliche Lösung kann dabei entlasten – getragen von dem Wunsch, gut für sich zu sorgen und gleichzeitig die Verbindung zu erhalten.

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