© Casinos Austria/Philipp Radon

Wirtschaft von Innen
10/21/2019

G’riss um Casinos-Austria-Anteile

Casag steht im Fokus von Privat-Equity-Fonds . Glücksspielaufsicht wird Mitte 2020 aus dem Finanzministerium ausgelagert

von Andrea Hodoschek

Schwer verfeindete Großaktionäre, Disharmonien im Management, Ermittlungen der Justiz, ein Vorstand, der sich selbst beurlaubt hat und die Ergebnisse – außer bei der Cash-Cow Lotterien – nicht gerade berauschend. Fortuna ist der teilstaatlichen Casinos-Austria-Gruppe (Casag) schon lange nicht mehr hold.

Wie so oft, wenn Unternehmen angeschlagen sind, wittern Investoren eine Chance, Aktionäre herauszubrechen und sich billig einzukaufen. Wie man aus internationalen Investorenkreisen hört, gibt es vor allem auf dem Finanzplatz London Interesse.

Die Frage ist, wer steigt aus?

Die Staatsholding ÖBAG will vorläufig drin bleiben. Glücksspiel sei sozialpolitisch zu heikel, um es dem Spiel privater Kräfte zu überlassen, wird in der Politik argumentiert. Andererseits ist Glücksspiel in Österreich ohnehin durch ein enges Korsett an Vorschriften ordnungspolitisch streng geregelt.

Die Diskussion über eine Privatisierung des 33-Prozent-Anteils der Republik Österreich (siehe Grafik) dürfte in nächster Zeit jedenfalls nicht losgehen.

Wären da noch die beiden privaten Großaktionäre. Novomatic, der Glücksspielkonzern des Industriellen Johann F. Graf,hatte die Mehrheit schon in Griffweite, da machte Wettbewerbshüter Theodor Tanner einen Strich durch die Rechnung.

Heute ist die Sazka-Group des Milliardärs Karel Komarek der größte Aktionär. In Summe sollen die Tschechen für die 38 Prozent insgesamt 350 Millionen Euro hingeblättert haben, Zahlen wurden freilich nie bestätigt.

Ein stolzer Preis, zu teuer, meinen Branchenkenner. Mit der Beherrschung der Casinos wird es nämlich nichts. Zudem laufen die Konzessionen in absehbarer Zeit aus, es ist keineswegs gesagt, dass die Casag weiterhin Monopolist bleibt.

Am begehrtesten ist die Lotterien-Konzession, die bis 30. September 2027 befristet ist. Diese Lizenz ist nicht nur die Voraussetzung fürs Lotto, sondern auch für das Online-Gaming und die sogenannten Video Lotterien (VLTs, Automaten mit gemeinsamem Server). Ende 2027 laufen die Casinos-Konzessionen in den Landeshauptstädten aus, Ende 2030 die Land-Casinos.

Sazka macht Druck, die Erträge zu maximieren. In der Branche sieht man das als Indiz dafür, die Braut aufzuputzen. Doch in Prag wird nach wie vor jegliche Verkaufsabsicht vehement dementiert. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, betont Sazka-Eigentümer Komarek immer wieder.

Man wolle nicht verkaufen, sondern stehe im Gegenteil im Fokus der Investoren. Verschiedene Interessenten hätten bereits angeklopft. Darunter die europaweit tätige Private-Equity-Gruppe Novalpina mit Sitz in London, die rund eine Milliarde Euro unter Investment hat. Mitgründer ist der Österreicher Stefan Kowski. Novalpina hat den Casinos- und Wettanbieter Olympic Entertainment Group übernommen, der im Baltikum, in Italien und der Slowakei 114 Casinos betreibt und der auch Novomatic angeboten wurde.

Zwei Mal soll Novalpina um ein Meeting mit Sazka angesucht haben, zuletzt vor zwei Wochen. Die Investoren bekamen keinen Termin.

Und Novomatic? Beteuert ebenfalls, nicht aus dem Spiel um die Casag auszusteigen.

Ein Verkauf könnte auch vom Ausgang des Schiedsgerichtsverfahrens in Paris abhängen. Sazka hat von Novomatic die Einhaltung des Stimmrechtsabkommen eingeklagt. Novomatic hatte sich im Streit um Aufsichtsratsmandate auf die Seite der Republik Österreich gestellt.

Aufsichtsbehörde

Im Zug der Reform der Finanzverwaltung wird die Glücksspielaufsicht aus dem Ministerium an ein Finanzamt ausgelagert. Zu Recht war immer wieder die Unvereinbarkeit in der Rolle des Ministeriums als Aufsichtsbehörde und gleichzeitig als Eigentümervertreter (über die Staatsholding) bei der Casag kritisiert worden. Pläne von Ex-Finanzminister Hans-Jörg Schelling waren angeblich an der SPÖ gescheitert. Jetzt geht’s doch, die Übersiedlung in das Finanzamt für Gebühren, Verkehrssteuern und Glücksspiel ist mit 1. Juli 2020 festgesetzt. In einem nächsten Schritt könnte die Aufsicht in die Monopolverwaltung wandern.

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