Österreichs Exporteure können sich behaupten

Die Kontrollbank unterstützt heimische Unternehmen auch bei der Absicherung gegen wirtschaftliche und politische Risiken.
Container Ship Beneath Bridge

Angesichts der Anzahl an Krisen und Konflikten in aller Welt sei Österreichs Exportstatistik 2025 mit einem Minus von 0,5 Prozent auf rund 190 Milliarden Euro „gar nicht so schlecht ausgefallen“, findet Kontrollbank-Chef Helmut Bernkopf. Auch wenn wir natürlich in der Vergangenheit teilweise zweistellige Zuwachsraten hatten und insbesondere die Zollproblematik mit den USA schmerze.

„Doch die Spezialrolle der OeKB macht es möglich, dass wir auch in einem schwierigen Umfeld mit geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen Produkte bereitstellen können, die uns Wachstum ermöglichen. 2025 war kein Rekordjahr, aber wir waren nicht weit weg davon“, sagt Bernkopf in einem KURIER-Gespräch zusammen mit Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP).

Günstige Finanzierungen

Als Beispiel für ein erfolgreiches Produkt im Geschäftsbereich der Export Services nannte Bernkopf die stark nachgefragten „Shopping Lines“. Das sind günstige Finanzierungen mit flexiblen Kreditlinien für ausländische Importeure, damit sie bei österreichischen Exporteuren einkaufen. Damit kann gerade auch Klein- und Mittelunternehmen (KMU) der Zugang zu neuen Wachstumsmärkten erleichtert werden.

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Zugenommen hätten auch die Liquiditätsprodukte im Inland. Mit der „Vorratsinvest“ sei eine Möglichkeit geschaffen worden, längerfristige Lieferketten bis zu fünf Jahre abzusichern – zum Beispiel beim mehrjährigen Rohstoff-Einkauf, schildert der OeKB-Chef. Naturgemäß steige aktuell auch die Nachfrage nach Produkten zur Absicherung gegen wirtschaftliche und politische Risiken. „Nicht dass wir uns das wünschen, aber es ist nun einmal ein Faktum, dass Unternehmen in einem so herausfordernden Umfeld solche Produkte eher suchen “, so Bernkopf.

Genau deshalb sei die österreichische Exportförderung so wichtig, sagt Eibinger-Miedl. „Das ist ein über Jahrzehnte etabliertes Erfolgsmodell.“

Große Fragezeichen

Österreichs Wirtschaft sei optimistisch ins Jahr 2026 gestartet, die Rezession sei überwunden, die Inflation gesunken. „Seit dem Iran-Krieg sind natürlich die Fragezeichen und die Risiken für Inflation und Wachstum wieder größer. Umso wichtiger ist es, dass wir uns auf den neuen Märkten behaupten. Umso wichtiger sind auch die Handelsabkommen beispielsweise mit Indien“, sagt die Staatssekretärin.

Essenziell im Kampf gegen die Inflation sei der Energiebereich, das „ist jetzt wieder präsent“, sagt Bernkopf. Die OeKB hat dazu seit kurzem Produkte zur Finanzierung des Netzausbaus und von Speichern im Portfolio, bei der erstmalig auch Instrumente aus der Exportförderung verwendet werden können. Dabei geht es um die heimischen Energieversorger, die die österreichische Exportwirtschaft beliefern und auch Strom ins Ausland exportieren. „Wir sind grundsätzlich auch in der Lage heimische Zulieferbetriebe, die selbst kein Auslandsgeschäft haben, sondern Exporteure beliefern, mit unseren diversen Produkten zu unterstützen“, sagt Bernkopf, der seit 2016 OeKB-Vorstand ist.

Und Eibinger-Miedl ergänzt: „An Beispielen wie diesen sieht man, dass das Angebot längst über die klassische Exportförderung hinaus geht. Es ist von enormer Bedeutung, dass die Schaffung von Energie-Infrastruktur unterstützt wird. Aber es sind noch Hausaufgaben zu erledigen, etwa die Beschleunigung der Verfahren.“

Spezialbank

Zum Hintergrund: Auch wenn es der Namen vermuten ließe, so ist die Kontrollbank kein Aufsichtsorgan über die heimischen Kreditinstitute, das erledigt die Finanzmarktaufsicht (FMA). Die OeKB ist vielmehr eine Spezialbank mit vielfältigen Aufgaben. Unter anderem stellt sie im Auftrag des Bundesministeriums für Finanzen Exporthaftungen aus und bietet auch attraktive Finanzierungen, wofür die günstigen Ratings und Garantien der Republik Österreich die Basis bilden. Mit den Exportgarantien des Bundes können beispielsweise Zahlungsausfallrisiken im Ausland abgesichert werden. 

Mit Kommerzbanken als Eigentümer und Partner erhalten kleine, mittlere und große Exportunternehmen zinsgünstige Finanzierungslösungen, die sie für ihre Entwicklung brauchen. Die Bilanzsumme der gesamten OeKB-Gruppe betrug 2024 rund 34 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern kletterte um 5,5 Prozent auf 67,5 Millionen Euro.

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