Wirtschaft
01.08.2018

Volle Teller trotz anhaltender Trockenheit

Wegen der geringen Regenmengen in Teilen Österreichs sinkt der Ernteertrag bei Getreide.

Die Getreideernte wird verglichen mit dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahren heuer um 12 Prozent geringer ausfallen. Der Grund dafür sind Trockenperioden in einigen Regionen Österreichs. Eine gute Maisernte im Herbst könnte das Ergebnis noch verbessern. Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Getreideernte.

Hat die niedrige Erntemenge direkte Auswirkungen auf die Nahrungsmittelversorgung in Österreich?

Nein. Nur etwa 13 Prozent des in Österreich verarbeiteten Getreide wird zu Mehl vermahlen, weiß Günter Griesmayr, Vorstandschef der Agrarmarkt Austria (AMA). Etwa 50 Prozent werden an Tiere verfüttert und 23 Prozent für die Stärkeproduktion oder als Braugerste verwendet. Es wird wohl heuer mehr Mais, Soja oder Braugerste aus dem Ausland importiert werden. Ein Teil der industriell erzeugten Stärke wird für Lebensmittel wie Suppen, Soßen oder Sirup verwendet.

Wofür wird Getreide noch gebraucht?

Elf Prozent des heimischen Getreidebedarfs wird zu Ethanol (Biokraftstoff) verarbeitet und drei Prozent sind für die Saatgutproduktion notwendig.

Ist die Kritik an der Verschwendung von Lebensmitteln berechtigt?

In diesem Fall nicht. Die Parole „Teller statt Tank“ ist Unsinn. Die besten Getreide-Qualitäten mit einem hohen Eiweißgehalt gehen ohnehin in die Lebensmittelproduktion. Was für die Lebensmittelproduktion nicht geeignet ist, wird verfüttert oder industriell verarbeitet.

Werden die Getreidepreise steigen?

Ja. Für die heimischen Bauern ist das laut dem Abteilungsleiter der AMA, Christian Gessl, allerdings ein „Nullsummenspiel“. Die höheren Preise werden den niedrigeren Ertrag ausgleichen. Die Konsumenten werden beim Einkaufen nicht viel davon bemerken. Zumal die Preise für Premiumgetreide in Österreich sogar gesunken sind.

Wie ist das möglich?

Wenn die Ernteerträge niedrig sind, ist meistens der Eiweißgehalt im Getreide überdurchschnittlich hoch. Es gibt in solchen Jahren daher ein größeres Angebot an Qualitätsgetreide wie Premiumweizen.

Wie hoch ist der Preisunterschied zwischen Futtergetreide und Premiumweizen?

Premiumweizen kostet an der landwirtschaftlichen Produktbörse in Wien aktuell zwischen 180 bis 188 Euro pro Tonne. Das sind um 20 Euro weniger als im Vorjahr. Futtergetreide kostet zwischen 134 bis 148 Euro pro Tonne.

Wie reagieren die Bauern auf die langen Trockenperioden?

Es wird immer mehr im Herbst und immer weniger im Frühjahr angebaut. Getreide, das im Herbst angebaut wurde, ist resistenter gegen Hitze. Es gibt Sorten, die hitzeresistenter sind als andere. Es gibt aber keine Züchtungen, die in der Lage sind, fünfzig Prozent weniger Niederschläge ohne Ertragseinbußen zu überstehen.

Warum sind die Ackerflächen für biologische Landwirtschaft und für den Soja-Anbau erneut gestiegen?

Der Ertrag ist bei Biogetreide zwar geringer, aber es gibt auch deutliche höhere Förderungen und Preise. Im Gegensatz zu den Sojaimporten aus Südamerika ist heimisches Soja gentechnisch unverändert.

Ist die Getreideproduktion in Österreich langfristig gesichert.

Das hängt von der künftigen EU-Agrarpolitik ab. Der Präsident der burgenländischen Landwirtschaftskammer, Franz Stefan Hautzinger, hat eindringlich vor der Abschaffung von Direktförderungen für die Landwirtschaft in den EU-Staaten gewarnt.