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Wirtschaft
03/16/2019

Untreue-Verdacht: Anzeige gegen Wilhelm Haberzettl

Haberzettl soll die Eisenbahner-Wohnbaugesellschaft um 2,5 Millionen Euro geschädigt haben.

von Josef Siffert

Schwere Vorwürfe gegen Ex-Wohnbauchef und früheren Eisenbahnergewerkschafter Wilhelm Haberzettl: Die Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft (BWSG) hat ihren Mitte Februar fristlos entlassenen Ex-Vorstand Haberzettl wegen des Verdachts der Untreue angezeigt, berichtet das Nachrichtenmagazin Profil.

Eine mehr als 60-seitige Sachverhaltsdarstellung sowie ein 128-seitiger Bericht von PricewaterhouseCoopers (PwC) langten am Donnerstag bei der Staatsanwaltschaft Wien ein. Darin wird detailliert nachzeichnet, wie Haberzettl und weitere Konzernmitarbeiter die Eisenbahner-Wohnbaugesellschaft um "mindestens 2,5 Millionen Euro" geschädigt haben sollen. Verantworten sollen sich dafür nicht nur der Vorstand, sondern auch eine weitere Führungskraft, ein Gutachter und zwei Immobilienunternehmer.

Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Laut Anzeige sollen zwei Liegenschaften in der Wiener Marxergasse und in der Treustraße zu billig verkauft worden sein. Die Wohnbaugesellschaft BWSG stellte bei der Staatsanwaltschaft den Antrag, die beiden Immobilien zu beschlagnahmen.

Wilhelm Haberzettl und das Vorstandsmitglied Andreas Hamerle wurden Mitte Februar in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung einstimmig abberufen und fristlos entlassen. Basis für die Entscheidung war ein Prüfbericht der Rechtsanwaltskanzlei Jarolim Partner sowie PwC, wonach es zu einer Verletzung der Sorgfaltspflichten durch den Vorstand gekommen sei. Mit der neuen Führung der BWS wurde die Ex-Asfinag-Vorständin Karin Zippererinterimistisch beauftragt. Ihr zur Seite stehen soll als zweites interimistisches Vorstandsmitglied der Rechtsanwalt Wolfgang Schweinhammer.

Mächtiger SPÖ-Gewerkschafter

Der oberste Eisenbahnergewerkschafter Wilhelm Haberzettl war über viele Jahre eine fixe Größe in der SPÖ und einer der härtesten Kritiker der schwarz-blauen Regierung unter dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP).

Aber auch vor Kritik an Parteifreunden schreckte das Urgestein der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) nicht zurück. Als der seinerzeitige ÖBB-Chef und spätere Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) 2011 über eine Dienstrechtsänderung nachdachte, sprach Haberzettel von einer "Kriegserklärung". Seinen Job bei der BWS-Gruppe trat er 2012 an, nachdem er sich überraschend von seinen Funktionen bei ÖBB und FSG zurückgezogen hatte.