Frequentis-Chef Norbert Haslacher.

© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft
04/26/2019

Wiener IT-Konzern Frequentis nimmt erneut Anlauf für Börsegang

Warum es im zweiten Versuch klappen soll, erklärt Vorstandschef Norbert Haslacher im KURIER-Interview.

von Robert Kleedorfer

Der auf Kommunikations- und Informationssysteme u.a. in der Luftfahrt und bei Sicherheitskräften spezialisierte Wiener IT-Dienstleister Frequentis will am 14. Mai den Gang an die Börse (in Frankfurt und Wien)  wagen. Die Angebotsfrist für die bis zu 2,7 Millionen Aktien (Preisspanne 18 bis 21 Euro) beginnt ab morgen, Samstag. 20 bis 30 Prozent des Jahresüberschusses sollen regelmäßig als Dividende ausgeschüttet werden (beginnend ab heuer).

Schon einmal – Ende 2007 – stand ein Börsegang kurz bevor, doch dann machte das schlechte Börsenklima Frequentis einen Strich durch die Rechnung. „Jetzt ist das Börsenumfeld gut, wir haben ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 abgeschlossen“, ist Vorstandschef Norbert Haslacher sicher, dass es dieses Mal klappen wird.

KURIER: Wie sehen die Details des Börsegangs aus?
Norbert Haslacher:
Wir planen 30 Prozent Free Float. Das beinhaltet eine zehnprozentige Kapitalerhöhung, um das Eigenkapital entsprechend zu stärken. Derzeit liegt die Quote bei 43,3 Prozent. Sie ist für uns eine ganz wichtige Größe, weil Behörden mit Lieferanten zusammenarbeiten wollen, die auch noch in zehn Jahren existieren. Denn wenn ein Lieferant ein System nicht mehr warten kann, muss es außer Betrieb gehen.  Das ist im Sicherheitsbereich ein Horror.

Was ist das Ziel des Börsegangs?
Die Transformation vom Eigentümer- zum Management-geführten Unternehmen. Der Gründer Hannes Bardach hat mir dazu  im ersten Schritt im Vorjahr den Vorstandsvorsitz übertragen. Nun folgt der IPO als nächster Schritt. Wir tun das, um unsere Regionalisierung weiter auszubauen. Wir sind in 140 Ländern tätig, aber es gibt noch Bereiche, wo wir weiteres Wachstum sehen. Der Erlös von bis zu 56,7 Millionen Euro soll aber auch unsere M&A-Strategie ausbauen. Und auch Forschung und Entwicklung intensivieren. Und die Investoren werden neue Sichtweisen auf Themen hineinbringen, sie stellen andere Fragen als die Eigentümerfamilie.

Wie sieht die weitere Strategie aus, mit der sie Aktionäre locken wollen?
Wir sind überzeugt davon, dass die fünf Industrien, in denen wir tätig sind (zivile und militärische Flugsicherung, öffentliche Sicherheit, Maritim, Transport, Anm.), die Branchen sind, in denen wir verbleiben wollen, weil genug Wachstumspotenzial vorhanden ist. Mit drei Produkten sind wir bereits Weltmarktführer – die Sprachvermittlung zwischen Flugzeug und Bodenkontrolle und Tower, die aeronautischen Daten der Flugsicherungen für Anflugverfahren sowie die Message-Handling-Systeme, die Daten zwischen den Flugsicherungen austauschen. Wir haben noch weitere Produkte, mit denen wir ebenfalls Weltmarktführer werden können.

Warum erfolgt der Börsegang auch in Frankfurt?
Uns sind zwei Listings wichtig, weil Österreich ist unsere Heimat, daran wollen wir nichts ändern. Zwei bis drei Prozent des Umsatzes werden hier generiert. Und in Deutschland sitzen unsere größten Kunden wie  Flugsicherung, Bundeswehr und Polizei. Das ist für uns das Tor zur globalen Investorengruppe. Wir suchen institutionelle wie private Investoren und auch Family Offices. Zehn Prozent der Aktien sollen bei Privatkunden landen.

Haben Sie schon konkrete Übernahmekandidaten im Auge?
Wir stehen aktuell mit drei Unternehmen im näheren Kontakt. Wir wollen Unternehmen, die maximal zehn Prozent unseres Jahresumsatzes ausmachen, um sie auch nachhaltig verankern zu können. Wir kennen die meisten Unternehmen in der Branche seit vielen Jahren, einige davon kommen auch auf uns zu.

 

 

Wie viele Mittel sollen künftig in die Forschung fließen?
Weiterhin in der Größenordnung von 14 Prozent des operativen Ergebnisses. Man muss verstehen, dass Investitionszyklen im Sicherheitsbereich ein Vielfaches sind im Vergleich mit jenen im kommerziellen Umfeld. Denn Behörden machen keine Tests, die Technologie muss jahrelang erprobt sein. Der Regulator muss dabei immer an Bord sein, sonst erhält man keine Zulassung. Bei unserem Remote Tower, der erstmals in Saarbrücken in Betrieb ging, wobei die Fluglotsen in Leipzig sitzen, dauerte es sieben Jahre von der Idee bis zur Inbetriebnahme. Seit damals haben wir Kunden in Brasilien, Argentinien und England sowie die US-Airforce als Kunden gewonnen. In weiterer Folge könnte er etwa auch in der Schifffahrt zum Einsatz kommen.

 In welchen Regionen sehen Sie noch Chancen?
Wir sind nicht mit allen Produkten in allen Ländern. Jetzt geht es darum, uns auch mit den anderen Produkten zu platzieren. Zudem haben wir Zukunftsfelder definiert, wo wir tätig werden wollen. Dazu zählen Drohnen, LTE, künstliche Intelligenz und Blockchain.

Wo wollen Sie konkret wachsen?
Wir haben drei Wachstumstreiber definiert, einer davon ist Mobilität. Wenn man die Prognosen von Airbus und Boeing ansieht, wie viele Flieger sie produzieren, kann man sich vorstellen, wie viel Bodeninfrastruktur das benötigt. Es gibt aber auch große Investitionen in den Bereichen Bahn und Schifffahrt, etwa durch neue Handelsrouten über den Nordpol.

Wo sehen Sie noch Potenzial?
Im Bereich Technologie. LTE ist hier wesentlich, da von Einsatzzentralen größere Datenmengen verarbeitet werden können und damit Integration von Videostreaming, Social Media möglich ist. Hinzu kommen Drohnen sowohl im militärischen als auch zivilen Bereich. Der Drohnenverkehr wird zunehmen. Der kommerzielle Drohnenverkehr wird gewissen Mechanismen der Flugsicherung folgen müssen. Es wird eine Einsatzzentrale zur Kontrolle geben, um Zusammenstöße zu vermeiden. Und der dritte Bereich ist Sicherheit. Da sehen wir höhere Investitionen in Großstädten kommen.

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