Investment-Geheimnisse: Worauf drei Profis achten

Welche Start-ups sind für Investoren interessant und wofür geben sie tatsächlich gerne Geld aus? Drei Geldgeber klären auf.
Drei aufgerollte 100-Euro-Scheine stehen zwischen vielen kleinen, verstreut stehenden Menschenfiguren auf blauem Grund.

Ein Start-up braucht Investoren. Das ist klar. Um Studierenden den Investmentprozess näherzubringen und ihnen Einblicke hinter die Kulissen zu gewähren, wurde an der Wirtschaftsuniversität Wien das VC Analyst Program ins Leben gerufen. Studierende arbeiten ein Semester lang an echten Deals mit, besuchen Workshops und lernen aus erster Hand, wie Investoren entscheiden.

Aber was wollen Investoren? Wonach suchen sie und was lockt sie in eine Investition? Der KURIER hat bei drei Geldgebern nachgefragt.

Was gesucht wird

Start-ups mit Disruptions- und Skalierungspotenzial erwecken das Interesse von Benedikt Weissenberger von Verbund X Ventures. Sein Fokus liegt hier vor allem auf Jungunternehmen, die Probleme entlang der Energiewertschöpfungskette lösen und „früh zeigen, dass ihr Produkt am Markt angenommen wird“.

Je nach Investor können Schwerpunkte aber variieren. B&C Innovations Investments (BCII) konzentriert sich eher auf Unternehmen, die für die österreichische Industrie relevant sein könnten. „Inhaltlich interessieren uns derzeit besonders Quantentechnologien, Luft- und Raumfahrttechnologien sowie Industrieautomatisierung“, sagt Julia Reilinger, Geschäftsführerin von BCII.

Abgesehen vom Produkt sind für den Erfolg auch die Teams zentral. Peter Lasinger, Mitgründer von 3VC, sucht entsprechend nach starken, von einer Vision getriebenen Teams. Benedikt Weissenberger von Verbund X Ventures hat klare Erwartungen an Gründungsmitglieder: „Wir suchen Teams mit relevanter Industrie- oder Gründererfahrung sowie komplementären Fähigkeiten und einer funktionierenden Teamdynamik.“ Er achtet konkret darauf, wie Gründer mit kritischen Fragen umgehen, wie schnell sie reagieren und wie strukturiert sie Probleme lösen. „Qualität zeigt sich nicht nur in der Vision, sondern speziell auch in der täglichen Exekution und Lernfähigkeit“, sagt er. 

Drei Portrait-Bilder. Links eine Frau, rechts zwei Männer. Alle lächeln.

Bei Peter Lasinger von 3VC kommt es wiederum auf eine Mischung aus Obsession und Resilienz an: „Die Gründer müssen eine klare Vision haben, aber auch offen sein für Anregungen und Feedback von außen“, erklärt er. Wichtig sei, dass Gründer sowohl ihre Idee als auch das Produkt kommunizieren und verkaufen können. Das Anwerben und Halten von Top-Talenten spiele hier eine Rolle.

Laut Julia Reilinger muss die Zusammenarbeit zwischen Investor und Team funktionieren. Sie erwartet vor allem Transparenz, regelmäßigen Informationsfluss und die Bereitschaft, einander einzubinden. Das operative Fundament müsse vom Gründungsteam gelegt und getragen werden. „Eine noch so überzeugende Technologie entfaltet ihr Potenzial nicht, wenn das Team nicht in der Lage ist, daraus ein Unternehmen zu bauen.“ Dafür wird mehr als nur Geld investiert.

Was gegeben wird

Im Fall von BCII hält man eine Minderheitsbeteiligung am Unternehmen und verfügt damit über entsprechende Gesellschafterrechte. „Als reiner Finanzinvestor ohne operative Eigenkapazitäten können wir strategisch begleiten, Netzwerke öffnen und Sparring anbieten“, sagt Reilinger. Verbund X Ventures investiert gegen Anteile und versteht sich als langfristiger Partner. Dafür bekommen die Gründer neben Kapital auch Expertise und ein breites Netzwerk, erklärt Weissenberger. „Ziel ist es, Wachstum zu beschleunigen und den Marktzugang zu erleichtern.“

3VC wird Miteigentümer der Unternehmen, hält aber nur Minderheitsbeteiligungen. „Als ehemalige Gründer und Manager waren wir selbst in ähnlichen Situationen. Wir möchten die Partner sein, die wir uns selbst immer gewünscht haben. Wir möchten dabei helfen, Fehler zu vermeiden“, sagt Lasinger. Im besten Fall will man mithelfen, die nächste Generation von Unternehmen aufzubauen.

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