Wildschwein

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Wirtschaft
12/21/2019

Schweinepest kommt im Wurstsemmerl: Einschleppung nur Frage der Zeit

Als Risikofaktoren gelten Reisende. Der Virus ist hartnäckig, hält sich selbst in Wurst und Schinken über Monate.

von Simone Hoepke

Dass die Afrikanische Schweinepest auch in Österreich auftreten wird, ist für Johann Damoser vom Sozialministerium so gut wie sicher. Die Frage ist nur wann und wo.

Für Menschen ist der Virus zwar ungefährlich, wirtschaftlich steht aber viel auf dem Spiel. In Österreich werden 2,8 Millionen Schweine gehalten, jedes sechste davon geht traditionell in den Export. „Drittstaaten werden beim ersten Fall von Schweinepest reagieren. Mit dem Exportgeschäft ist es schlagartig vorbei“, sagt Damoser. Er rechnet schon jetzt mit einem wirtschaftlichen Schaden von 250 Millionen Euro.

Die Nervosität steigt nicht nur in Österreich. Dänemark, dessen Schweinepopulation zehn Mal größer ist als jene in Österreich, hat gerade für elf Millionen Euro einen 70 Kilometer langen Zaun entlang der deutschen Grenze fertiggestellt, der seine Industrie vor infizierten Wildschweinen schützen soll.

Warnung vor der Wurstsemmel

Tatsächlich sind es oft aber nicht Wildschweine, die den Virus übertragen, sondern Menschen. Sie tragen ihn auf ihrer Kleidung, auf Schuhen oder in den Profilen der Autoreifen von einem infizierten Gebiet ins nächste. Aber auch jene, die nie mit Wild- oder Hausschweinen in Berührung kommen, können das Virus verbreiten – etwa in Schinken- oder Wurstsemmeln. „Das Virus hält sich auch in Lebensmitteln“, sagt Friedrich Schmoll von der Ages (Agentur für Ernährungssicherheit). In konserviertem Schinken ganze sechs Monate.

Experten fürchten nun, dass die Schweinepest quasi in der Wurstsemmel über die Grenze kommt. In Rumänien sei die Situation außer Kontrolle. Auch, weil in vielen kleinen Dörfern Hausschweine gehalten werden, die mit Lebensmittelresten gefüttert werden. Schmoll: „Viele Fernfahrer aus Rumänien oder Bulgarien haben Schinken- und Wurstwaren aus Hausschlachtung mit, wenn sie auf Rastplätzen halt machen. Dazu kommen Berufsgruppen wie Pfleger oder Erntehelfer, die ihr Essen von Zuhause mitbringen.“

Die Ages hängt nun an Raststationen Info-Blätter aus, über die Reisende aufgefordert werden, keine Lebensmittel aus Schweine- oder Wildschweinfleisch aus Hausschlachtung einzuführen. Der Zoll hat seine Kontrollen verschärft. Damoser: „Allein von 18. September bis 13. November wurden zwei Tonnen Lebensmittel von Reisenden konfisziert.“ Auf Raststationen gibt es jetzt zudem Aushänge, dass Lebensmittel nur in verschließbaren Behältern entsorgt werden sollen, sodass kein Wildschwein die Tonne plündern und sich anstecken kann.

In den vergangenen Jahren wurden tausende Fälle von Afrikanischer Schweinepest in den Baltischen Staaten, Belgien, Bulgarien, Moldawien, Polen, Rumänien, Russland, der Tschechischen Republik, Ungarn und der Ukraine gemeldet. In China, dem global größten Schweinemarkt, hat sich der Bestand infolge des Virus auf 200 Millionen Tiere halbiert.

Afrikanische Schweinepest ist sehr widerstandsfähig:

  • Sechs Monate in konserviertem Schinken
  • Knochenmark sechs Monate (Wildschweinkadaver)
  • viele Jahre in tiefgefrorenen Schlachtkörpern
  • 15 Wochen in gekühltem Fleisch
  • 70 Tage in Blut bei Raumtemperatur