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Wirtschaft
08/28/2019

Zwei saftige Pleiten eines bekannten Spitzen-Gastronomen

Rund 975.000 Euro Schulden hat der Gastronom angehäuft. Er hat ein Sanierungsverfahren und ein Konkursverfahren beantragt.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

"Ich heiße Sie in meinem neuen Restaurant Late im Kloster Und herzlich willkommen. Erlauben Sie mir, ihnen einen kleinen Einblick in meine Welt zu geben", heißt es auf der Homepage des bekannten Gastronomen. "Als gebürtiger Waldviertler habe ich viele Jahre als Koch in den besten Häusern Österreich gelernt bevor ich vor knapp 20 Jahren mein erstes Restaurant eröffnete. Für mich war es immer selbstverständlich, meine Gäste persönlich zu bewirten und einen engen Kontakt zu jedem einzelnen zu pflegen und um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse optimal eingehen zu können. Im Laufe der Jahre sind aus vielen meiner Gästen wunderbare Freunde geworden."

Und weiter scghreibt der Haubenkoch: "In der Küche habe ich eine ganz klare Vorstellungen: "Das Wohlfühlen in meinem Restaurant steht im Mittelpunkt unserer Arbeit. Hohe Qualität im Glas und am Teller, kompetenter unaufdringlicher Service und ansprechendes Ambiente sind die drei Säulen meiner Philosophie und werden ebenso von meinem Team mitgetragen und gelebt. Zahlreiche Auslandsaufenthalte haben meinen Küchenstil und meine Persönlichkeit geprägt. Dementsprechend richtet sich unser Kochstil im LATE nach keiner klassischen Küche - wir folgen dem Genuss, erweitern ihn um heimische und internationale Einflüsse und kombinieren spannende Aromen aus allen Ecken der Erde miteinander."

Der Pächter

Nun musste der bekannte Szene-Gastronom Karl "Charly" Teuschl zwei Insolvenzen bei Gericht anmelden. „Das Abgleiten in die nunmehrige Insolvenz des nicht protokollierten Einzelunternehmers wird auf die Doppelbelastung der Führung beider Lokale und den daraus resultierenden Problemen zurückgeführt.Unter anderem gab es Streitigkeiten mit der Vermieterin“, weiß der Gläubigerschutzverband AKV. „Die hierfür benötigten Personalkosten konnten durch die Einnahmen nicht mehr bedient werden. Derzeit sind im Unternehmen 14 Dienstnehmer beschäftigt. Die Löhne und Gehälter für Juli und August konnten inklusive der letzten Sonderzahlung nicht mehr finanziert werden.“

Bei den insolventen Einzelunternehmer handelt es sich um "Charly" Teuschl selbst, der das Lokal „LATE“ im "Kloster Und" und das Lokal „Gozzo“ in Krems geführt hat.  Teuschl, selbst gelernter Koch und hochgelobter Meister seiner Zunft, ist Alleingesellschafter und Geschäftsführer der LATE Gastronomie GmbH. Die Führung des Lokals Late, das sich zwei Hauben erkochte, wurde bereits aufgegeben. Das Gozzo hatte er von der IMC Fachhochschule Krems, der Verpächterin, übernommen.

Beachtliche Karriere

Für das Einzelunternehmen Karl Teuschl hat der Haubenkoch ein Sanierungsverfahren beantragt, für die LATE Gastronomie GmbH ein Konkursverfahren. Der gebürtige Zwettler Teuschl hat eine beachtliche gastronomische Karriere hinter sich.

"Gemäß vorgelegten Unterlagen sind von diesem Insolvenzverfahren 41 Gläubiger mit Gesamtforderungen in Höhe von 739.675 Euro betroffen", heißt es dazu weiter. Das Vermögen wird mit 300.672 Euro beziffert.

Die zweite Pleite

Als Insolvenzursache wird der Streit der LATE Gastronomie GmbH mit der Vermieterin angeführt. "Hierbei hat es nach eigenen Angaben des Antragstellers divergierende Ansichten über den Investitionsbedarf des Mietobjektes gegeben. Hinzu kamen Streitigkeiten über die Höhe des vereinbarten Mietzinses", heißt es weiter.

"Gemäß vorgelegten Unterlagen sind von diesem Insolvenzverfahren der LATE Gastronomie GmbH zwölf Gläubiger mit Gesamtforderungen in Höhe von 235.936 Euro betroffen, die Aktiva werden mit 54.775 Euro beziffert", heißt es weiter. Nachdem der Betrieb des Lokals bereits beendet wurde, sind keine Dienstnehmer mehr gemeldet.

Operativer Verlust

Laut Firmencompass hatte die Late Gastronomie GmbH 2017 rund 351.100 Euro Verbindlichkeiten und 5.000 Euro Bilanzgewinn. Der Gewinnvortrag betrug aber 49.600 Euro, das Eigenkapital wurde mit 15.000 Euro beziffert. Das heißt, das Unternehmen hat schon 2017 einen operativen Verlust geschrieben. Bereits im Geschäftsjahr 2014 betrugen die Verbindlichkeiten 350.900 Euro.