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Wirtschaft
08/16/2019

Zwei Millionenpleiten einer Industrie-Gruppe für Erntemaschinen

Die Passiva beider Firmen werden mit insgesamt rund 6,85 Millionen Euro beziffert. 94 bzw. 68 Gläubiger sind betroffen.

von Kid Möchel

Dieses Unternehmen hat sich zehn Jahre lang mit der Entwicklung mobiler Pelletieranlagen beschäftigt. Mittlerweile soll seine Anlage Pelletetec D 8.0, die einzige ausgereifte Pelletiermaschine sein. Im Gegensatz zu den Produkten der Mitbewerber soll diese Anlage weniger Energie benötigen, aber einen höheren Pellets-Output haben. Sechs Millionen Euro soll das Unternehmen seit 2009 in diese Entwicklung gesteckt haben. Dazu kam, dass mit dem größten chinesischen Maschinen- und Landmaschinenbauer ein Kooperations- und Lizenzabkommen abgeschlossen werden konnte. Bei diesen Maschinen handelt es sich um Pellets-Erntemaschienen.

Nun hat die SCM Produktions- und Vertriebs GmbH, die mehrheitlich der Josef Schaider Privatstiftung gehört, ein Konkursverfahren beantragt. Auch die Schwesterfirma Isotec Automation und Technologie GmbH ist in den Konkurs geschlittert. Das bestätigt der Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Insgesamt sind 17 Mitarbeiter betroffen. Beide Firmen haben ihren Sitz in Staasdorf, Niederösterreich.

Detail am Rande: Die Schaider GmbH von Ludwig Josef Schaider mit Sitz in Tulln ist laut Firmenbuch nicht insolvent. Eine "Schaider Group GmbH" betreibt offenbar die Firmenhomepage der Schaider GmbH". Sie bewirbt die Maschine Pelletec D 8.0 auf der Homepage wie folgt:

Die Pelletec D 8.0 ist die weltweit erste serienreife Erntemaschine für Pellets. In Verbindung mit Feldhäcksler und Schneidwerk ist diese Maschine in der Lage, direkt auf dem Feld Pellets zu produzieren. Werden Sie ihr eigener Pelletsproduzent und nutzen Sie Ihre Pellets direkt als Futtermittel, zum Heizen, zum Düngen uvm.

Angebliche Versäumnisse

Als Insolvenzursache werden Versäumnisse der ehemaligen Hausbank ins Feld geführt. Sie soll nicht rechtzeitig eine Bestätigung über die gelebte Anzahlungsfinanzierungspraxis einer Förderstelle übermittelt haben. Die Bestätigung soll erst nach Ablauf der Förderzusage eingelangt sein. Die angeblich eingebrachten Eigenmittel in Höhe von fast 1,1 Millionen Euro hätten durch diese Förderung verdoppelt werden sollen. Nach Ablauf zweier Akkreditive wurde auch die weitere Finanzierung von der neuen Hausbank von einer positiven Fortbestehungsprognose abhängig gemacht.

Doch nun kam offensichtlich auch Pech dazu. Werkteile aus China für zwei bestellte Maschinen, die ausgeliefert werden sollten, sollen nicht zeitgerecht geliefert worden sein. Die Fristen in der Fortbestehungsprognose verschoben sich. Die Hausbank sah offenbar keine Möglichkeit einer Weiterfinanzierung.

Schulden und Vermögen

Die Passiva werden mit 4,504 Millionen Euro beziffert, sie entfallen auf 94 Gläubiger. Die Aktiva (Verkehrswert) werden mit 967.350 Euro, das freie Vermögen beträgt lediglich 51.800 Euro. Drei Werkzeugmaschinen gehören einer niederländischen Bank und ein Großteil der Waren soll an die Schaider GmbH verpfändet sein, die Im Gegenzug ein Darlehen gewährt hat.

Die Schwester Isotec hat 2,346 Millionen Euro Schulden und nur 16.000 Euro freies Vermögen. Rund 550.000 Euro entfallen auf eine Bank, sie soll ein Pfandrecht (900.000 Euro) auf einer Liegenschaft der Mehrheitsgesellschafterin Josef Schaider Privatstiftung eintragen haben lassen.

Aus für beide Firmen

Beide Unternehmen sollen nun geschlossen werden. Derzeit wird für die SCM eine Gläubigerquote in Höhe von 0,80 Prozent angesetzt, für die Isotec gar nur 0,17 Prozent. In beiden Fällen sind die Verfahrenskosten bereits eingerechnet.