Pikante Pleite einer Wettbüro-Firma

Sportwetten
Foto: APA/dpa/Franz-Peter Tschauner Wettbüro (Symbolbild)

Buchmacher-Unternehmen muss nach 15 Jahren die Karten niederlegen. Angeblich gab es eine „Hetzjagd auf illegale Vermittler von Wetten und auf Wettkunden“.

 „536 Mannjahre an brancheninternem Know-How sind ein Beleg für die Konstanz und den Erfolg unseres Unternehmens. Diese Erfahrung bündelt sich in unseren Services und Produkten, die wir zu einer homogenen Komplett-Lösung zur Wettabwicklung zusammenführen“, heißt es auf der Homepage der Wiener Wett-Dienstleistungs-Firma Wettbüro GmbH mit Sitz in der Modecenterstraße. „Unser Team von Wett-Spezialisten unterstützt Sie dabei, von den dynamischen Entwicklungen am Wettmarkt zu profitieren. Wir beraten Sie und erarbeiten mit Ihnen gemeinsam die für Sie optimale Lösung um Ihre Ideen umzusetzen.“

Damit ist jetzt Schluss. Denn die Wettbüro GmbH, die zu 100 Prozent der EWG Sportwetten GmbH um Buchmacher Harald Kochmann gehört, musste am Handelsgericht Wien einen Insolvenzantrag stellen.

„Die Anfänge der Firmengeschichte datieren ins Jahr 1982, als Harald Kochman in Schwechat bei Wien als einer der beiden ersten privaten Buchmacher Österreichs tätig wurde. 2002 wurde die Wettbüro AG gegründet, aus der 2007 die Wettbüro GmbH hervorging“, heißt es seitens des Unternehmens. „Seit 2003 tritt die Wettbüro AG als reiner Dienstleister für Wettunternehmungen auf, der selbst keine Wetten abschließt. Derzeit bietet die Wettbüro GmbH Ihre Dienstleistung in der EU, in Südosteuropa sowie in Afrika an."

Heftige Vorwürfe

Doch aufgrund der Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes von 2013, dass die Vermittlung von Sportwetten der Landesgesetzgebung unterliegen, soll es in Wien laut der Wettbüro GmbH „ zu einer Hetzjagd auf die ‚illegalen‘ Vermittler von Wetten und auf Kunden“ gekommen sein. In der Folge sollen mit Juli 2015 zahlreiche Wettlokale geschlossen worden sein; zugleich wurden laut Wettbüro „Geräte beschlagnahmt und Lokalinhaber erhielten hohe Strafen“. Anmerkung der Redaktion: Das dürfte aber nur eine sehr subjektive Sichte der Dinge sein.

„Der Verfassungsgerichtshof hat zwar inzwischen ausgesprochen, dass diese Gesetzesnovelle verfassungswidrig war, doch konnte das die wirtschaftlichen Konsequenzen nicht mehr gutmachen“, heißt es weiter. So soll es zu einem (finanziellen) Geschäftseinbruch bei der Wettbüro GmbH gekommen sein.

Der Betrieb wurde bereits vor wenigen Tagen geschlossen, 17 Mitarbeiter wurden gekündigt.

Über die Schulden gibt es bisher keine Angaben. Laut Firmencompass betrugen die Verbindlichkeiten schon im Geschäftsjahr 2014/15 rund 442.000 Euro, der Bilanzverlust 435.000 Euro und das negative Eigenkapital knapp 707.900 Euro.

(KURIER) Erstellt am
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