Tiger forscht an  Tinten- und Pulverlösungen für Drucksysteme

© Hartwig Zoegl

Wirtschaft
12/23/2019

Tiger-Chef: „Eine Welt ohne Lacke wäre eine farblose Welt“

Welser Pulverlack-Hersteller verzeichnet sinkende Aufträge aus der Autobranche und sucht neue Geschäftsfelder.

von Anita Staudacher

Es ist schon besser gelaufen für den Tiger. „Die Bauindustrie boomt noch, aber in der Autoindustrie steigen derzeit alle auf die Bremse“, erzählt Clemens Steiner, Vorstandschef des Welser Pulverlackherstellers Tiger Coatings. So gebe es derzeit gegenüber dem Vorjahr Auftragsrückgänge von 25 bis 30 Prozent. „Das beunruhigt uns sehr“. Nicht nur Konjunkturmotor Deutschland sei betroffen, auch aus China kämen wegen des Handelsstreits mit den USA schlechte Nachrichten.

Tiger liefert hochwertige Beschichtungslösungen – sowohl Pulverlacke als auch digitale Tinten für industrielle Drucksysteme – an die Autoindustrie. In dieser gebe es eine große Verunsicherung, welches Auto in Zukunft überhaupt noch gebaut würden, schildert Steiner.

Neue Geschäftsfelder

Der sechstgrößte Pulverlackhersteller der Welt sucht daher neue Geschäftsfelder. Ein vielversprechendes ist der 3D-Druck, konkret die Materialien dafür. Tigital 3D Materials, Tochter von Tiger Coatings, bietet duroplastische Materialien für den SLS 3D-Druck an. „Anders als Thermoplast schmilzt Duroplast nicht, wir haben daher ein eigenes Patent auf den Duroplast-Druck angemeldet“, erzählt Steiner. Erst kürzlich wurde mit dem US-Druckerhersteller Impossible Objects eine Partnerschaft geschlossen.

Das Familienunternehmen feiert 2020 sein 90-Jahr-Jubiläum. Entstanden aus einer kleinen Farbenhandlung, erfanden die beiden Brüder Theodor und Gustav Berghofer in den 1930-er Jahren die Marke Tiger. 1968 erfolgte der Sprung in die Pulverlacktechnologie, mit der der Sprung ins Ausland gelang. Ein Tiger war übrigens ein Adler. Johann Berghofer, ein Bruder der Tiger-Gründer, ging nach Tirol und zog dort die Adler-Lacke hoch.

Acht Produktionsstätten

Heute hat Tiger Coatings weltweit acht Produktionsstätten, davon drei in China sowie drei Forschungszentren. In Wels steht eine der größten Pulverlackanlagen der Welt, mehr als 1.300 Pulverlack-Produkte sind im Angebot.

Umweltproblematik

Großes Thema in der Lackindustrie ist der Umweltschutz. Die Auflagen seien mittlerweile in China am größten, berichtet der Firmenchef. Schon seit Jahren stellt Tiger keine Lacke mit Lösungsmittel mehr her, die Altlacke werden der thermischen Verwertung zugeführt. Die Welt würde zwar auch ohne Lacke auskommen, aber es wäre eine farblose Welt, ist Steiner überzeugt. Durch den Korrosionsschutz seien Materialien viel länger haltbar.

Im Vorjahr erwirtschaftete Tiger mit 1.300 Mitarbeitern – davon etwa 500 in Wels – einen Umsatz von 295 Mio. Euro. Die Exportquote beträgt 70 Prozent. „Wir haben uns vom Wachstumswahn verabschiedet“, sagt Steiner. Weitere Auslandsexpansionen sind derzeit nicht geplant.

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