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Tagung
06/14/2014

Alt werden und dabei jung bleiben

In Lech diskutieren Experten erstmals fächerübergreifend über Medizin, Ethik und Gesellschaft.

von Ingrid Teufl

"The idea is to die young as late as possible."Ashley Montagu

Jung sterben – so spät wie möglich. Dieses Zitat hat angesichts steigender Lebenserwartung immer mehr Gültigkeit. Es stammt übrigens nicht von einem in Extremen lebenden Rockstar. Ashley Montagu war ein britisch-amerikanischer Anthropologe. Immerhin wurde der 1905 geborene Forscher 94 Jahre alt.

Möglichst lange und gesund zu leben ist aber etwas, das nicht allein vom Fortschritt der Medizin abhängt. Zufriedenheit, Freude und Widerstandsfähigkeit (Resilienz) sind ebenso wichtige Faktoren. Hier ist jeder einzelne gefordert. "Die Anti-Aging-Prävention wurde lange völlig vernachlässigt", sagt der Gynäkologe Univ.-Prof. Johannes Huber. Er ist Mitorganisator des Kongresses "Academia Medicinae Lech 2014", der deshalb ganz unter dem Motto "Jung bleiben – alt werden" steht. Bei dieser erstmals stattfindenden Tagung in Lech (22. bis 24. Juni, Details: www.aml.or.at) diskutieren Experten Anti-Aging-Strategien im medizinischen, soziologischen und geisteswissenschaftlichen Kontext.

Hormonumstellung

Bei Frauen stellt etwa die Menopause eine Zäsur dar, betont der Hormon-Experte. "In der geschlechtsreifen Zeit ist die Frau gesünder als der Mann, das ist ihre vitalste Lebensphase. Danach wird ihre Gesundheit durch die Hormonumstellung fragiler, Übergewicht, Osteoporose oder auch Brustkrebs können entstehen." Huber rät, auf diese Lebensphase besonderes Augenmerk zu legen. "Es muss nicht immer eine Hormontherapie sein. Wichtig ist, dass die Frau etwas für ihren Körper tut."

Schon mit Bewegung und der richtigen Ernährung könne vielen Spätfolgen vorgebeugt werden. "Die Menopause ist – wie die Pubertät – ein Fenster in der Entwicklung, das man sehr zur Prävention nutzen sollte." Denn: Der Körper sei in dieser Phase für schädliche Einflüsse besonders anfällig. "Im Alter sind Frauen den Männern übrigens gesundheitlich wieder eindeutig überlegen. Nicht umsonst haben sie im Schnitt eine um vier Jahre höhere Lebenserwartung, trotz häufiger Doppelbelastung."

In Lech werden ebenso gesellschaftliche und soziologische Aspekte der hohen Lebenserwartung thematisiert. In Asien kommt es bereits zu Hetzkampagnen gegen alte Frauen, berichtete kürzlich das renommierte Magazin Science. Huber: "Wie eine Gesellschaft mit ihren Alten umgeht, muss man zur Diskussion stellen."

Google will Alterungsprozess mit Mathematik erforschen

Das ist ein völlig neuer Ansatz.“ So kommentiert Gynäkologe Univ.-Prof. Johannes Huber den Plan von Google und seines 2013 gegründeten Biotech-Unternehmens „Calico“, mit mathematischen Algorithmen nach Mustern und Zusammenhängen des Alterns im genetischen Code zu suchen.

Die Frage, warum und wie Menschen altern, beschäftigt die Wissenschaft schon immer. „Das Alter hängt nicht nur mit genetischen Faktoren zusammen.“ Sondern auch mit Biochemie. „Kohlenstoff ist die Grundwährung alles Lebendigen“, so Huber. Das lebensnotwendige Element Silicium, das mit dem Alter im Körper abnimmt, ist chemisch eng verwandt. „Calico will nun beide verbinden und eine Koppelung von Neuronen und Silicium entwickeln. Sie sollen den Informationsaustausch von und zum Gehirn ermöglichen.“ Und den Alterungsprozess ausschalten.

Huber bezeichnet das als Suche nach einem „elektronischen Code“, mit dem der Fluss der Elektronen im Gehirn erforscht werden könnte. „Man geht tiefer in die Grundlagenforschung, auch wenn es noch unglaubwürdig klingt.“ Im Gehirn laufe die Übertragung von Nervenreizen im Grunde nach rein elektronischen Grundsätzen ab. „Alle Funktionen des Hirns sind elektrische Potenziale.“

Neue Therapien bereits in zwei Jahren?

1906 entdeckte der deutsche Psychiater Alois Alzheimer am Gehirn seiner Patientin Auguste Deter als erster die für diese Demenzerkrankung typischen Gehirnveränderungen. Und er beschrieb als Erster auch die Symptome der Erkrankung. Heute, Samstag, wäre Alzheimer 150 Jahre alt geworden.

Eine Umfrage unter europäischen Alzheimer-Forschern ergab, dass knapp die Hälfte eine Heilung frühestens in zehn Jahren für möglich hält. Ein Teil ist aber davon überzeugt, dass es bereits in zwei Jahren zugelassene Antikörpertherapien gibt, die alzheimertypische Ablagerungen im Gehirn abbauen und so den Krankheitsverlauf zumindest deutlich verlangsamen können.

Österreichweit sind derzeit 120.000 Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen, bis 2050 könnte sich diese Zahl verdreifachen. Von der „größten medizinischen und sozialen Herausforderung unserer Zeit“ spricht etwa der Verein MAS Alzheimerhilfe.

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