Helfen Spezialpflaster wirklich gegen Demenz?
Bei dem Patch handelt es sich um ein transdermales Pflaster, das entweder auf den Oberarm, Rücken oder die Brust geheftet wird.
Das Gedächtnis lässt nach, die Orientierung geht verloren, die Selbstständigkeit im Alltag nimmt ab: In Österreich sind rund 170.000 Menschen von einer Demenz-Erkrankung betroffen. Alzheimer ist die verbreitetste Form.
Neben neueren Präparaten, die den Verlauf von Alzheimer bremsen können (siehe Infobox), gibt verschiedene Medikamente zur Linderung der Symptome – und viele Möglichkeiten, sie einzunehmen.
Welche Therapie Patienten erhalten, richtet sich nach der Grunderkrankung und deren Stadium, erklärt Kathrin Reetz, Leiterin des Zentrums für Demenz und Prävention Aachen (ZDPA) an der Klinik für Neurologie der Uniklinik RWTH Aachen und Präsidentin der Deutschen Hirnstiftung. „Je nach Demenz-Stadium ist die Bewältigung des Alltags unterschiedlich verändert“, sagt sie.
Bislang wurde die medikamentöse Behandlung für die Alzheimer-Demenz empfohlen, also wenn der Alltag der Patienten bereits gestört ist.
Wirkstoff zum Kleben
Bis vor Kurzem waren dafür nur die Acetylcholinesterase-Hemmer und der NMDA-Rezeptor-Antagonist Memantin zugelassen. Sie werden hauptsächlich zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Formen beziehungsweise Memantin ab der mittelschweren Alzheimer-Demenz eingesetzt, um die geistige Leistungsfähigkeit und Aktivitäten des täglichen Lebens zu verbessern. „Zu Acetylcholinesterase-Hemmern gehören das Donepezil, das Galantamin und das Rivastigmin“, sagt Reetz.
Nur den Wirkstoff Rivastigmin gibt es schon länger auch in Form eines praktischen Pflasters. Die Pflaster können sich Patienten nach Verschreibung und Bezug über die Apotheke selbstständig auf die gesäuberte Haut kleben. Geeignete Stellen sind Brust, Oberarm und der obere sowie untere Rücken, so Kathrin Reetz. Aufgeklebt wird das Pflaster alle 24 Stunden. „Als würde ich regelmäßig eine Tablette nehmen“, sagt die Ärztin.
Durch das Pflaster können auf der Haut gerade anfangs in seltenen Fällen Rötungen oder Pusteln entstehen. Um das zu verhindern, wird geraten, das Pflaster abwechselnd an verschiedenen Stellen aufzukleben.
Schweregrade
Subjektive, noch nicht messbare kognitive Störung; durch Tests bestätigte leichte Störungen sowie eine leichte, mittelgradige oder schwere Demenz.
Behandlung
Wichtige Pfeiler in der Demenz-Behandlung sind nicht-medikamentöse Therapien wie kognitives Training, Erinnerungsarbeit, Kraft- und Ausdauertraining oder Musiktherapie.
Mit Kisunla wurde nach Leqembi kürzlich das zweite Antikörper-Präparat zur Verlangsamung der Alzheimer-Krankheit in der EU zugelassen. Bei den Mitteln handelt es sich um die ersten ursachenbezogenen Arzneien, die das Fortschreiten der neurodegenerativen Erkrankung verlangsamen.
Hochdosiert
Studien zeigen: Mit der maximalen Dosis lässt sich die maximale Wirkung erzielen. Das gilt für die Tabletten und Tropfen ebenso wie für die Rivastigmin-Pflaster. Daher beginnen Alzheimer-Patienten mit kleineren Pflastern (4,6 mg/24 Stunden). Nach vier Wochen wird höher dosiert auf 9,5 mg/24 Stunden. In Pflasterform lässt sich der Wirkstoff sogar auf bis zu 13,3 mg/24 Stunden hochdosieren.
Demenzerkrankungen wie Alzheimer verlaufen fortschreitend und sind bislang noch nicht heilbar. „Es geht um eine rein symptomatische Therapie“, sagt Reetz. In Studien konnte die Wirksamkeit der Acetylcholinesterase-Hemmer gegen Alzheimer-Symptome nachgewiesen werden. Sowohl bei kognitiven Funktionen, die mit Wahrnehmung, Denken, Lernen, Erinnern und Wissen verbunden sind, als auch bei leichteren Alltagsaufgaben.
„Es gibt einen deutlichen Effekt gegenüber Patienten, die diese Medikamente nicht genommen haben“, sagt Reetz. Auch in der Langzeitbetrachtung über zehn bis 15 Jahre hätten sich in den Studien zu den Acetylcholinesterase-Hemmern positive Effekte gezeigt. „Diese sind weit weg von jeglicher Heilung, aber es gibt einen Unterschied“, so die Ärztin. Sofern gut verträglich, sollten die Medikamente dann auch dauerhaft genommen werden. Reetz: „Wenn sie abgesetzt werden, kann es möglicherweise zu einem Rebound, also einer Verschlechterung kommen.“
Das Pflaster funktioniert, als würde ich regelmäßig eine Tablette nehmen.
Demenz-Expertin
Nebenwirkungen
Wie bei allen Medikamenten gibt es auch Nebenwirkungen zu beachten: bei Acetylcholinesterase-Hemmern zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle. Rivastigmin-Pflaster haben hier einen Vorteil, da der Wirkstoff über die Haut aufgenommen wird. Wichtig ist, dass vor einer Behandlung und vor weiteren Aufdosierungen ein EKG zum Ausschluss von Herzrhythmusstörungen erfolgen muss. Patienten mit ausgeprägten Hauterkrankungen, Verbrennungen oder Allergien wird eher zu Pflaster-Alternativen geraten.
Bei Unverträglichkeit lässt sich die Demenz-Therapie häufig vom Rivastigmin-Pflaster auf Tabletten oder Tropfen – sowie andersherum – umstellen.
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