Wirtschaft 10.01.2013

Nobelpreisträger Buchanan ist tot

In this photo from 2000 provided by Middle Tennessee State University, Nobel economics laureate and MTSU alumnus Dr. James Bucha… © Bild: AP/Uncredited

Der Pionier der "Public-Choice"-Theorie starb im Alter von 93 Jahren.

Wirtschaftsnobelpreisträger James Buchanan ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Der Pionier der "Public-Choice"-Theorie starb einem Vertreter der George Mason Universität in Fairfax (Virginia) zufolge am Mittwoch.

1986 geehrt

Buchanan wurde am 2. Oktober 1919 in Tennessee geboren. Er bekam den Nobelpreis 1986 für seine Beiträge zur ökonomischen Theorie politischer Beschlüsse. In der Begründung der Schwedischen Akademie der Wissenschaften war das fast 40jährige Wirken des Preisträgers hervorgehoben worden, der "die Grundlagen der ökonomischen und politischen Beschlussfassung entwickelt hat und damit der führende Forscher auf dem häufig sogenannten Public-Choice-Gebiet geworden ist".

Neues Erklärungsmodell

In der herkömmlichen Wirtschaftstheorie habe bis dahin im Wesentlichen eine selbstständige Theorie für den Staat und für die politischen Entscheidungsprozesse gefehlt. Die stabilitätspolitische Theorie, unabhängig davon, ob diese keynesianische oder monetäre Vorzeichen hatte, sei weitgehend davon ausgegangen, dass die politischen Instanzen sich darauf ausrichteten, bestimmte gegebene makro-ökonomische oder sozialökonomische Ziele in Bezug auf Beschäftigung, Inflation oder Wachstumstempo zu erreichen suchten.

Buchanan und andere mit ihm aus der "Public-Choice"-Schule hätten diese Vorgehensweise als zu vereinfachend kritisiert und stattdessen versucht, Erklärungen des politischen Entscheidungsprozesses zu finden, die denen ähnlich seien, die bei der Analyse ökonomischer Verhaltensweisen verwendet würden. "Dieselben Leute, die auf den Märkten eigennützig auftreten, können im politischen Leben kaum uneigennützig handeln", lautete die Maxime.

Wählerstimmen-Maximierung

Dies führe zu Analysen, die darauf deuteten, dass politische Parteien oder Verwaltungen, die im Eigeninteresse handeln, in erster Linie danach strebten, so viele Stimmen wie möglich zu gewinnen, um dadurch Machtpositionen zu erlangen oder eine möglichst große Zuteilung aus dem Staatshaushalt zu bekommen. Oder auf den Punkt gebracht: Politikern geht es um die Maximierung der Wählerstimmen oder des Steueraufkommens.

Wirtschaftsnobelpreisträger 2002-2012

2012 - US-Ökonomen Alvin Roth and Lloyd Shapley. Die Wissenschaftler erhielten die Auszeichnung für ihre Forschung zur Verteilung zwischen Menschen und Märkten ("stabile Allokationen").

2011 - Christopher A. Sims ( USA) und Thomas Sargent ( USA). Ihr Gebiet: Modelle, mit denen sich das Wechselspiel von Inflation, Zinsen und Arbeitslosigkeit analysieren lässt.

2010 - Peter A. Diamond, Dale T. Mortensen (USA) und Christopher A. Pissarides ( Großbritannien). Sie wurden für ihre Untersuchung von Marktmechanismen ausgezeichnet.

2009 - Elinor Ostrom (USA) und Oliver E. Williamson (USA). Sie haben gezeigt, "wie gemeinschaftliches Eigentum von Nutzerorganisationen erfolgreich verwaltet werden kann". Zu Williamson hieß es, er habe Modelle zur Konfliktlösung mit Hilfe von Unternehmensstrukturen entwickelt.

2008 - Paul Krugman (USA) für seine Forschungsergebnisse als Handelstheoretiker.

2007 - Leonid Hurwicz (USA), Eric S. Maskin (USA) und Roger B. Myerson (USA) für ihre Arbeiten über die Grundlagen der "Mechanischen Designtheorie".

2006 - Edmund S. Phelps (USA) für seine Analyse zum Verhältnis kurz- und langfristiger Effekte in der Wirtschaftspolitik.

2005 - Robert J. Aumann (Israel/USA) und Thomas C. Schelling (USA) für ihre Arbeiten zu Konflikt und Kooperation in der Spieltheorie.

2004 - Finn E. Kydland (Norwegen) und Edward C. Prescott (USA) für ihre "Beiträge zur dynamischen Makroökonomie".

2003 - Robert F. Engle III (USA) und Clive W.J. Granger ( Großbritannien) für ihre Arbeiten zur statistischen Erforschung ökonomischer Zeitreihen.

2002 - Daniel Kahneman (Israel/USA) und Vernon L. Smith (USA) für ihre Arbeiten auf dem Gebiet der psychologischen und experimentellen Wirtschaftswissenschaft.

Erstellt am 10.01.2013