Offene Rechnungen: Bund und Länder haben eine schlechte Zahlungsmoral

Symbolbild.
Die öffentliche Hand spielt beim Bezahlen von Aufträgen anscheinend ihre Machtposition aus.

Österreichs Unternehmen geht es gut, obwohl die ersten Vorboten eine Eintrübung der Konjunktur ankündigen. Brexit, Strafzölle Trumps und andere Risiken haben auch hierzulande die „Investitionsfreude“ der Unternehmer leicht verringert. Doch die Zahlungsmoral ist noch immer gut. Das ergibt eine Umfrage des KSV1870 unter tausend Unternehmen. Nur ein Fünftel der Unternehmen begleicht seine Rechnungen verspätet. Das Gros zahlt innerhalb von 29 Tagen.

Indes zahlen Private ihre Rechnungen innerhalb von 15 Tagen, das ist eine Verbesserung um zwei Tage im Vergleich zum Vorjahr. Für Unternehmen können säumige Kunden aber mitunter große Probleme bereiten. Im Schnitt verliert eine Firma 1,7 Prozent des Jahresumsatzes durch Forderungsverluste.

Offene Rechnungen: Bund und Länder haben eine schlechte Zahlungsmoral

KSV1870-Chef Ricardo-José Vybiral

„Der Forderungsverlust ist vor allem für kleine Unternehmen problematisch“, sagt KSV1870-Chef Ricardo-Jose Vybiral. Denn das Gros (88 Prozent) der Zahlungsausfälle beträgt im Schnitt bis 50.000 Euro.

„Es werden nach unserer Hochrechnung jährlich rund 1,9 Millionen Rechnungen in Höhe von 1,35 Milliarden Euro nicht bezahlt“, sagt KSV1870-Experte Walter Koch.

Offene Rechnungen: Bund und Länder haben eine schlechte Zahlungsmoral

Die Zahlungsmoral im Bundesländervergleich

39 Tage Verzug

Ein schlechtes Zeugnis stellt Vybiral der Zahlungsmoral der öffentlichen Hand aus. Offenbar nutzen Bund und Länder ihre Machtposition beim Zahlen mit Verspätung aus. Das glaubt die Hälfte der Unternehmer. Denn welcher Betrieb kann es sich leisten, die öffentliche Hand als Auftraggeber abzulehnen.

Obwohl das gesetzliche Zahlungsziel 30 Tage beträgt, zahlen sechs Bundesländer erst nach 38 bzw. 39 Tagen (siehe Grafik). Bei den Gemeinden fällt nur Wien aus der Rolle. Die Stadt zahlt ihre Rechnungen erst nach 34 Tagen. Zum Vergleich: Tiroler Gemeinden begleichen diese binnen 24 Tagen. Traurig ist die Ursachenforschung: 53 Prozent der Firmen hat das Rechnungswesen nicht im Griff, die Verwaltung ist ineffizient. Mehr als 40 Prozent zahlt nicht pünktlich, weil das Geld knapp oder die geschäftlicher Macht groß ist. Und ein Drittel hat es sich zur Firmenphilosophie gemacht, Rechnungen erst nach der zweiten Mahnung zu begleichen.

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