Peter Michael Ikrath

Michael Ikrath

© Kurier / Franz Gruber

wirtschaft von innen
10/14/2021

Politische Retourkutsche für den schwarzen Ex-Banker?

Ex-ÖVP-Justizsprecher Michael Ikrath, heute Proponent des Antikorruptions-Volksbegehrens, und sein Abgang als Sparkassen-Generalsekretär

von Andrea Hodoschek

Der ehemalige Banker und durchaus prominente frühere ÖVP-Politiker Michael Ikrath ist wieder im Gespräch. Unter Bankern, vor allem in der Erste Group, und in politisch interessierten Wirtschaftskreisen. Dabei geht es um seine Rolle beim Antikorruptionsvolksbegehren und sein Karriere-Ende als Generalsekretär des Sparkassenverbandes.

Ikrath hatte zuletzt Anfang Oktober die Angriffe der ÖVP-Bundespartei auf die Justiz und die Korruptionsstaatsanwaltschaft öffentlich scharf kritisiert. Die ÖVP überschreite damit nicht nur die „Grenzen des Anstands“, sondern untergrabe das Vertrauen in den Rechtsstaat, wetterte Ikrath. Der Oberösterreicher saß etliche Jahre für die ÖVP im Parlament, war Justizsprecher der Partei und Finanzreferent des Wirtschaftsbundes. Im Vorjahr kehrte der langjährige Vertraute von Ex-Erste-Chef Andreas Treichl jedoch der ÖVP den Rücken und unterstützte im Wiener Wahlkampf die Neos. Seit dem Sommer ist Ikrath einer der Proponenten des Antikorruptionsvolksbegehrens.

Spesenabrechnungen

Mit seiner öffentlichen Kritik dürfte sich Ikrath bei seinen Banker-Kollegen wieder in Erinnerung gebracht haben. Wie das zusammengehe, heute das Anti-Korruptionsvolksbegehren und 2015 bei seinem Abgang Differenzen über üppige Spesenrechnungen für Dienstreisen sowie einen versuchten Beratervertrag für seine Ex-Mitarbeiterin beim europäischen Verband in Brüssel, monieren Banker.

„Letztklassig und üble Nachrede“, empört sich Ikrath gegenüber dem KURIER. Die damals im Standard publizierten Vorwürfen seien mehrfach entkräftet worden. Jede Dienstreise sei vorher vom Verbandspräsidenten genehmigt worden. Alle Abrechnungen seien doppelt geprüft, vom internen Rechnungsprüfer und dem Abschluss-Prüfer. Dem Whistleblower wollte man auf die Schliche kommen, der Verband habe (erfolglos) die interne Revision der Erste Bank angesetzt.

Bei der Auswahl der Hotels war man im Sparkassen-Reich allerdings nicht kleinlich. So sei etwa das Dukes, eine der ganz noblen Adressen in London, eine Empfehlung der Erste-Filiale vor Ort gewesen.

Ikrath verließ den Verband vorzeitig, sein Vertrag war erst kurz zuvor verlängert worden. Er sei von sich aus gegangen, betont Ikrath. Weil ihm Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl eine Position im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss in Brüssel anbot, die er als „überzeugter Europäer“ annahm. Was Leitl bestätigt. Der Job ist kein Vollzeit-Engagement.

Im Verband ging es nicht sehr harmonisch zu, es gab heftige Konflikte über den Haftungsverbund. Da sei schon „eine Reihe von Blessuren“ entstanden, räumt Ikrath ein. Aber auch durchaus möglich, dass der bei den Türkisen unbeliebte Ikrath Ziel einer politischen Intrige ist. Er habe sich nämlich immer als „schwarzer ÖVPler“ mit großer Skepsis gegenüber Kurz & Co. gesehen, betont Ikrath. Der 68-Jährige ist bis heute Mitglied des Wirtschaftsbundes, trat aber nie der ÖVP bei.

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