Wirtschaft
19.11.2018

Spaniens bester Unternehmer ist ... ein Steirer

2008 hat Meinrad Spenger MásMóvil gegründet. Heute ist es zwei Milliarden Euro wert. Und er in Spanien ein gefeierter Star.

Das Ersparte war weg, das Unternehmen so gut wie gescheitert. Denn was ist Telekom ohne Netz? Ein Mobilfunker, mit dem man nicht telefonieren kann?

Eben. Nichts. Das war Ende 2006. Ein halbes Jahr hatten Meinrad Spenger und sein norwegischer Freund die Klinken bei Spaniens Telekom-Platzhirschen geputzt, um von ihnen Netzkapazitäten anzumieten.  „Das war ein bisserl naiv“, sagt der 43-Jährige zum KURIER. „Jeder hat uns heimgeschickt.“

Da besann sich der Steirer auf das, was er im Gymnasium Seckau  nebenbei gelernt hatte:  Tischlern. Eine Schule fürs Leben. „Mit Möbeln ist nur was anzufangen, wenn sie fertig sind“, so Spenger. Also durchhalten. Kein Nein akzeptieren.

Schneller Vorlauf ins Jahr 2018. Das spanische Wirtschaftsmagazin Emprendedores hat den Österreicher am Freitag zu Spaniens bestem Unternehmer des Jahres gekürt. Was für Österreicher überraschend klingt, wurde in Madrid bereits so erwartet. Denn Meinrad Spengers Erfolgsstory sucht ihresgleichen: MásMóvil ist Spaniens viertgrößtes Telekom und jagt den Giganten Vodafone, Orange und Telefónica in atemberaubendem Tempo  Kunden ab.

"MásMóvil lehrt die Konkurrenz das Fürchten", lautete kürzlich die Schlagzeile von Cinco Días, der ältesten spanischen Wirtschafts- und Finanzzeitung. 150.000 Neukunden pro Monat, damit ist man Europas schnellstwachsendes Telekom. Sieben Millionen Kunden sind es insgesamt gerade geworden. Der Umsatz liegt bei 1,4 Milliarden Euro, der aktuelle Börsenwert beträgt mehr als zwei Milliarden Euro.  

Wie schafft man so etwas? Erstens - wie geschildert - mit felsenfester Überzeugung (und einem steirischen Sturschädel). Zweitens mit einem cleveren Konzept. Wenn sich im kleinen Österreich Handydiskonter wie Yesss! etablieren konnten, müsste das in Spanien erst recht klappen. Noch dazu, wo dort die Telekomriesen überteuerte Tarife mit umso schlechterem Service wettmachten. Das  hatte Spenger während des MBA-Studiums  in Madrid selbst erlebt. Also wurden Familie, Freunde und  Mentoren angepumpt. Erst 2008 war es soweit, MásMóvil konnte loslegen.

Und, drittes Erfolgsgeheimnis: Aus der Not eine Tugend machen. Denn der Start von Spengers Telekomfirma kam gerade rechtzeitig zum Auftakt der Wirtschaftskrise, die Spanien in ein tiefes Jammertal stürzen sollte.

Was also tun? Zwar war die Startphase mit Risikokapital ausfinanziert, durch die Finanzkrise war es aber praktisch unmöglich, weiteres Geld aufzustellen. An Fernsehwerbung war nicht einmal zu denken. „Wir waren zur Effizienz gezwungen“, sagt Spenger. Noch heute habe MásMóvil zehnmal weniger Mitarbeiter als die Konkurrenz (aktuell sind es 600 Beschäftigte).

Dafür wurde die Zufriedenheit der Kunden zum Mantra. Wachstum? Gab es anfangs mäßig, dafür aber stetig. 2013 war das Unternehmen „rentabel, aber nicht superrentabel“, sagt Spenger. Dann ging es an die Börse in Madrid: 2014 im kleinen Börsensegment, ab  2017 im „richtigen“ Handel der Großen. Damit war das Geld für Übernahmen da. MásMóvil schaltete in den Turbomodus. 

Meinis“ Sturschädel war gefragt – wieder einmal. Ein Konkurrent  hatte schon monatelang exklusiv über die Übernahme eines attraktiven Mitbewerbers verhandelt.  Dennoch hielt Spenger unbeirrt an seinen Plänen fest  und stellte Investoren auf. Sinnlos, oder? Nein. „Wir waren schneller. Als die Exklusivität ausgelaufen war, schlossen wir binnen zehn Tagen den Vertrag ab.“

Authentisch bleiben

Gibt es noch ein Erfolgsgeheimnis? Authentische Unternehmenskultur, sagt Spenger.   „Als ich den MBA gemacht habe, hielt ich softe Themen wie Personalmanagement  oder Businessethik für Bullshit.“ Heute sei das Personal für ihn das Wichtigste überhaupt.  Seine Vorgabe: Wählt Leute aus, die ein Lächeln im Gesicht tragen. Das sei mehr wert als 20 Jahre Erfahrung bei Telefónica

„Bei uns darf sich eben keiner erwarten, dass ihm die Sekretärin auf Knopfdruck Kaffee bringt.“ Hat der Erfolg ihn verändert? Der zweifache Vater denkt kurz nach. „Ich glaube nicht.“ Das Steirische schimmert noch durch. „Ich habe dreißig Jahre gebraucht, um ordentlich Deutsch zu lernen. Und drei Jahre in Spanien, um’s wieder zu vergessen.“

Wobei, doch: Eines habe sich verändert. Er sei relaxter als  2008, als er eine Bankgarantie über eine halbe Million Euro mit persönlicher Haftung unterschreiben musste: „Da schluckst du schon kräftig.“