In Österreich sitzen die größten Fans in der Steiermark - nur sieben von hundert Steirern könnten oder wollten auf Bargeld verzichten. 'Es folgen die Salzburger (8 Prozent) und Niederösterreicher (10 Prozent). Am ehesten auf Bargeld verzichten können die Kärntner (15 Prozent).

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Wirtschaft
10/15/2020

Zahlungsmoral des Bundes hat sich massiv verschlechtert

Schlechter als die Zahlungsmoral der Firmen ist die der Gemeinden, Länder und des Bundes.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Österreichs Unternehmen stemmen sich weiterhin gegen die Covid-Krise. Mehr als ein Drittel der Unternehmen ist mit rückläufigen Umsätzen konfrontiert. „Neun von zehn Unternehmen sind von der Corona-Krise betroffen, bei den Kleinstunternehmen ist es besonders stark“, sagt Ricardo-José Vybiral, Chef des KSV1870 zum KURIER. „Je kleiner das Unternehmen, desto größer die finanzielle Betroffenheit.“ Das ergibt eine Studie, für die der KSV1870 bundesweit 1.200 Unternehmen befragt hat.

„Die Zahlungsmoral der Unternehmen ist aber weiterhin gut, bei den Privaten ist sie sogar ausgezeichnet“, sagt Vybiral. So hat sich die Zahlungsdauer bei Firmen um fünf auf 24 Tage verringert.

Der Zahlungsverzug bei Unternehmen beträgt nun sechs Tage. Die Zahlungsdauer bei Privatpersonen hat sich bei 13 Tagen eingependelt, es gibt keinen Zahlungsverzug.

Musterschüler sind die Firmen aus Vorarlberg, die binnen 16 Tagen ihre Rechnungen begleichen. Hinterbänkler sind die Firmen aus der Steiermark und Kärnten mit 28 Tagen Zahlungsdauer.

Fakt ist aber auch, jedes vierte Unternehmen zahlt seine Rechnungen verspätet.„Jährlich werden 1,9 Millionen Rechnung mit einem Volumen in Höhe von 1,35 Milliarden Euro selbst nach Zahlungserinnerungen und Mahnung nicht bezahlt“, weiß Forderungsmanager Walter Koch vom KSV1870.

In der Hälfte der Fälle wird „Ineffizienz in der Verwaltung“ als Hauptgrund für den Zahlungsverzug angeführt, in einem Viertel der Fälle die Corona-Krise.

Kärnten Schlusslicht

Regelrecht explodiert ist der Zahlungsverzug auf Bundesebene. Der Bund benötigt 49 Tage, um seine Rechnungen zu bezahlen. Das ist eine Verschlechterung um 13 Tage. „Diese immense Verschlechterung ist darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Unternehmen unterschiedlichste Covid-19-Fördermittel beantragt haben, auf die sie gefühlt lange warten mussten“, sagt Koch.

Auf denselben Grund dürfte auch der eklatante Zahlungsverzug des Landes Kärnten zurückzuführen sein. Kärnten bezahlt seine Rechnungen erst nach 53 Tagen. Der Zahlungsverzug beträgt 30 Tage. Die übrigen Länder benötigen lediglich zwischen 22 und 34 Tage für die Bezahlung ihrer Rechnungen.

Die Zahlungsdauer von Gemeinden beträgt im Schnitt 29 Tage, Spitzenreiter ist Oberösterreich mit lediglich 20 Tagen, gefolgt von Tirol, Niederösterreich und Vorarlberg mit 23 Tagen. Den Negativrekord halten Kärntner Gemeinden mit 50 Tagen. Das bedeutet einen Zahlungsverzug von 29 Tagen.

Indes gehen die befragten Unternehmen davon aus, dass sich die Zahlungsmoral künftig verschlechtern wird. „Wir wissen, der Rucksack von kleinen Unternehmen wird größer“, sagt Vybiral. „Viele werden die Stundungen nicht zurückzahlen können.

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