© Ams/Gerhard Langusch

Wirtschaft
08/22/2019

Osram-Bieterkampf: So wollen Steirer US-Konkurrenz ausstechen

KURIER-Gespräch mit ams-Finanzvorstand Wachsler-Markowitsch: "Wir haben mehr Ahnung." Jobs werden bei Übernahme zum Teil abgebaut.

von Robert Kleedorfer

Seit Mittwochabend steht es fest: Der steirische Chipkonzern ams bietet offiziell für den Münchener Lichtkonzern Osram. Die Österreicher bieten 38,50 Euro je Aktie. Damit liegt das Offert über jenem der US-Finanzinvestoren Bain und Carlyle (35 Euro). Gelingt die Übernahme, wäre sie mit insgesamt 4,4 Milliarden Euro eine der Größten eines heimischen Konzerns im Ausland. Im Gespräch mit dem KURIER konkretisiert ams-Finanzvorstand Michael Wachsler-Markowitsch die Pläne.

KURIER: Wie kann eigentlich der kleinere ams-Konzern die größere Osram übernehmen?

Michael Wachsler-Markowitsch: Weil wir profitabler sind.

Es gibt Gerüchte, dass Chinesen hinter der Finanzierung stehen.

Das stimmt nicht.

ams ist mit rund zwei Milliarden Euro verschuldet. Viele hinterfragen, ob der Konzern den Deal überhaupt stemmen kann.

Wir haben eine unterschriebene Finanzierung der Großbanken HSBC und UBS. Ein Teil der Finanzierung soll später durch eine 1,5 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung sowie Anleihen abgelöst werden. Wir haben schon in der Vergangenheit gezeigt, dass wir die Nettoverschuldung durch einen starken Cash Flow (finanzielle Zu- und Abflüsse während einer Periode, Anm.) und gute Geschäfte stark reduzieren konnten. Wir gehen davon aus, dass wir das auch jetzt schaffen.

Analysten bekritteln abseits der hohen Verschuldung, dass sich ams mit dem Deal einen Konkurrenten vom Hals schaffen möchte.

Wir wollen nicht Umsatz dazu kaufen, sondern das ist ganz klar eine technologische Übernahme. Wir sind Weltmarktführer bei Sensoren, Osram bei Emittern. Diese Kombination gibt es bis jetzt nicht. Die Anwendungen reichen vom autonomen Fahren bis hin zu neuen Handydisplays.

Osram ist aber auch bei Sensoren tätig.

Es gibt eigentlich insgesamt nur sehr wenige Überschneidungen, nicht einmal fünf Prozent aller Kunden sind dieselben. Wir sind sehr komplementär aufgestellt. Wir sind in einer Situation, die europäische Hersteller bevorzugt. Denn die USA und China sind sich derzeit bei einigen Dingen nicht grün. Sie wollen daher nicht die Technologie der Gegenseite zum Einsatz bringen. Diese Angst geht auch nicht mehr weg. Es entsteht also ein europäischer Player, der auf diesen Vorteil setzt. Wir haben jetzt schon viele Anfragen aus den beiden Staaten.

 

Die Gewerkschaft IG Metall, die auch im Osram-Aufsichtsrat sitzt, hält aber nichts von ams. Wie wollen Sie diese und die Mitarbeiter überzeugen?

Ich glaube, die Mitarbeiter sind davon angetan, nicht in den Fängen eines Finanzinvestors zu sein. Wir haben vom Geschäft mehr Ahnung. Und wir haben ausreichend Erfahrung in der Integration von anderen Unternehmen. Wir haben einige Übernahmen in den letzten Jahren gemacht. Wir werden entsprechende Überzeugungsarbeit leisten, so wie es die Investoren in den letzten neun Monaten getan haben. Auch bei unseren Aktionären, die zum Teil auch Aktionäre bei Osram sind. Wir werden dabei auf beiden Aktionärsseiten entsprechende Aktivitäten setzen.

Die Investoren versprechen aber Jobs- und Standortgarantien. Sie auch?

In ähnlicher Form.

Aber nicht gleich gut.

Wir gehen sogar einen Schritt weiter. Wir wollen in der Forschung sowie auf Produktionsseite mehr Jobs schaffen. Das wollen die Investoren nicht. Aber natürlich gilt es auch Synergien zu heben, etwa in den Zentralen. Das seit Jahren laufende Restrukturierungsprogramm ist sicher noch nicht zu Ende. Es wird zu einem Mitarbeiterabbau kommen.

Bain und Carlyle könnten ihr Offert noch erhöhen. Hat ams das Potenzial noch nachzulegen?

Wir haben ein überzeugendes Angebot am Tisch, das auch ausreichend ist.