LVMH-Boss Bernard Arnault

© REUTERS/Christian Hartmann

Wirtschaft
08/11/2021

Uhren-Portal Chrono24 holt Milliardär Arnault an Bord

Vor möglichem Börsengang. Dritte Finanzierungsrunde über insgesamt gut 100 Mio. Euro wird vom Technologie-Investor General Atlantic angeführt.

Das deutsche Luxusuhren-Onlineportal Chrono24 nimmt vor einem möglichen Börsengang prominente neue Investoren an Bord. Die dritte Finanzierungsrunde über insgesamt gut 100 Millionen Euro werde vom Technologie-Investor General Atlantic (GA) angeführt, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Auch der Start-up-Investor des französischen Milliardärs und LVMH-Großaktionärs Bernard Arnault, Aglae Ventures, habe sich beteiligt.

"Wir waren schon vor dieser Finanzierungsrunde mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet - also ein 'Unicorn'", sagte Vorstandschef und Mitgründer Tim Stracke der Nachrichtenagentur Reuters. GA und Arnault bewerteten das Unternehmen ebenfalls mit einer Milliardensumme.

Kein Interesse an Verkauf

Reuters hatte bereits im Mai aus Finanzkreisen erfahren, dass Chrono24 einen Börsengang im Visier hat und dabei mit bis zu 1,5 Milliarden Euro bewertet werden könnte. "Wir halten uns alle Möglichkeiten zur weiteren Finanzierung offen. Dazu gehört perspektivisch auch ein Börsengang", sagte Stracke. "Die neue Finanzierungsrunde hat daran nichts geändert." Insgesamt konnte Chrono24 bisher rund 200 Millionen Euro (236 Millionen Dollar) bei Investoren einsammeln, die Gründer um Stracke haben die Mehrheit der Anteile abgegeben.

Ein Verkauf des ganzen Unternehmens - etwa an einen großen Uhrenhersteller - komme jedoch nicht in Frage, machte Stracke klar. "Wir sehen extrem großes Potenzial, uns macht das Geschäft viel Spaß. Wir haben kein Interesse, die Unabhängigkeit von Chrono24 aufzugeben." Der Gebrauchtuhren-Händler Watchfinder war vor drei Jahren an den Genfer Luxuskonzern Richemont verkauft worden. Die schweizerische Uhren-Plattform Chronext will laut Insidern schon im Herbst an die Börse.

Expansion in weitere Länder

Frisches Geld brauche Chrono24 eigentlich nicht, sagte der Mitgründer: "Wir haben ein starkes Finanzprofil, unser Umsatz ist 2020 um mehr als 50 Prozent gewachsen, bei einer deutlich zweistelligen Ebitda-Rendite." Ziel sei aber die Expansion in weitere Länder. "Der Markt für neue und gebrauchte Uhren ist 50 Milliarden Euro schwer. Das ist vermutlich der globalste Konsumgüter-Markt überhaupt."

Auf Chrono24 tummeln sich 3.000 professionelle Händler und 30.000 private Verkäufer. Über die Plattform würden monatlich 20.000 bis 30.000 neue und gebrauchte Luxusuhren verkauft, zu Preisen von durchschnittlich 7.000 bis 8.000 Dollar (5.970 bis 6.825 Euro), sagte Stracke. Chrono24 bekommt bei jeder Transaktion eine Provision, von privaten Verkäufern 6,5 Prozent. Profi-Händler zahlen zudem eine Listungsgebühr.

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