Wirtschaft
28.07.2018

Profi-Musiker können sich Instrumente nicht mehr leisten

Ohne reiche Gönner wäre die österreichische Kunstwelt eine traurige. Hochkultur gäbe es ohne sie schon lange nicht mehr

Wer heuer bei den Salzburger Festspielen den Musikern lauscht, weiß nicht, dass etliche der Streich-Instrumente gar nicht den Künstlern selbst gehören. Einige davon sind via dem Investment-Berater Wolfgang Habermayer für maximal sieben Jahre verliehen. Danach kann der wahre Besitzer das Instrument am Markt verkaufen – in den letzten Jahren immer mit Gewinn.

Wobei Habermayer im Gespräch mit dem KURIER betont, dass er seinen begüterten Kunden das Ganze nicht als Anlage-Objekt ans Herz legt, sondern als Philanthropie. Er hat daher neben seiner „Merito Financial Solutions“ eine zweite Firma gegründet: „Merito String Instruments Trust“. Darüber hat er derzeit 17 Instrumente im Wert zwischen 300.000 und drei Millionen Euro vermittelt – Geigen, Bratschen und Celli. Die Idee kam von einem prominenten Geiger.

23 Jahresgehälter

Der Grund? Die Instrumentenpreise sind explodiert. Vor 60 Jahren habe ein Musiker ein Jahreshonorar für eine gute Geige ausgeben müssen, sagt der Consulter (der seit Jahren auch Mitglied des Kuratoriums des Wiener Konzerthauses ist). In den Neunzigerjahren sei es ein zehnfaches Jahresgehalt gewesen, aktuell müsste ein durchschnittlicher Musiker dafür 22 bis 23 Jahre arbeiten. Vorteil für den Mäzen: Gewinne aus solchen Sachanlagen sind nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei.

Einen wichtigen Beitrag zur Kulturförderung leisten in Österreich einzelne Großspender wie der Vermögensverwalter Peter Pühringer, der mit der POK Pühringer Privatstiftung unter anderem den rund 15 Millionen Euro teuren Bau des 2012 eröffneten Konzertsaals „MuTh“ der Wiener Sängerknaben finanziert hat und auch für den laufenden Spielbetrieb in Millionenhöhe aufkommt. Für 2022 ist ein ähnliches Projekt Pühringers in der Schweiz, in Vitznau am Vierwaldstättersee, geplant.

Ebenfalls beispielhaft ist das Engagement von Helmut und Kathryn List, deren AVL Cultural Foundation Privatstiftung innovative Projekte aus den Bereichen Kunst und Wissenschaft ermöglicht.

Stummfilm-Rettung

Neben Mäzenen werden auch Mittel- und Kleinspender zunehmend entdeckt und über Patenschaftsprogramme, Förderkreise und Renovierungskampagnen abgeholt. Ein beliebter werdendes Tool ist Crowdfundraising. Zuletzt fuhr das Filmarchiv Austria gemeinsam mit der Plattform „WeMakeIt“ einen großen Erfolg für die Rettung des Films „Stadt Ohne Juden“ ein. Rund 30.000 Euro wurden gebraucht, 85.000 Euro waren in kürzester Zeit gesammelt.

Derartige Sachspenden sind in Österreich in Summe aber noch relativ selten, auch bei Geldspenden für Kunst und Kultur sind heimische Mäzene zurückhaltend. „Im Vergleich zu Ländern wie den Niederlanden, Deutschland oder der Schweiz sind die Einnahmen, die im Kunst- und Kultursektor durch Fundraising erzielt werden, noch gering“, sagt Günther Lutschinger, Chef des Fundraising-Verbands Austria, der Dachverband spendenwerbender Organisationen in Österreich.

Nur etwa zwei Prozent aller Spenden Österreichs entfielen zuletzt auf kulturelle Zwecke. „Dies mag daran liegen, dass Kultur in Österreich traditionell als Staatsaufgabe gesehen wird und dass seitens der Kulturpolitik noch nicht die nötigen steuerpolitischen Rahmenbedingungen geschaffen worden sind, die mehr privates Engagement für Kultur begünstigen“, sagt Lutschinger. Er sieht aber eine leichte Zunahme bei privaten Spenden für Kunst und Kultur.

Die Staatsförderung für Kultur stagniert seit vielen Jahren. Angesichts knapper werdender Fördermittel und steigender Kosten sehen sich viele Kulturbetriebe schon lange dazu gezwungen, sich aktiv im Fundraising zu betätigen. Einige Institutionen konnten bereits große Erfolge verzeichnen, wie der KHM-Museumsverband oder die Salzburger Festspiele. Neun Millionen Euro sind es in Salzburg derzeit aus Sponsoring und Mäzenatentum, sagt Präsidentin Helga Rabl-Stadler. Zum 100-Jahr-Jubiläum der Festspiele 2020 sollen es mehr als zehn Millionen sein.

Das KHM hat neben klassischem Sponsoring und Spenden auch Einnahmen aus Erbschaften, wie Geld und vor allem Kunstwerke.

Schattenseiten

Aber nicht immer fahren die Kulturinstitutionen gut. In Österreich hat man etwa Erfahrungen mit Alberto Vilar noch nicht vergessen: Der US-Börsenspekulant war vor seiner Verhaftung im Mai 2005 unter anderem Sponsor der Salzburger Festspiele sowie der Staatsoper in Wien. In Salzburg war er eine Zeit lang der größte Sponsor der Geschichte.

Sein Versprechen, das Haus für Mozart zu finanzieren, erfüllte er dann aber nicht. Seine Fonds verloren von 2000 bis 2002 mehr als 90 Prozent ihres Wertes. Verurteilt wurden Vilar und ein Partner, weil sie Offshore-Kunden um rund 22 Millionen Dollar betrogen haben sollen. 2008 wurde er wegen Betrugs zu neun Jahren Haft verurteilt, kürzlich wurde er entlassen.