Wirtschaft
16.11.2018

Wiener Marinomed startet am 4. Dezember an der Wiener Börse

Hersteller von Schnupfen-Spray will 36 Millionen Euro erlösen. Geld soll in die Finanzierung klinischer Studien fließen.

Zuwachs für die Wiener Börse nach langer Zeit. Wie mehrfach angekündigt, wagt das Wiener Biotech-Unternehmen Marinomed den Sprung aufs Parkett. Der Börsegang ist für den 4. Dezember im ersten Segment (Prime Market) angesetzt. Es werden bis zu 400.000 neue Aktien für je 75 bis 90 Euro ausgegeben, womit das IPO 30 bis 36 Mio. Euro schwer ist. Sollte die Nachfrage größer sein, ist eine Aufstockung geplant. Inklusive der Aufstockungsoption könnte der IPO 49,7 Mio. Euro einbringen.

Die Zeichnung der Jungaktien ist von Montag, 19. November, bis voraussichtlich Donnerstag, 29. November, möglich. Voraussichtlich am 29. November soll auch der endgültige Angebotspreis festgelegt und publiziert werden. 

Nasensprays

Marinomed Biotech wurde 2006 als "Spin-off" der Veterinärmedizinischen Universität gegründet und entwickelt Therapien  für Allergie-, Atemwegs- und Augenerkrankungen. Das Unternehmen setzt auf einen neuen, aus der Rotalge gewonnenen  Wirkstoff, mit dem bis zu 200 verschiedene Virusstämme bekämpft werden können. Konkret soll das  Polymer  „CarrageloseErkältungsviren daran hindern, in die Schleimhautzellen einzudringen. Antivirale  Nasen- und Rachensprays sowie Pastillen sollen daher  rascher und in niedriger Dosis wirken.

Die von Marinomed patentierten Carragelose-Produkte werden inzwischen über Vertriebspartner  in mehr als 30  Ländern weltweit verkauft. In Österreich ist der Schnupfenspray  unter der Marke „Coldamaris“ rezeptfrei erhältlich. Produziert und vertrieben wird er von Sigmapharm im Burgenland, die Rotalge  wächst im Meer vor Afrika oder den Philippinen.

Weitere Studien

Der Erlös aus dem Börsegang soll vor allem für die Finanzierung weiterer Studien für die Verbesserung der Wirksamkeit schwer löslicher Wirkstoffe sowie für die Erweiterung der Carragelose-Plattform verwendet werden. "Fast 90 Prozent der Pharmaprodukte haben ein Löslichkeitsproblem, das sind ganz neue Projekte möglich", so Grassauer. Mit den Carragelose-Produkten ist der Markteintritt in die USA geplant.

2017 setzte Marinomed mit 33 Mitarbeitern knapp 5 Mio. Euro um und schrieb 2,7 Mio. Euro Verlust. Das Unternehmen ist zu  46  Prozent  im Eigentum der Gründer und des Managements. Weitere Anteile halten  u.a. Acropora aus Saudi-Arabien und  ARAX Capital Partners. Die Altaktionäre wollen an Bord bleiben, der Börsegang erfolgt über die Ausgabe neuer Aktien. Neu im Aufsichtsrat ist Ex-Siemens-Vorstand Brigitte Ederer.

Ein Teil des Erlöses soll auch zur Rückzahlung von Darlehen und damit zur Erreichung der Gewinnzone verwendet werden, kündigte Finanzchef Pascal Schmidt an.

Die schon börsegelisteten Wandelschuldverschreibungen von Marinomed sollen voraussichtlich ab 4. Dezember in neue Aktien des Unternehmens gewandelt werden können. Die 2-wöchige Wandlungsfrist soll bis 18. Dezember laufen. Begleitet wird der Börsegang von der Erste Group.

Hohes Risiko

Für private Kleinanleger wird die Biotech-Aktie nicht empfohlen. Das Börseprospekt weist auf zahlreiche Risiken hin, etwa die hohen Verluste, die Abhängigkeit von Partnern oder das Risiko von Nicht-Zulassungen. Die  Preisspanne für die jungen Aktien ist mit 75  bis 90 Euro je Aktie sehr hoch angesetzt.