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Insolventen
12/13/2018

Rekord bei Privatpleiten: Schulden auf 1,9 Milliarden Euro verdoppelt

Mit mehr als 10.000 Fällen wird erstmals die Schallmauer durchbrochen.

von Kid Möchel

Die Zahl der Privatkonkurse ist heuer durch die Decke gegangen. Die Änderungen im Insolvenzrecht – Verkürzung der Verfahrensdauer und Abschaffung der Mindestquote von zehn Prozent – haben einen Ansturm bei den Bezirksgerichten ausgelöst. 10.118 Privatpleitiers haben heuer schon eine gerichtliche Schuldenregulierung beantragt, das ist ein Anstieg um fast 46 Prozent. Der Schuldenberg hat sich mit rund 1,9 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Doch dieser Rekord ist leicht erklärt.

„Ein Drittel dieser privaten Schuldner sind ehemalige Unternehmer“, sagt Hans-Georg Kantner vom Gläubigerschutzverband KSV1870. Sitzt ein insolventer Konsument in der Regel auf einem Schuldenberg in Höhe von rund 59.000 Euro, haben frühere Wirtschaftstreibende im Durchschnitt sogar 500.000 Euro Schulden am Hals. Auch dabei handelt es sich um eine Verdoppelung. Die Ex-Unternehmer haften für die unberichtigten Außenstände ihrer gescheiterten Firmen.

Ruinöse Geschäfte

Heuer gibt es sogar 180 Privatkonkurse ehemaliger Unternehmer, die mit mehr als einer Million Euro bei Gläubigern in der Kreide stehen. Diese 180 Pleitiers sitzen sogar auf insgesamt 520 Millionen Euro Schulden.

Rekordhalter ist ein dubioser Geigenhändler, der mit rund 42 Millionen Euro Forderungen konfrontiert ist. Zum Teil hatte er für den Ankauf von Violinen Bankkredite aufgenommen. Am Ende landete er vor dem Strafrichter.

In zwei Drittel der Fälle vereinbaren Privatpleitiers mit ihren Gläubigern einen sogenannten Zahlungsplan; das heißt, sie zahlen innerhalb von fünf Jahren einen geringen Prozentsatz ihrer Schulden zurück.

„Sie bieten sieben, zehn oder 15 Prozent Quote an“, sagt Kantner. Das wird dann auch angenommen.

Klappt der Zahlungsplan aber nicht, kommt es zu einem Abschöpfungsverfahren. Die Einkommen der Schuldner werden dann bis auf das monatliche Existenzminium (909 Euro) gepfändet. Nach fünf Jahren erhält der Betroffene vom Gericht die sogenannte Restschuldbefreiung.

Doch durch das neue Insolvenzrecht sind die Verfahren schwieriger geworden. „Die Rahmenbedingungen für die Schuldner sind wesentlich strenger geworden“, sagt der KSV1870-Experte. Ohne jegliche Rückzahlungen kommt eigentlich keiner durch. Mehr noch. „Man muss sich einen Job suchen, um Pfändbares zu verdienen“, sagt Kantner.

Dazu können noch weitere Auflagen kommen. Am Ende muss man die Redlichkeit mit der Steuererklärung untermauern.

Weniger Firmenpleiten

Indes ist die Zahl der Firmenpleiten um zwei Prozent auf 4982 Fälle gesunken. 71 Prozent der Unternehmen geht es gut, die Zahlungsmoral ist top und 89 Prozent haben eine gute Bonität. Einige Großpleiten (Waagner-Biro, Niki Luftfahrt, MFC, Wienwert) haben etwas die Statistik beeinflusst. Fakt ist aber auch: Ein Drittel der Pleiten entfällt auf Jungunternehmer. Hauptursachen sind betriebswirtschaftliches Unvermögen und zu wenig Kapital.

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