Karlsbrücke in Prag

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Wirtschaft
06/07/2019

Osteuropa: Warum Österreichs Einfluss als Investor kleiner wird

Nur noch Platz vier: Der Anteil an den Investitionen in den neuen EU-Staaten und am Westbalkan ist deutlich gesunken.

Österreichs Firmen in Osteuropa: Das war nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ein Wachstumstreiber. Heimische Unternehmen haben früh die Chancen in den neuen Absatzmärkten ergriffen.

Mit Firmenbeteiligungen, Kapitalanlagen oder überhaupt mit neuen Fabriken wurde Österreich ein führender Investor in vielen Ländern. Jetzt sinkt der Anteil aber, erklärte Osteuropa-Experte Gábor Hunya vom Wiener Institut für Wirtschaftsvergleiche (WIIW) am Donnerstag vor Journalisten.

Experten beruhigen

Österreich liegt mit neun Prozent Anteil an den Direktinvestitionen nur noch auf Platz vier – hinter Deutschland, Niederlanden und Luxemburg. Noch vor fünf Jahren war Österreich einen Rang besser platziert (mit elf Prozent). Am Westbalkan erreicht Österreich zwar noch Platz zwei hinter den Niederlanden, der Anteil ist aber auch da rückläufig, von knapp 15 auf 12,3 Prozent.

Droht Österreich seinen erweiterten Heimmarkt vor der Haustür zu verlieren? Hunya kalmiert: „Dass Österreich Anteile verliert, ist eine normale Entwicklung.“ Dafür gebe es mehrere Gründe.

"Gut aufgestellt"

Zum einen stehen hinter dem Großteil der Investitionen im Osten, die steuerschonend über Firmenkonstrukte in den Niederlanden und Luxemburg laufen, Unternehmen aus ganz anderen Ländern. Legt man die echte Herkunft zugrunde, wiegen die rot-weiß-roten Investitionen in Tschechien oder Ungarn schwerer.

Und: „Österreich ist schon seit 30 Jahren präsent und gut aufgestellt“, sagt Hunya: „Unternehmen, die internationalisieren wollten, haben das längst getan.“ So seien die Banken oder Einzelhändler wie Spar flächendeckend vertreten. Große, neue Investitionen kämen also naturgemäß seltener vor.

Zudem ist ein Trend unverkennbar: Es gibt weniger Großprojekte wie Fabriksgebäude auf der grünen Wiese, dafür mehr kleinere Projekte und Investitionen in Dienstleistungen – wie Software-Entwicklung. Dafür wird weniger Kapital benötigt.

Wirft gute Gewinne ab

Positiv ist: Österreichs Engagement zahlt sich noch immer aus. Die Osteuropa-Investitionen machen 28 Prozent der Auslandsaktivitäten aus, spielen aber 36 Prozent von den Gewinnen ein.

Und, ebenfalls ein durchaus gesunder Trend: Immer mehr Investitionen kommen aus den osteuropäischen Ländern selbst. Entweder wird in den angrenzenden Ländern investiert, oder, eben aus Gründen der Steuerschonung und Rechtssicherheit, über niederländische und luxemburgische Firmen im eigenen Land.

Stark überschätzt wird Chinas Rolle. Viele Schlagzeilen erwecken den Anschein, die Asiaten hätten Osteuropa schon halb aufgekauft. Dabei beträgt Chinas tatsächlicher Anteil an den Investitionen etwa in Tschechien 0,5 Prozent, sagt Hunya. Infrastruktur-Projekte aus der „Neuen Seidenstraße“ zählen allerdings nicht dazu, weil die Chinesen diese zwar über Kredite finanzieren, aber nicht besitzen.

Globaler Rückgang

Global betrachtet sind die ausländischen Direktinvestitionen 2018 erneut zurückgegangen. Hier spielen der zunehmende Handelsnationalismus sowie Sonderfaktoren mit: Wegen Vorteilen aufgrund der Steuerreform wurde viel Kapital in die USA zurückgeholt. Und Russland hat wegen der Sanktionen begonnen, Importe durch eigene Produktion zu ersetzen.