Wirtschaft 02.12.2016

Transportfirma fährt an die Wand

© Bild: KURIER/Deutsch

Intrigen unter den Mitarbeitern sollen zum Teil für die Insolvenz verantwortlich sein.

Die monatlichen Leasingkosten sowie die Löhne und Gehälter können nicht mehr bezahlt werden. Daher musste das Transportunternehmen Engljähringer GmbH mit Sitz in Frankenburg, die auch unter dem Engljähringer Road Cargo ERC firmiert, am Landesgericht Wels ein Insolvenzverfahren beantragen. Das bestätigt Petra Wögerbauer vom Gläubigerschutzverband KSV1870 dem KURIER. Das Unternehmen um Gustav Engljähringer beförderte mit 20 Lkw und 50 Doppeldecker-Aufliegern Güter im sogenannten grenzüberschreitenden Verkehr. Zur Klarstellung: Mit der Firma ERC-Logistik GmbH in Kufstein hat Engljähringer nichts zu tun.

„Auf Basis des langjährigen wirtschaftlichen Erfolges der Antragstellerin und guter Etablierung im internationalen Transportgeschäft fiel im Jahr 2009 die Entscheidung, zu expandieren und die Produktpalette zu erweitern“, heißt es im Antrag. „Zum Jahreswechsel 2009/2010 wurden zu diesem Zweck 50 Stück Doppeldecker- Auflieger erworben. Diese speziellen Sattel-Auflieger ermöglichen ein Beladen auf zwei Ebenen und können dadurch ein Drittel mehr an Fracht aufnehmen.“ 40 dieser Auflieger wurden in Rahmen eines Sale-and-lease-back-Geschäfts an Leasinggesellschaften verkauft und zurückgemietet.

Die Ursachen

Die Insolvenzursachen sind unter anderem von sehr persönlicher Natur und werden daher vom KURIER nicht angeführt. Nur so viel: Unter den Mitarbeitern soll es in der Folge zu Intrigen gekommen sein. Fakt ist: Im Jahr 2015 war die Geschäftsführung gezwungen, die Zugmaschinenflotte zu reduzieren. Daher beschäftigt der Betrieb aber auch nur noch elf Mitarbeiter.

Umsatzrückgang

„Der damit zwingend verbundene Umsatzrückgang konnte nur mit vorhandenen Liquiditätsreserven aus der wirtschaftlich guten Vergangenheit aufrechterhalten werden“, heißt es im Antrag. „Diese sind nunmehr jedoch aufgebraucht und es können die monatlichen Leasingraten in Höhe von rund 28.000 Euro sowie Löhne und Gehälter samt Lohnnebenkosten nicht mehr aus dem laufenden Betrieb finanziert werden.“ Nachsatz: „Der Rahmen des Geschäftskontos ist ausgeschöpft.“ Der Verlust des laufenden Geschäftsjahres soll auf rund 221.000 Euro angewachsen sein. Aufgrund der hohen Gewinnvorträge aus den Vorjahren (608.000 Euro) hat das Unternehmen mit 363.500 Euro eine sehr gute Eigenkapitalausstattung.

Die tatsächlichen Aktiva müssen erst vom Insolvenzverwalter festgestellt werden, die Passiva betragen zumindest rund 286.000 Euro. Dabei handelt es sich laut KSV1870 um Schulden bei Lieferanten.

Schließung steht bevor

"Der Betrieb der Antragstellerin ist aufrecht", heißt es im Antrag weiter. "Mit dem vorliegenden Antrag ist die geregelte Schließung des Unternehmens beabsichtigt, da die Mittel zur Fortführung fehlen und aufgrund des Branchenumfeldes ein positiver Fortbetrieb nicht möglich ist."

170 Fahrzeuge

Indes betreibt Engljähringer mit der Optispace GmbH, vormals ETank Betriebs GmbH, eine zweite Firma für Großraumtransporte in Frankenburg. Sie ist von den Insolvenz nicht betroffen. "Die Idee Optispace - Big World Inside wurde bereits vor einigen Jahren angedacht und nahm im Frühjahr 2009 konkrete Formen an", heißt es auf der Optispace-Homepage. "Einige Fahrzeuge wurden für den Testbetrieb angekauft, um Erfahrungen in der täglichen Praxis zu sammeln und Feedback von den Kunden zu bekommen." Nachsatz: "Aktuell haben wir bereits rund 170 Optispace Fahrzeuge in der Flotte." Alle Trailer sind gleich, haben zwei Ebenen und fassen: 34 Europaletten, 26 Einwegpaletten, 54 Rollcontainer in einem Auflieger. Drei Lkw-Ladungen können, so die Firmenwerbung, auf nur zwei Fahrten transportiert werden.

( kurier.at ) Erstellt am 02.12.2016