Pro & Contra: Darf man in Rüstungsaktien investieren?
Courier mit Waffenstation
PRO
Von Sandra Baierl
Drohnenentwickler. Stahlproduzenten. Goldminen. Diamantenminen. Funktechnikspezialisten. Helmerzeuger. Flugzeugbauer. Satellitenfirmen. Rüstungsfirmen. Sind sie gut oder böse? Wer entscheidet, was sie produzieren dürfen und wofür ihre Produkte letztlich verwendet werden?
Der Weltmarkt ist ein Sammelsurium an Unternehmen, die Verschiedenes produzieren. Vieles ist miteinander verbunden und verwoben. Oft existiert das eine nicht ohne dem anderen – etwa: keine Luftabwehr ohne Satellitentechnik, keine Bundesheerbekleidung ohne Funktionsstoffe, keine Waffen ohne Stahl. Unternehmen, direkt oder indirekt mit Rüstung, Abwehr oder Krieg verbunden, sind – leider – Teil des Weltmarkts. Sie sprengen manche Moralvorstellung, agieren aber innerhalb des rechtlichen Rahmens. Sie sind unschön und man wünschte, sie seien entbehrlich. Aber sie sind gerade derzeit Realität.
Man kann sich bewusst entscheiden, reinen Rüstungsaktien aus dem Weg zu gehen. Als Aktionär und Investor ist das eine Entscheidung gegen einen Teil des Marktes. So, als würde man US-Aktien umgehen, weil man Präsident Trump ablehnt. Man nimmt sich Investitions- und Ertragschancen – und ist damit etwas realitätsfern.
Sandra Baierl leitet Job, Immo, Mobilität. Sie ist trotz „Pro“ immer noch Pazifistin. sandra.baierl@kurier.at
CONTRA
Von Robert Kleedorfer
Schon zu Beginn des Ukraine-Kriegs war mir klar: Reine Rüstungsaktien spielt’s für mich persönlich nicht. Ich mag niemanden verurteilen, der in solche Titel investiert, schließlich kenne ich selbst auch bei anderen Themen kaum Grenzen, wenn es ums Geld-Vermehren geht, zum Beispiel mit Ölaktien.
Mit Rüstungstiteln – und damit auch Krieg – verdienten Anleger in den vergangenen Jahren gut. Und Geld stinkt bekanntlich nicht. Aber bei diesem Thema schon. Zur Verteidigung sind Waffen nötig und haben klarerweise ihre Berechtigung. Aber wer sich verteidigen muss, wird auch angegriffen (oder sich vorbeugend dagegen rüsten). Mit Waffen. Sie werden also auch an Angreifer verkauft. Eine klare Trennung zwischen Freund und Feind gibt es oft nicht.
Doch ab wann zählt ein Unternehmen überhaupt als Rüstungskonzern? Boeing macht mit militärischen Gütern rund ein Drittel des Geschäfts. Der überwiegende Teil stammt aber aus dem zivilen Business, vorrangig Verkehrsflugzeuge. Ähnliche Lage beim heimischen Techkonzern Frequentis, der den Defence-Bereich nun stark ausbaut. Diese Aktie besitze ich seit Jahren. Und ich bleibe auch investiert. Dieser Kompromiss ist meine persönliche Grenze.
Robert Kleedorfer leitet die Wirtschaft und gibt im wöchentlichen KURIER-Podcast „Ziemlich gut veranlagt“ Tipps zur Geldanlage.
robert.kleedorfer@kurier.at
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