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06/20/2021

Thermen in der Steiermark und dem Burgenland sind weitgehend ausgebucht

Sommer-Tourismus kommt in Schwung, Unternehmern fehlt derweil das Personal.

Einen Monat nach der √Ėffnung des Tourismus herrscht in der heimischen Ferienhotellerie wieder Zuversicht. Insgesamt ist die Stimmung auch besser als im ersten Corona-Sommer 2020. "Die Lust aufs Reisen ist  noch einmal gr√∂√üer geworden - das ist deutlich sp√ľrbar", sagte der Sprecher der √Ėsterreichischen Hoteliervereinigung (√ĖHV), Martin Stanits, zur APA. Die Betriebe rechnen fix mit starken Last-minute-Buchungen. Die Flaute in den St√§dten h√§lt hingegen an.

In den Ferienregionen sind heuer einmal mehr vor allem die K√§rntner Seen gefragt. Die Beherbergungsbetriebe blicken dort - wie auch schon in der Vorjahressaison - in Richtung "Vollbelegung bis in den Oktober". Die Thermen- und Wellnesshotels im Burgenland und in der Steiermark sind im Moment sogar "mit 80 Prozent und somit mit voller derzeit erlaubter Auslastung" quasi ausgebucht, wie aus einer Umfrage unter den √ĖHV-Mitgliedsbetrieben hervorgeht.

"Es gibt dort mehr Nachfrage als derzeit von der Auslastung her m√∂glich ist", erkl√§rte der Branchensprecher. Mit den j√ľngsten Lockerungen der Coronabeschr√§nkungen d√ľrfte sich das etwas entspannen. "Derzeit sieht es so aus, als k√∂nnte man ab Juli wieder Betten bekommen." Aktuell sei das bei den Thermen- und Wellnesshotels nicht m√∂glich. Viele Stammg√§ste h√§tten sich bereits im Lockdown fix f√ľr die ersten Wochen nach der √Ėffnung einbuchen lassen. Mit den Ums√§tzen sei man zufrieden, allerdings l√§gen die Kosten infolge der Coronama√ünahmen deutlich h√∂her als sonst.

Im Westen √Ėsterreichs wiederum ist die Buchungslage nach dem monatelangen Lockdown - von Anfang November bis Mitte Mai - regional noch sehr unterschiedlich: "In einigen Regionen ist sie schon sehr gut, in anderen kommen die Reservierungen zumindest sch√∂n langsam herein, was optimistisch stimmt", so Stanits.

Reisegruppen fehlten noch: Das Interesse seitens der G√§ste w√§re wohl da, allerdings brauche die Organisation Zeit, sagte der Branchenexperte unter Verweis auf das Verhandeln und Schn√ľren der Packages mit Hotels, Bussen, Druck von Katalogen und Informationszetteln bzw. Integration in Kunden-Apps im Handel.

In der Ferienhotellerie ist man recht optimistisch, was die Buchungen f√ľr den Sommer und f√ľr den Herbst angeht. "Wir glauben, dass das gut wird und dass noch massiv nachgebucht wird - das ist ein Trend der vergangenen Jahre, der sich noch einmal verst√§rken wird", ist sich der Hotelierssprecher sicher.

Generell sei die Stimmung sowohl bei den G√§sten als auch bei den Mitarbeitern, wo auf eine Stammbelegschaft gesetzt werden kann, "sehr gut". Erg√§nzende Besch√§ftigte seien jedoch kaum zu bekommen. "Es fehlen Mitarbeiter in allen Positionen - am allermeisten im Service, in der K√ľche, aber auch rundherum", berichtete der Branchenexperte. "Es ist leichter G√§ste zu finden, als gute Mitarbeiter, trotz Rekordarbeitslosigkeit." Fachkr√§fte zu finden sei sogar "fast unm√∂glich". Es mangle aber auch an Hilfskr√§ften. "Das ist eine au√üergew√∂hnliche Situation", strich Stanits hervor.

In der Stadthotellerie kriselt es nach wie vor. Mangels Flugverbindungen kommen weiterhin keine Touristen aus √úbersee, von denen dieses Segment haupts√§chlich lebt. "In anderen Staaten wird das mit den Einreisebeschr√§nkungen f√ľr Urlauber aus Nicht-EU-L√§ndern besser gehandhabt - da sollte jetzt rasch etwas geschehen, wenn die Impfquoten deutlich h√∂her sind", meinte der √ĖHV-Sprecher in Richtung Politik. Sicherheit gehe freilich vor und die Delta-Variante des Coronavirus sei ein Problem, r√§umte er gleichzeitig ein.

Beruhigend sei jedenfalls die zunehmende Durchimpfung - derzeit stehe man bei 50 Prozent, √ľber den Sommer sollten es "deutlich √ľber 60 Prozent" werden, sch√§tzt der Hotelierssprecher. Die Urlauber und die Mitarbeiter sind den Angaben zufolge recht impfaffin. "Wer reisen will, l√§sst sich impfen", sagte Stanits und verwies auf eine "√ľberdurchschnittliche Durchimpfungsrate" bei Urlaubern.

Die gesch√§ftlichen Auswirkungen von Corona sehe man, nach Wien, wohl in der Stadthotellerie in Salzburg am deutlichsten - mit einer Auslastung von nur 30 Prozent im Juni und im Juli. Dank Salzburger Festspiele zeichneten sich f√ľr August 60 bis 70 Prozent - anstelle der 100 Prozent in Normaljahren - ab. "Doch sowohl am Land als auch in der Stadt Salzburg setzt man darauf, noch G√§ste gewinnen zu k√∂nnen", so der Branchensprecher. In Wien liege die Auslastung "wie erwartet eher bei 30 Prozent - und das in den gut aufgestellten H√§usern".

Umso wichtiger seien das Funktionieren des Gr√ľnen Passes inklusive Drittstaatenabkommen sowie das Erstellen und Bewerben von Angeboten. In kleineren St√§dten sei die Auslastung sogar etwas besser als erwartet. Es gebe zwar einen positiven Trend, doch insgesamt sei die Erwartungshaltung der Stadthotellerie f√ľr den Sommer "mittelm√§√üig". "Ein sehr gutes Ergebnis erwartet niemand, man geht mit Engagement an die Arbeit."

Mit dem betrieblichen Ablauf betreffend der Coronavorschriften wird in der gesamten Branche vielfach noch gek√§mpft. "Aber es wird extrem akzeptiert und es gibt kaum Beschwerden dar√ľber", betonte Stanits. Nach 15 Monaten Pandemie ist Corona in gewisser Weise schon zur Routine geworden. Die Ma√ünahmen gelten als "okay, umst√§ndlich, teilweise ein bisschen aufwendig, kompliziert". Aber niemand sei dagegen. Sicherheit habe einfach Vorrang. "Man will das", bekr√§ftigte der Branchenvertreter. "Denn man will sich nicht im Urlaub anstecken und man will sich nicht in der Arbeit anstecken."

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