Wirtschaft
02.12.2018

Regierung: Verbot von Plastiksackerln kommt

Ab 2020 soll das nicht abbaubaure Kunststoffsackerl nicht mehr zum Einkauf gehören. Türkis-Blau lädt Handel zu rundem Tisch.

Um kaum ein Thema wird so emotional gestritten wie um das Plastiksackerl. Manche Konsumenten fühlen sich schlecht behandelt, wenn sie zu ihrem Einkauf kein Sackerl dazugeschenkt bekommen, andere wollen es schlichtweg verbieten. So wie Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger.

 

Sie hat am Wochenende angekündigt, dass das Plastiksackerl  ab 2020 aus Österreich verschwinden soll. Ausnahmen sind für jene Tragetaschen geplant, die zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind. Laut Ministerium fallen jährlich landesweit bis zu 7000 Tonnen Kunststofftragetaschen unterschiedlicher Dicke an. „Alleine in Österreich werden pro Tag über 100 Kilo Plastik über die Donau abtransportiert“, heißt es. Eine Umweltverschmutzung also, die gestoppt gehört.

„Wir begrüßen das grundsätzlich“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Bisher war der Weg allerdings ein freiwilliger – und zwar in Form der 2014 gestarteten „Pfiat di Sackerl“-Initiative, der sich  13 Händler angeschlossen haben. 112 Millionen Sackerl wurden so eingespart, das entspricht einer Reduktion von 20 Prozent. Anders formuliert: Sobald das Sackerl etwas kostet, will es offenbar keiner mehr haben. Tchibo meldete  etwa einen Rückgang der Nachfrage um 74 Prozent, nachdem ein paar Cent Umweltgebühr für die Tragtasche kassiert wurden.

"Der Handel bekennt sich - natürlich - zum Umweltschutz. Das zeigt sich auch daran, dass die freiwillige Vereinbarung mit großen Handelsunternehmen zur Reduktion des Kunststofftaschenverbrauchs hervorragend funktioniert", erläuterte auch Peter Buchmüller, Handelsobmann in der Wirtschaftskammer Österreich. Tatsache sei: "Das Gratis-Plastiksackerl ist im österreichischen Handel schon jetzt praktisch Geschichte, der Verbrauch an Plastiktaschen massiv zurückgegangen."

 

Onlinehändler ausgenommen

Dass das von Köstinger geplante Plastik-Verbot ausschließlich Händler mit Sitz in Österreich trifft, aber nicht jene ausländischen  Versandhändler, die hierzulande immer mehr Geschäft machen, ärgert Rainer Will besonders: „Wer beim Onlinehändler ein Paket bestellt, hat beim Auspacken verlässlich den halben Wohnzimmerboden voller Plastikverpackungsmaterial. Das ist der Irrsinn schlechthin. Auch da müsste die Regierung Vorschriften machen.“ Das Paket-Volumen im eCommerce wachse jährlich um einen zweistelligen Prozentsatz, „hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf für die Schaffung fairer Spielregeln“, so Will

Währenddessen begrüßt Greenpeace die Pläne, warnt aber davor, dass Plastik durch  Papier oder Bio-Plastik ersetzt wird. Nur Mehrwegsackerl seien tatsächlich umweltschonend.

„Die von der Bundesregierung vorgelegten Überschriften umfassen wichtige Punkte“, kommentiert Global 2000. „Der Teufel steckt aber im Detail, so werden wir uns den Gesetzestext, sobald dieser vorliegt, genau anschauen.“

Plastiksackerlverbot ab 1. Jänner 2020