Trump forciert einen schwachen Dollar

Trump forciert einen schwachen Dollar
Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar seit Anfang 2025 an Wert zugelegt. Dem US-Präsidenten kommt das gelegen, er will US-Exporte ankurbeln und Jobs in den USA sichern. Aber was heißt das für Europa?

Wer trotz der vielen haarsträubenden Entwicklungen in den USA eine Reise in die Vereinigten Staaten überlegt, den wird der starke Euro freuen. Öl und Gold werden in Dollar gehandelt. Europäische Käufer haben auch hier einen Währungsvorteil.

Europas Exportunternehmen sehen die Entwicklung freilich kritischer, da ihre Waren im Dollar-Raum teurer werden. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure hat durch die höheren Energie- und Lohnkosten in Europa bereits gelitten. Die Euro-Aufwertung von zehn bis 15 Prozent seit Anfang 2025 kommt im US-Geschäft als Belastung dazu.

Auch bei der Europäischen Zentralbank ist die Euro-Entwicklung Thema. Die EZB hat zwar kein spezielles Wechselkursziel und kümmert sich vorrangig um den Kampf gegen die Inflation. Weil aber ein starker Euro Importe – vor allem von Öl und Gas – verbilligt und damit die Inflation senkt, wird in Frankfurt neuerdings genauer auf die Kursentwicklung der Gemeinschaftswährung geachtet.

Inflation zu niedrig?

Noch ist die Inflation in der Eurozone mit 1,7 Prozent nicht weit vom Zwei-Prozent-Ziel der EZB entfernt. Sollte die Teuerung aber weiter deutlich sinken, könnte das ein Problem für die Konjunktur werden – genauso wie eine zu hohe Inflation einen Dämpfer für das Wirtschaftsleben bedeutet.

Notenbanker wie Österreichs Martin Kocher denken deshalb schon laut über eine weitere Zinssenkung nach, um die Konjunktur in Europa anzukurbeln. EZB-Präsidentin Christine Lagarde nutzt ihre Kommunikationsmöglichkeiten, um den Euro-Aufstieg verbal zu bremsen, ohne direkt am Devisenmarkt einzugreifen. Sie warnt vor den Risiken für die Exportwirtschaft, insbesondere für Deutschland.

US-Präsident Donald Trump kommt die Entwicklung gelegen, er hat sie sogar forciert: Seine erratische Wirtschafts- und Außenpolitik, die von ihm ausgelösten Handelskonflikte, sein Ansatz von America first, vor allem auch sein ständiger Druck auf die US-Notenbank Fed, endlich die Zinsen kräftig zu senken, drücken fast automatisch den Dollar-Kurs. Zuletzt hat Trump den schwächeren Dollar dezidiert befürwortet und die jüngsten Kursverluste von kurzfristig auf 1,20 Dollar pro Euro als „großartig“ bezeichnet.

Dollar-Reserven reduziert

Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer ordnet die Debatte folgendermaßen ein: „Die USA sind noch immer die stärkste Volkswirtschaft und Militärmacht der Welt, das spiegelt der Dollar als Weltleitwährung wider. Aber das Vertrauen in den Dollar wird weniger. Viele Notenbanken haben ihre Dollar-Reserven reduziert. Das ist ein langfristiger Schaden, den Trump anrichtet. Das ist Teil der Softpower, die die USA verlieren.“

Das Kalkül Trumps ist klar und Teil der MAGA-Philosophie: Ein schwächerer Dollar macht US-Produkte auf dem Weltmarkt günstiger und sichert Produktion und Jobs in den USA. Trump argumentiert ja, dass ein schwächerer Dollar US-Konzernen im Wettbewerb mit China oder Japan hilft, die ihre Währungen seiner Meinung nach künstlich niedrig halten. Über mehr Exporte will Trump zudem das historisch hohe Handelsbilanzdefizit der USA senken.

"Fair bewertet"

Für Raiffeisen-Chefvolkswirt Gunter Deuber ist die Debatte nicht ganz nachvollziehbar. Er hält einen Dollar-Kurs von 1,20 bis 1,30 für „fair bewertet“. Der Dollar sei mit aktuell 1,18 zum Euro noch immer „relativ stark. „Es gibt keine Grund zur Beunruhigung“, sagt er.

Viel werde davon abhängen, wie sich der von Trump nominierte, künftige Fed-Chef Kevin Warsh verhalten wird. Wird er sich als willfähriger Handlanger Trumps erweisen, der die Zinsen umgehend senkt und damit die Zweifel an der Unabhängigkeit der Fed verstärkt? Oder wird er den Kurs von Noch-Fed-Chef Jerome Powell fortsetzen, der die Unabhängigkeit der Fed sowie die Zinsen hoch gehalten hat.

Die Märkte haben für 2026 bereits zwei Zinssenkungen in den USA eingepreist. Deuber erwartet deshalb kaum Verschiebungen im Euro-Dollar-Verhältnis. Außer, die Zinsen sinken noch stärker als erwartet – und von Trump gefordert.

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