Wirtschaft
27.09.2017

Schmiergeldaffäre: Adidas-Manager in den USA verhaftet

Die US-Ermittlungsbehörden haben einen Sportartikel-Manager und mehrere Trainer ins Visier genommen. Den Verdächtigen drohen bis zu 80 Jahre Haft.

Die US-College-Basketball-Liga wird von einem Schmiergeld-Skandal erschüttert. Am Dienstagabend bestätigte der börsennotierte deutsche Sportkonzern Adidas, dass der US-Manager James G. verhaftet wurde. Die Bundespolizei FBI hat zugleich neun weitere Personen festgenommen. Es gibt insgesamt drei umfassende Anklagen gegen diese zehn Verdächtigen. Der Kurs der Adidas-Aktie gab daraufhin um 2,35 Prozent nach.

Die US-Anklagebehörden, die seit 2015 in diesem Fall ermitteln, verdächtigen zehn Personen der Bestechung und Bestechlichkeit, der Geldwäscherei, der Verschwörung zum Betrug und des Betruges unter Einsatz von Kommunikationsmitteln (Handy, Email). Unter den Beschuldigten sind mehrere namhafte Assistenz-Trainer von Basketball-Teams verschiedener Universitäten in der Division I der NCAA.

Darunter sind der frühere Profi Chuck Connors P., Rashan M., Lamont E., Emanuel R., Anthony B., Christian D., Munish S., Merl C. und Jonathan Brad A.

"Wir wissen nichts von Verfehlungen und werden mit den Behörden voll kooperieren, um mehr zu erfahren", teilte der Sportausrüster mit. Demnach sollen einzelne Personen umgerechnet bis zu 85.000 Euro erhalten haben, um Einfluss auf Spieler auszuüben bzw. Basketballer zu Spielen für bestimmte Schulen unter Adidas-Sponsoring zu animieren. Oder anders gesagt: Durch diese Zahlungen sollte der Sponsor "Zugriff auf deren wertvollste Spieler erhalten". Dazu muss man wissen, dass die US-College-Liga ein Milliardengeschäft ist.

Neben Trainern sollen auch Spielerberater Schmiergeldzahlungen erhalten haben, um ihre Spieler und deren Leistungen zugunsten der Schmiergeldzahler zu beeinflussen. Andererseits sollen Spieler durch diese illegalen Zahlungen dazu verleitet worden sein, sich in bestimmte Universitäten einzuschreiben und dort ins Basketball-Team einzusteigen - zum Vorteil einer Sponsorfirma. Das war für die Sponsorfirma vor allem deshalb wichtig, denn sollte der Spieler in die US-Profiliga NBA aufsteigen, hätten sie ihn bereits "sozusagen unter Vertrag".

Dieses Unternehmen wird vom FBI in den Akten nur als "Company 1" bezeichnet, es dürfte sich dabei aber um Adidas handeln. Einzelne Spieler werden als Kronzeugen geführt. Ein Involvierter agierte als Informant des FBI. Detail am Rande: Um seine Mauscheleien abzuwickeln, hat sich ein Trainer ein Extra-Handy beschafft. Mit diesem Handy kommunizierte er mit einem vermeintlichen Mittäter. Was er nicht wusste, ist, dass der "Mittäter" der Konfident des FBI ist. Die Gespräche wurden von den Ermittlern auch aufgezeichnet.

Die Verdächtigen sollen die illegalen Gelder über Zwischenstationen und Firmen an die Spieler weitergeleitet haben. Zum Teil wurden dafür Scheinrechnungen ausgestellt, damit die Zahlungen in der Buchhaltung aufgenommen werden konnten. Auch sollen sogenannte Kickback-Zahlungen an die Familien von zumindest zwei Spielern geflossen sein.

Den einzelnen Verdächtigen drohen Haftstrafen von bis zu 80 Jahren, im schlimmsten Fall laut US-Anklagebehörde von Manhattan sogar bis zu 200 Jahren.