© REUTERS/FRANCOIS LENOIR

Wirtschaft
12/12/2019

Wie legt sie's an? Spannung vor EZB-Debüt von Christine Lagarde

Kommunikation eine der mächtigsten Notenbanker-Waffen: Neue EZB-Chefin will Kurs besser erklären und Geldstrategie überarbeiten.

Der langjährige Chef der US-Notenbank Alan Greenspan ging mit seinem vieldeutigen Geschwurbel ("Greenspeak") in die Geschichte der Geldpolitik ein und schaffte sogar Einträge im Lexikon.

Vom abgetretenen EZB-Präsidenten Mario Draghi wird - durchaus mit gutem Grund - behauptet, er habe mit drei Worten ("Whatever it takes"/Was immer nötig ist) in einem kritischen Moment den Euro vor dem Kollaps bewahrt.

Wird Christine Lagarde ihren eigenen Kommunikationsstil als Chefin der Europäischen Zentralbank entwickeln? Oder setzt sie die Gepflogenheiten ihres italienischen Vorgängers fort?

Einfachere Sprache

Das ist eine der Fragen, welche die Beobachter vor Lagardes EZB-Debüt beschäftigt. Die Währungshüter der EZB tagen an diesem Donnerstagvormittag in Frankfurt nämlich erstmals unter der Leitung ihrer neuen Präsidentin über die Geldpolitik für die Euro-Zone.

Die Französin hatte im Vorfeld angekündigt, die EZB wolle stärker als bisher auch der breiteren Öffentlichkeit die Geldpolitik verständlich machen. Schon als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) hatte sie den intern beliebten, für die Öffentlichkeit aber verwirrenden Kürzeln und Fachjargons den Garaus gemacht.

Lagarde ist seit Anfang November im Amt. Investoren erhoffen sich von ihr nun Hinweise, wie es nach Draghis Vermächtnis, einem großen Maßnahmenpaket von September zur Unterstützung der Konjunktur, geldpolitisch 2020 weitergehen wird.

Neue Strategie gesucht

Einen ersten Fingerzeig könnten die zur Sitzung erwarteten neuen Konjunkturprognosen der Notenbank-Volkswirte liefern. Den Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, werden die Euro-Wächter aller Voraussicht nach nicht verändern.

Lagarde soll dann um 14.30 Uhr vor die Presse treten. Dann wird sie voraussichtlich auch danach gefragt werden, wann und mit welcher Ausrichtung die geplante Strategieüberprüfung der Notenbank eingeleitet wird.  Letztmalig hatte die EZB ihre Strategie vor 16 Jahren überarbeitet.

Einigkeit auf dem Prüfstand

Einiges zu tun bekommt Lagarde auch, um die widerstrebenden Interessen im obersten Entscheidungsgremium, dem EZB-Rat, auf Reihe zu bekommen. Dort waren in den letzten Monaten unter Draghi Spaltungstendenzen immer deutlicher zutage getreten.

Auch Österreichs neuer Notenbank-Chef Robert Holzmann hatte sich mehrfach kritisch über den Geldpolitik-Pfad der EZB geäußert und von Lagarde einen Kurswechsel gefordert. Zuletzt dürfte die dicke Luft etwas verraucht sein, wobei zu der guten Atmosphäre Lagarde maßgeblich beigetragen haben soll, wie Holzmann in einem Interview erwähnte.

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