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Wirtschaft
07/02/2021

"Weinkrieg" zwischen Italien und Kroatien flammt wieder auf

Prosecco gegen Prosek: Italienische Winzer verlangen von Zagreb Verzicht auf den Namen des Süßweins.

Prosecco gegen Prosek - das ist Brutalität: Ein Weinstreit zwischen Italien und Kroatien flackert wieder auf. Rom protestiert heftig gegen Zagreb, das in Brüssel ein Verfahren zur internationalen Anerkennung des Namens seines dalmatinischen Süßweins Prosek gestartet hat.

Kroatien hatte bereits nach seinem EU-Beitritt 2013 die Anerkennung des Begriffs "Prosek" gefordert, was von Brüssel jedoch wegen der zu starken Ähnlichkeit zum italienischen "Prosecco" abgelehnt wurde.

Neuer Versuch

Jetzt versucht es Kroatien neuerlich und zieht sich damit harsche Kritik aus Italien zu. "Wir können nicht zulassen, dass der geschützte Name 'Prosecco' zum Gegenstand von Nachahmungen wird, insbesondere innerhalb der Europäischen Union", sagte der EU-Parlamentarier und Ex-Landwirtschaftsminister Paolo De Castro.

Er sandte EU-Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski einen Protestbrief, in dem er ihn aufforderte, das Verfahren zu stoppen.

Verwechslungsgefahr

Obwohl die Weine völlig anders schmecken, sehen die italienischen Behörden in beiden Namen eine Verwechslungsgefahr. "Die EU-Verordnung über die gemeinsame Organisation der Agrarmärkte legt fest, dass geschützte Ursprungsbezeichnungen gegen jeglichen Missbrauch, Nachahmung oder Anspielung geschützt werden müssen. Der Namens 'Prosek' steht im Konflikt mit dem Schutz, der in Europa unserem Prosecco vorbehalten ist", so De Castro.

Italien hat die Markenrechte für seinen Prosecco schon vor Jahren im europäischen Binnenmarkt geschützt. Damit können Weine mit gleichem oder ähnlichem Namen nicht in der EU verkauft werden, wenn sie nicht aus der Region Venetien stammen.

"Angriff auf Prosecco"

"Kroatiens Initiative zugunsten des Proseks ist ein Angriff auf unseren Prosecco, der der meistexportierte Wein der Welt ist, aber auch der am meisten nachgeahmte", hieß es in einem Schreiben des italienischen Landwirtschaftsverbands Coldiretti.

Der Erfolg des Prosecco, der im ersten Quartal 2021 einen Anstieg der weltweit exportierten Flaschen um 8 Prozent verzeichnete, macht auch Fälscher mit Nachahmungen auf allen Kontinenten reicher. So werden auf dem Markt Weinflaschen mit Namen wie Meer-secco, Kressecco, Semisecco und Consecco, verkauft. Dabei handle sich um Produkte, die nichts mit dem echten Prosecco aus Venetien zu tun hätten, klagte Coldiretti.

Kampf um Schutz der Identität

Die italienische Regierung hat in den vergangenen Jahren für den Schutz der Identität des Prosecco gekämpft. Das norditalienische Hügelgebiet, in dem der Prosecco hergestellt wird, wurde 2009 von der Regierung in Rom zur DOCG-Gegend erklärt. DOCG ist in Italien die kontrollierte und garantierte Ursprungsbezeichnung für Weine, die höchsten Qualitätsansprüchen genügen müssen.

Die Hügel von Conegliano und Valdobbiadene in der norditalienischen Provinz Treviso, in denen der Prosecco hergestellt wird, ist zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt worden.

Ähnlichkeiten

Der Krieg zwischen Prosecco und Prosek erinnert an einige Markenrechtsstreitigkeiten in der EU, wie etwa dem Käsekrainer und der der Krainer Wurst zwischen Österreich und Slowenien. Friaul Julisch Venetien hat etwa den Streit um den Wein-Namen "Tokai" gegen Ungarn verloren.

Nach einem 13-jährigen Kampf mussten die friulanischen Weinproduzenten 2007 resignieren: Ungarische Winzer genießen seit jenem Jahr einen Markenschutz für ihren Tokajer. Der italienische Tocai wird seitdem nur noch "Friulano" genannt - nach der Heimatregion an der Grenze zu Kärnten.

Übrigens: der italienische Prosecco stammt aus dem Ort Prosecco bei Triest - der auf Slowenisch Prosek heißt. So heißt auch der "echte" italienische Prosecco in Ex-Jugsolawien "Prosek".

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