Wirtschaft
25.10.2018

Musk triumphiert: Tesla schrieb im jüngsten Quartal Gewinne

Tesla legt mehr Augenmerk auf geringere Kosten und höhere Umsätze. Die Aktie schoss nachbörslich bis zu 13 Prozent hoch.

Der umstrittene US-Elektroautopionier Elon Musk jubelt: Tesla hat den ersten Quartalsgewinn seit zwei Jahren erzielt. "Das war ein unglaublich krasses Quartal", sagte Musk in einem Investoren-Call.

Weil die Produktion desHoffnungsträgers Model 3 endlich gesteigert werden konnte, stieg auch das Nettoergebnis. Und das deutlicher, als die meisten Analysten gerechnet hatten. So standen unter Strich im dritten Quartal 311,5 Millionen Dollar (271 Mio. Euro), wie der Konzern am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte.

Anleger warten auf diese Nachricht seit mehreren Quartalen. Im Herbstquartal 2017 stand noch ein Verlust von rund 619 Millionen Dollar in der Bilanz. Nachbörslich legte die Aktie um bis zu 13 Prozent zu.

Irreführende Twitter-Nachrichten

Dennoch gibt es auch Zweifler, ob der überraschend deutlich ausgefallene  Quartalsgewinn eine Einmalfliege war, oder ob Tesla nun tatsächlich dauerhaft auf Gewinnkurs geschwenkt ist. Grund zu Skepsis gibt, dass im vorangegangenen Sommerquartal ein besonders hoher Verlust von 718 Mio. Dollar angefallen war. Es war zudem erst das dritte positive Quartal seit dem Börsengang 2010.

Erstmals hatte Firmenchef Elon Musk im Mai für die zweite Jahreshälfte Gewinne versprochen, wenn die Produktion besser in Gang gekommen sein würde.

Anzahlungen gesunken

Tesla versucht seit einiger Zeit verstärkt, mehr Augenmerk auf die Reduzierung der Kosten und die Erhöhung des Umsatzes zu legen. Es geht auch darum, um die Aufnahme frischen Kapitals herumzukommen.

Tesla ist bisher auf die Anzahlungen seiner Kunden angewiesen - viele haben aber aufgrund der langen Wartezeiten auf ihren Model-3-Tesla die Bestellung wieder storniert. Diese Depotzahlungen sind zuletzt auf 906 Millionen Dollar gesunken, weil der Rückstau abgearbeitet werden muss.

Cashflow verbessert

Dafür habe sich der Cashflow aber durch die verbesserten Absatzzahlen und gesteigerte Profitabilität verbessert.

Im dritten Quartal lieferte das Unternehmen 55.840 Model-3-Fahrzeuge aus und nahm damit mehr als drei Milliarden Dollar ein. Das sind eine Milliarde Dollar mehr als im Vorquartal. Für Tesla ist zukunftsentscheidend, ob es dem Konzern dauerhaft gelingt, für einen Massenmarkt zu produzieren.

Mit dem ersten günstigeren E-Auto scheint man hierbei endlich auf Kurs zu sein. Im jüngsten Quartal ist das Produktionssystem dem Unternehmen nach stabilisiert worden, was sich auch in den Fertigungszahlen niederschlug. Zum Quartalsende lag die wöchentliche Produktionsrate bereits bei 5300 Model 3. Inklusive der teureren Model S und Model X, die schon länger erhältlich sind, lieferte Tesla im ganzen vergangenen Jahr gut 101.000 Fahrzeuge aus.

Skandal-Manager Musk

Musk und Tesla können positive Nachrichten gut gebrauchen, in den vergangenen Monaten ging es hoch her. Im August schockte der wankelmütige Manager die Märkte mit dem völlig überraschenden und rasch wieder abgeblasenen Plan, Tesla von der Börse zu nehmen. Es folgten Klagen von Investoren und Strafen wegen Marktmanipulation.

Zwischenzeitlich drohte dem Gründer wegen seiner irreführenden Twitter-Nachrichten sogar die Abberufung von der Firmenspitze. Letztlich einigte man sich mit der US-Börsenaufsicht SEC auf die Zahlung von je 20 Millionen Dollar durch Tesla und Musk, außerdem muss Musk für drei Jahre das Amt des Chairman abgeben.

Zudem sorgte Musk für Aufsehen, indem er bei einem Interview vor laufender Kamera an einem Joint zog und auf Twitter einen Höhlentaucher beschimpfte, der ein von Musk entwickeltes Mini-U-Boot für die Rettung der jugendlichen Fußballmannschaft in Thailand als untauglich bezeichnet hatte.

Zweifel an Qualität

Auch wenn die Quartalszahlen ein Erfolg für Tesla sind, gibt es weiter etliche Herausforderungen. Ein großes Fragezeichen steht hinter der Produktqualität: Beim neuen Model 3 gibt es Bedenken, dass die überstürzte und unkonventionelle Ausweitung der Fertigung zu Mängeln führen könnte. Auch beim Model S gab es nun einen Rückschlag. So zog das einflussreiche US-Verbrauchermagazin "Consumer Reports" am Mittwoch im Zuge einer Verlässlichkeitsumfrage seine Kaufempfehlung für die batteriebetriebene Luxus-Limousine zurück.