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Wirtschaft
04/11/2019

Parndorf - ein kleiner Ort, den man bis Japan und China kennt

Die kleine Gemeinde Parndorf erlebt durch das Designer Outlet Center einen Höhenflug. Doch es gibt auch Schattenseiten.

von Thomas Pressberger

Der 20. August 1998 sollte die kleine burgenländische Gemeinde Parndorf für immer verändern: An diesem Donnerstag öffnete dort ein McArthurGlen Designer Outlet. „Früher war Parndorf nur ein Dorf mit zentraler Lage, heute ist es ein Dorf, das man bis Japan und China kennt“, erzählt Wolfgang Kovacs. Seit mehr als elf Jahren ist er Bürgermeister, seit seiner Kindheit lebt er im Ort.

Das Designer Outlet Center (DOC), das am Mittwoch die jüngste Bilanz präsentierte, war ein Impulsgeber, danach haben sich Betriebe wie der Kunststofftubenhersteller Mareto, das Möbelhaus XXXLutz, Fachmarktzentren, ein Cineplexx mit Gastromeile, ein Billard- und Bowling-Center und mit dem Panonia-Tower sogar ein Hotel angesiedelt. Ein zweites, ein Ibis, ist in Bau. Der Saatguthersteller Pioneer und der Glashersteller Interpane waren bereits in Parndorf, haben aber stark ausgebaut. „Da sind Unternehmen dabei, die zwischen 100 und 600 Mitarbeiter haben“, sagt Kovacs. In Summe gibt es rund um Parndorf 4500 Arbeitsplätze.

Wohngebiet verdoppelt

Die Unternehmen befinden sich zwar außerhalb des Ortes, haben diesen dennoch nachhaltig verändert. „Das Wohngebiet hat sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren verdoppelt“, sagt Kovacs. Die Zahl der Einwohner stieg von 2300 auf knapp 5000. Allein durch die Wohneinheiten, die in Bau sind, werden in den nächsten drei Jahren 600 Einwohner dazukommen. „Wir sind inzwischen ein Dorf, das größer ist als Bezirkshauptstädte wie Güssing oder Oberpullendorf“, sagt Kovacs.

Vor 1998 lagen die Kommunalsteuereinnahmen von Parndorf bei 35.000 Euro. Heute sind es vier Millionen, Tendenz steigend. In drei bis vier Jahren werden es laut Prognosen fünf Millionen Euro sein. „Wir brauchen das Geld aber auch, so schnell zu wachsen, das kostet“, sagt der Bürgermeister. 2014 wurde ein dritter Kindergarten gebaut, es sei nur eine Frage der Zeit, bis ein vierter folge. Kostenpunkt: 3,5 Millionen Euro. Die Volksschule wurde um drei Millionen Euro erweitert, das Gemeindeamt um 1,5 Millionen vergrößert und Straßen und Kanäle angelegt. Auch ein bisschen Lebensqualität leiste man sich, so Kovacs. 30 Vereine werden gefördert, darunter Sommertheater, Kabarett, Musik, Fußball und Tennis. Früher gab es nur eine Handvoll Vereine.

52 Nationen

Worauf Kovacs stolz ist: „Parndorf ist ein internationales Dorf. Menschen aus 52 Nationen leben bei uns.“ Manche würden im DOC arbeiten, manche in Wien. Gekommen seien die meisten wegen der Lage, der Lebensqualität, vor allem aber wegen der Bekanntheit Parndorfs durch das DOC.

Doch sind nicht alle im Ort glücklich mit den Veränderungen. „Die typische Dorfstruktur, wo jeder jeden kennt, ist weg. Die Ruhe eines verträumten Dorfes auch“, sagt Kovacs. Verkehrsbelästigung sei ein Thema, hier müsse viel investiert werden. „Es gibt bereits Leute, die sagen, ’Irgendwann muss es genug sein.’“ Daher gebe es einen Widmungsstopp für Wohngebiete. Wenn die bereits genehmigten Projekte umgesetzt sind, wird Parndorf 7000 Einwohner haben.

Rekordwerte

Einen Widmungsstopp gibt es auch für Betriebe. Die Parndorfer lehnten auch den Endbahnhof der geplanten Verlängerung der Breitspurbahn von der Slowakei ab. „4000 zusätzliche Arbeitsplätze wären in keinem Verhältnis zum Verlust an Lebensqualität gestanden“, sagt Kovacs. Als letzter Schritt werde eine Fläche für kleine Betriebe aufgeteilt. „Aber dann reicht es.“

Das DOC steigerte 2018 den Umsatz um 9,3 Prozent und hatte 6,1 Millionen Besuchern, beides Rekorde. 2019 soll noch besser werden.

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