Wiener Beteiligungsfirma Euro East fuhr an die Wand

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Wirtschaft
05/10/2021

Persönliche Haftungen führen in die Schuldenfalle

Arbeitslosigkeit und Einkommenseinbußen sind Hauptursachen für finanzielle Notlagen.

von Kid Möchel, Dominik Schreiber

Das Pandemie-Jahr 2020 war auch für die staatlichen anerkannten Schuldnerberatungen außergewöhnlich. „Menschen, die die Schuldnerberatung brauchen, sind von der Corona-Krise besonders schwer getroffen“, sagt Schuldnerberater Clemens Mitterlehner. „Ein Drittel unserer Klienten geben Arbeitslosigkeit und Einkommensverlust als Überschuldungsgrund an. Eine weitere Gruppe sind ehemalige Selbstständige. Das sind Menschen, die nach Beendung des Unternehmens, persönliche Haftungen haben. Das ist bei jedem fünften Klienten der Fall.“

Es sei zu befürchten, dass diese Personengruppe künftig deutlich öfter Hilfe brauchen wird. Die Corona-Hilfen haben aber ihre Wirkung in der Statistik der Schuldnerberatungen gezeigt.

„Bei den Privatkonkursen haben wir einen Rückgang von 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Mitterlehner. „Vor allem Menschen, die schon vor Corona vor dem Konkurs standen, hatten durch die Stundungen eine Verschnaufpause. Die Probleme sind nicht gelöst, sondern nur verschoben.“

Mittelschicht

Sein Kollege Michael Lackenberger nennt das „Ruhe vor dem Sturm“. Das Klientel erweitere sich aber seit dem Vorjahr. „Wir treffen seit Mitte 2020 auf Menschen aus der Mittelschicht, die bisher sehr gut über die Runden gekommen sind, geraten völlig unerwartet in eine finanzielle Schieflage“, sagt Lackenberger. „Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits vor der Corona-Krise Schulden hatten. Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit machen die vollständige Bezahlung der Kredit- und Leasingraten unmöglich.“

Die meisten sind unverschuldet in die Misere geraten. Der falsche Umgang mit Geld ist in den Hintergrund gerückt.

„Wir betreuen Familien, in denen beide Elternteile Arbeitslosigkeit betroffen sind, was die Schuldenregulierung noch einmal erschwert“, sagt Lackenberger. „Wir müssen darauf achten, dass die existenzsichernden Zahlungen wie Miete und Energiekosten durchgeführt werden können.“

Gegensteuern

Steigt die Arbeitslosigkeit, steigt auch die Zahl der Schuldner, die eine Beratung benötigen. Geht man von den aktuellen Arbeitslosenzahlen aus, wird die Zahl der erwerbsarbeitslosen Personen, die eine Schuldnerberatung aufsuchen, um 36 Prozent steigen.

Die Schuldnerberatungen fordern daher die Evaluierung der bestehenden Entschuldungsinstrumente, „um der sozialen Krise effektiv gegensteuern zu können“.

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