Claus Raidl: "Wissenschaftliche Qualität nicht gegeben"

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Wirtschaft von innen
11/13/2019

Raidl: "Sorgen um die Reputation der Nationalbank"

Ex-Präsident der OeNB kritisiert den neuen Gouverneur Holzmann und eine seltsame Veranstaltung in der Bank.

von Andrea Hodoschek

Eine seltsame Mischung aus teils extrem kapitalistischen Ökonomen, manche mit religiösem Sendungsbewusstsein, tagte am Mittwoch und Donnerstag im traditionsreichen Kassensaal der Nationalbank. Das Hayek-Institut, geleitet von der OenB-Vizegouverneuerin und Ex-FPÖ-Kommunalpolitikerin Barbara Kolm, hatte zur Konferenz „The Austrian School of Economics in the 21st Century“ geladen.

Ewald Nowotny (SPÖ) lehnte wie berichtet noch als Gouverneur seine Genehmigung für die Veranstaltung ab. Sein Nachfolger, der FPÖ-nahe neue Gouverneur Robert Holzmann, gab seinen Segen dazu.

Claus Raidl, ÖVP-naher langjähriger Ex-Präsident der Bank, hält Veranstaltungen dieser Art nicht gerade förderlich für das Image der Nationalbank. „Ich mache mir große Sorgen, dass damit die Reputation der Nationalbank verloren geht“, erklärte Raidl dazu gegenüber dem KURIER.

Es gehe keineswegs darum, andere Meinungen nicht zuzulassen. „Ich war immer dafür, dass die OeNB für offene Diskussionen zur Verfügung steht“. Allerdings dürfe die Bank nicht die Bühne für „einseitige Diskussionen mit dogmatischer Indoktrinierung sein“.

Der prächtige Saal kann nicht gegen Geld gemietet werden, sondern wird von der Bank vergeben. Voraussetzung ist die wissenschaftliche Qualität der Veranstaltungen. Ebenso wie Nowotny hält Raidl die Vortragenden nicht gerade für Kapazunder. Er meint: „Die wissenschaftliche Qualität ist bei einigen Referenten nicht gegeben.“

Dass Kolm als Vizepräsidentin des Generalrates den Kassensaal als Podium bekommen hat, hält Raidl grundsätzlich nicht für unvereinbar: „Ich bin nicht dagegen, dass die Vizepräsidentin dort eine Veranstaltung macht. Aber eben nicht in dieser Qualität.“

Keynote-Speaker Robert P. Murphy gilt als extrem rechter Ökonom. Er und Tom Woods, der einen Award erhält, gehören obendrein als Kreationisten zu den Gegnern der Evolutionstheorie.

Über die Qualifikation von Holzmann hat Raidl seine Meinung geändert. Aufgrund seiner Positionen bei Währungsfonds und Weltbank „wirkte er sicher qualifiziert“. Mit seinem Verhalten in den vergangenen Wochen habe Holzmann jedoch „offensichtliche Lücken in seiner sozialen Kompetenz gezeigt“. Raidl spielt damit auf das umstrittene Personalpaket an.

Einen Grund, Holzmann abzuberufen, sieht Raidl darin aber nicht. Auch nicht, nachdem die FPÖ nicht mehr in der Regierung ist: „Das Gesetz legt großen Wert auf die Unabhängigkeit des Direktoriums von der Politik. Das ist auch gut so.“