Wirtschaft
01.10.2018

Spaniens Wirtschaft mit viel Licht und ein paar Schatten

Trubel rund um Katalonien schadet weniger als befürchtet. Trotz des Booms gibt es aber ein paar Relikte der Krisenjahre.

In Barcelona kam es am Montag zum Jahrestag des Unabhängigkeit-Referendums erneut zu Protesten. Wirtschaftlich hatte die Katalonien-Krise „weniger Auswirkungen als befürchtet“, sagte Michael Spalek, bis vor Kurzem Wirtschaftsdelegierter in Madrid. Die Immobilien- und Finanzkrise ist überwunden, seit 2015 wächst Spaniens Wirtschaft um mehr als drei Prozent pro Jahr. Zu verdanken ist das dem boomenden Tourismus (80 Millionen Urlauber), Investitionen in den Autosektor (17 Werke), der Erholung am Bau sowie dem anziehenden Konsum.

Die Schattenseite: Die Gehälter wurden in der Krise massiv gekürzt. „Den Spaniern war bewusst, dass sie auf Pump gelebt hatten“, sagt Spalek. Die Jugendarbeitslosigkeit hält sich hartnäckig bei 40 Prozent. Jobeinsteiger verdienen selten mehr als 18.000 Euro brutto im Jahr – bei ähnlichen Lebenskosten wie in Wien. Viele Ingenieure, Ärzte und Betriebswirte hätten deshalb bessere Aussichten im Ausland gesucht.

Die anderen wohnen bei den Eltern, bis sie 30 oder 35 Jahre alt sind. „Die Spanier sind sehr familienbewusst, sie sind in der Krise zusammen gerückt“, sagt Spalek. Man hilft sich, schanzt sich aber allzu oft auch Vorteile zu. Im TI-Korruptionsindex liegt Spanien auf Platz 42 – in Westeuropa schneidet nur Italien schlechter ab. Dafür agiere die Justiz extrem unabhängig: „Es gibt kein Weisungsrecht.“ Vor dem Richter gibt es weder für hochrangige Politiker noch den Schwager des Königs ein Pardon.

Unsicherheitsfaktoren seien die fragile Minderheitsregierung des Sozialisten Pedro Sánchez und die hohen Staatsschulden von fast 100 Prozent des BIP: „Es wird schwierig für Spanien, wenn die Zinsen raufgehen.“

Ausgeglichene Bilanz

Der Außenhandel mit Österreich ist mit 2,7 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2018 fast zurück auf Vorkrisenniveau. Österreichs Exporte (Maschinen, Anlagen) und Importe aus Spanien ( Autos, Obst, Textilien) halten sich fast die Waage.