Am Mittwoch findet ein Pensionsgipfel statt

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
07/30/2020

Österreichs Frauen sind bei Pensionen weiterhin benachteiligt

Heutiger Equal Pension Day zeigt praktisch keine Verbesserung zum Vorjahr. Starke Unterschiede nach Bundesländern.

Heute, Donnerstag, ist Equal Pension Day, das ist jener Tag an dem Männer bereits so viel Pension erhalten haben, wie Frauen erst bis Jahresende erhalten haben werden. Frauen bekommen demnach durchschnittlich um 825 Euro im Monat weniger Pension als Männer, das entspricht einer Differenz von 41,86 Prozent.

Wie Berechnungen der Stadt Wien für den Städtebund anhand von Statistiken der Pensionsversicherung ergeben, hat sich der Equal Pension Day heuer im Vergleich zum Vorjahr zwar um einen Tag nach hinten verschoben. Diese "Verbesserung" kommt allerdings nur aufgrund des Schaltjahres zustande, de facto sind die Frauenpensionen nahezu gleich niedrig geblieben. Im Vergleich zum Jahr 2015, als erstmals diese Auswertung vorgenommen wurde, hat sich jedoch eine Verbesserung um vier Tage ergeben.

Nationaler Vergleich

Starke Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern. Wien ist das einzige Bundesland, das den Equal Pension Day erst im September (2.9.) feiert, Kärnten am 4. August, alle anderen Bundesländer begehen diesen Tag zwischen 7. Juli (Vorarlberg) und 29. Juli (Salzburg).

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich Wien um drei Tage verbessert, Burgenland und Salzburg um zwei Tage, alle anderen Länder nur um einen Tag. Im Vergleich zu 2015 ist der Equal Pension Day in Wien sogar um zwölf Tage nach hinten gerutscht, im Burgenland um acht und in Niederösterreich um sechs Tage. Schlusslicht ist Tirol mit einer Verbesserung um nur einen Tag.

Weniger Beitragsjahre

Für die Pensionslücke von 41,8 Prozent machen die Autoren der Untersuchung mehrere Gründe aus. So haben Frauen im Schnitt zehn Beitragsjahre weniger als Männer, größtenteils verursacht durch betreuungsbedingte Erwerbsunterbrechungen - denn das durchschnittliche Antrittsalter zur Alterspension unterscheidet sich nur durch rund drei Jahre. Bei den 2018 neuzuerkannten Alterspensionen erreichten nur zwei Prozent der Frauen jene 45 Versicherungsjahre, die 80 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens als Pension garantieren. Bei den Männern waren es 52 Prozent.

Dazu kommt die Lohnschere, die sich auch in der Pension auswirkt: Frauen verdienen in Österreich in Vollzeit um 19,7 Prozent weniger als Männer, was deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16,7 Prozent liegt. Und Frauen arbeiten oft in schlechter bezahlten Branchen.

Ruf nach Verbesserungen

Der Equal Pension Day hat Parteien und Sozialpartner auf den Plan gerufen, ihren jeweiligen Forderungen zum Thema Nachdruck zu verleihen. So riefen sowohl ÖVP-Seniorenbund als auch SPÖ-Pensionistenverband nach Verbesserungen für Frauen. Der Ruf nach Maßnahmen kam auch von der Arbeiterkammer, den Grünen und der FPÖ - natürlich mit unterschiedlichen Ansätzen.

Nach Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) meldete sich auch Sozialminister Rudolf Anschober zur Tatsache, dass Pensionen von Frauen in Österreich um rund 42 Prozent geringer ausfallen als jene der Männer. "Durch die Corona-Krise befürchten wir eine weitere Verschärfung der Benachteiligung von Frauen in vielen Bereichen", warnte er und forderte betriebliches und gesellschaftliches Umdenken ein.

Ein "entschlosseneres Auftreten gegen Frauendiskriminierung im Lichte von Corona" verlangte auch Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec. Der Präsident des Pensionistenverbandes, Peter Kostelka, trat für "eine schnellere Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der finanziellen Absicherung von Frauen im Alter" ein. AK-Präsidentin Renate Anderl nannte als mögliche Maßnahmen eine Qualifizierungsoffensive und Arbeitszeitverkürzung mit Lohnausgleich.

"Bei den Pensionen braucht es weder einen künstlichen Generationenkonflikt noch einen Geschlechterkampf", meinte hingegen FPÖ-Seniorensprecherin Rosa Ecker. Oberstes Ziel müsse sein, die soziale Absicherung im Alter durch die Mindestpension zu gewährleisten. Dass sich in diesem Bereich nichts gebessert habe, zeige die "frauenpolitischen Versäumnisse der letzten Jahre und Jahrzehnte", meinte die Frauensprecherin der Grünen, Meri Disoski.

 

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