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Interview
12/27/2019

Rewe-Touristik-Chef: "Parkhaus schon teurer als der Flug"

Geschäftsführer Martin Fast über den "ruinösen Wettbewerb", den Billigflieger weiter anheizen.

von Simone Hoepke

Dass die Politik den Verkauf der Lauda als "österreichische Lösung" gefeiert hat, war aus Sicht des Touristikers "ein Witz". Mit ihren Flügen bringt die Ryanair-Tochter Laudamotion jetzt auch Veranstalter unter Druck. Davon abgesehen werden die Karten nach der Pleite von Thomas Cook neu gemischt.

KURIER: Ist "Weihnachten unter Palmen" nur ein deutscher Spielfilm oder auch Realität?

Martin Fast: Für manche ist es Realität. Die Malediven, Mauritius oder auch die Karibik sind bei uns heuer sehr gut gebucht, was sicher auch zum Teil am Wegfall des Konkurrenten Thomas Cook liegt. Auch Ägypten ist heuer wieder im Kommen.

Wie viel können sich Urlauber sparen, wenn sie erst nach den teuren Feiertagen abreisen?

In den zwei Weihnachtswochen sind Reisen um bis zu 50 Prozent teurer. Das liegt daran, dass quasi die halbe Welt frei hat und sich die Reiseströme auf Gegenden konzentrieren, in denen das Klima passt. Damit werden die Kapazitäten knapp, die Preise steigen. Als Veranstalter verdient man deswegen in dieser Zeit nicht mehr. Wir kaufen entsprechend teurer ein.

Wie stark hat Rewe Touristik von der Thomas-Cook-Pleite profitiert?

Natürlich wird der Umsatzkuchen jetzt neu verteilt. Wir rechnen im kommenden Jahr mit einem Umsatzplus von 25 Prozent. Nach Tunesien haben wir uns zum Beispiel bisher die Maschinen mit Thomas Cook geteilt, jetzt sitzen in den Chartern ausschließlich unsere Passagiere. Bei Destinationen, die mit Linienfliegern bedient werden, sind die Auswirkungen noch nicht so gut einschätzbar.

Klar ist dagegen, dass immer mehr Urlauber mit Billigairlines fliegen ...

Das trifft uns. Es ist ein ruinöser Wettbewerb, der viele Veranstalter unter Druck bringt. Die Preise der Billigairlines sind surreal, zielen nur darauf ab, Konkurrenz aus den Markt zu drängen.

Was ist denn ein fairer Preis für einen Flug?

Wenn wir als Veranstalter Kontingente kaufen, zahlen wir 50 bis 70 Euro pro Flugstunde und das bis zu ein Jahr im Voraus, weil wir uns ja die Sitze rechtzeitig sichern müssen. Billigtickets gibt es ab 19,99 Euro und damit unter Einstandspreis. Das Parkhaus am Flughafen kostet doppelt so viel. Anders formuliert zahlen wir oft doppelt so viel für einen Flugsitz als ein Passagier in der Billigairline. Wir müssen als die Schleuderpreise querfinanzieren.

Wessen Schleuderpreise?

Jene von der AUA zum Beispiel, die unser Partner ist. Sie muss ja auf die Billigairlines reagieren. Angeheizt wird der Preiskampf unter anderem von der Laudamotion, deren Mutter in Irland ist, dort Steuern zahlt und laut diversen Berichten keine gescheiten Gehälter an die Crew zahlt. Dass sich Niki Lauda und der damalige Minister Norbert Hofer beim Verkauf an Ryanair auf die Schulter geklopft haben und von einer "österreichischen Lösung" gesprochen haben, ist ein Witz.

Sehen Sie Laudamotion als größte Konkurrenz?

Sie fliegen auf jede größere griechische Insel und in viele spanische Städte, also dort, wo die Veranstalter unterwegs sind. Damit bringen sie natürlich auch die AUA unter Druck, die 1.000 Jobs abbauen muss. Das war also der Erfolg der "österreichischen Lösung".

Wann rechnen Sie mit einer Entspannung der Lage?

Frühestens 2021. Kommendes Jahr legen die Billigairlines Flüge für sieben Millionen Passagiere in Wien auf, sie haben damit am Flughafen Wien bereits einen Marktanteil von 32 Prozent erreicht. Gesund wäre ein Anteil von acht bis zehn Prozent. Lange kann das nicht gut gehen. Wenn man von fairen Preisen spricht, muss man übrigens auch dazu sagen, dass diese Low-Cost-Carrier oft mit günstigeren Konditionen, etwa bei Lande- und Abfertigungsgebühren, an den Flughafen gelockt werden.

Gleichzeitig reden alle über Klimaschutz. Nervt Sie das?

Im Gegenteil, ich bin froh, dass die Debatte jetzt so breit geführt wird. Wir als Reiseveranstalter sind natürlich mitten drin. Man muss aber die Kirche im Dorf lassen. Sobald irgendwo ein Billigflieger zum Spottpreis abhebt, ist es bei den meisten mit den Klimaschutzplänen auch schon wieder vorbei.

Gibt es Kunden, die ihre Flugmeile kompensieren wollen?

Nein, so gut wie niemand macht das. Wir haben aber ein Programm, bei dem wir für jeden Passagier einen Baum pflanzen. Seit 2012 wurden so eine halbe Million Bäume eingesetzt, vor allem in Mexiko. Wir haben so 70 Arbeitsplätze geschaffen, in einer Gegend, in der es wirklich so gut wie keine Jobs gibt.

Wie viel lässt sich das die Rewe-Touristik kosten?

Mehr als 100.000 Euro im Jahr.

Sie haben gerade die neuen Sommerkataloge präsentiert. Wie wichtig ist ein Reisekatalog heute noch?

Wir produzieren heute um ein Drittel weniger Kataloge als noch vor zehn Jahren. Mittelfristig wird es wohl ein Auslaufmodell werden, schon allein weil wir die 40.000 Hotels, die wir im Programm haben, niemals auf Papier bringen könnten.

Im vorigen Sommer gab es Aktionen wie selten zuvor. Wie ist das Geschäftsjahr unter dem Strich gelaufen?

Vom Ergebnis her wird es sicher weniger als budgetiert. Ich bin seit 21 Jahren in der Geschäftsführung von Rewe Touristik, hab aber nie zuvor erlebt, dass wir so schleudern mussten, um die Kapazitäten halbwegs auszulasten.

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